29.10.2011 – "Rango" im Fadenkreuz: Die MovieXP-Filmkritik
![]() Wer bin ich? „RANGO“ – Ein Chamäleon mit IdentitätskriseVier mexikanische Eulen singen uns das Lied vom Leben und Tod eines unter tragischen Umständen umgekommenen Westernheldens – des Chamäleons „Rango“. Dies ist zumindest das, was der Leadsänger des gefiederten Gesangs-Quartetts zu Beginn von „Rango“ behauptet. Was genau die Vogel-Band ihren Zuhörern und Zuhörerinnen zu zwitschern hat, soll nun im Folgenden kurz geschildert werden.![]() Bereits in der ersten Szene wird klar, dass es sich bei dem besungenen Protagonisten der Geschichte um einen Anti-Helden handelt, wie er im Buche steht. Allein in einem Terrarium auf dem Rücksitz eines Autos gefangen und umgeben von nichts als unbelebten Gegenständen, spielt ein Chamäleon mit sich und den es umgebenden Dingen Theater, wohl um der tödlichen Langeweile und Einsamkeit zu entgehen und seinen – so ist von Anfang an klar – durchaus scharfen und erfindungsreichen Geist zu fordern. Die Selbstgespräche der Echse decken nicht nur neurotische Züge, sondern auch Zweifel bezüglich des Selbstbildes auf: „Ich weiß wer ich bin, ich bin der Dings, der Protagonist, der Held. Jede Geschichte braucht einen Helden.“ So auch diese. Und gerade als das gelangweilte Haustier sich fragt, wer er denn nun sei, und daraufhin beschließt, eben alles sein zu können und seiner Geschichte eine unerwartete Wendung mit Konfliktpotential geben zu müssen, um als Figur definiert zu sein, passiert es: Nachdem die Besitzer des Anti-Helden nur knapp einem Autounfall entgehen, sich das Aquarium aufgrund der Schleuderbewegung vom offenen Rücksitz des Wagens löst und – musikalisch mit einem Ave Maria untermalt – auf die gefährliche Straße segelt und zerbirst, findet sich die Echse ohne Namen plötzlich vollkommen alleine in der Wüste wieder. Was dann anhebt, ist eine Geschichte sprühend vor Wahnwitz, Einfallsreichtum, Humor und einer Narration, deren Tiefsinnigkeit man vielleicht nicht von einem Film erwartet, der scheinbar für Kinder konzipiert ist (FSK 6). Der Protagonist begegnet direkt nach dem Unfall einem mit philosophischen Weisheiten um sich werfenden Gürteltier – „Der Weg zur Erkenntnis ist ein folgenschwerer“ –, das den „Geist des Wilden Westens“ sucht und das Chamäleon, dem es verständlicherweise nach Wasser dürstet, im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste schickt, um dort eben jenes kühle Nass und vielleicht auch sich selbst zu finden. Auf dem Weg dorthin trifft der Protagonist die Echsendame Bohne, die ein ungelöstes Vater-Problem und einen Erstarrungs-Selbstschutz-Mechanismus hat; beides Dinge, deren sie sich nicht bewusst sein will, die aber noch zu zahlreichen witzigen Situationen führen werden. Bewusst hingegen ist ihr, dass die Stadt, in der sie und andere skurrile Tiere leben und deren Besuch der Anti-Held zwecks Durstlöschung anstrebt – bezeichnenderweise ist der Name dieser Siedlung „Dreck“ – unter eklatantem Wassermangel leidet. Die resolute Bohne will der Ursache dafür auf den Grund gehen und bekommt auch bald Schützenhilfe vom Sheriff der dürstenden Stadt: der Westernlegende „Rango“, der wiederum niemand geringeres ist als unser neurotischer Protagonist. Wie die Echse zu solch zweifelhaftem Ruhm und diesem Namen gekommen ist, welche Intrigen erst entwirrt werden müssen, um das „aquarische Mysterium“ aufzudecken, ob „Rango“ vielleicht den „Geist des Wilden Westens“ und letztens Endes sich selbst oder gar den Tod findet – oder all dies – soll hier nicht verraten werden. Nur so viel sei hier kundgetan: „Niemand kann vor seiner eigenen Geschichte weglaufen“, wie eine Figur im Film so treffend formuliert. So auch „Rango“ nicht. |

