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Special

21.04.2010 – Moral und Spiele



Gut oder böse, umsichtig oder in Rambo-Manier, mit helfender Hand oder vernichtendem Schlag: Gamer sind immer wieder mit Moral konfrontiert. Was geht in Spielern vor, die in virtuellen Welten vor solche Entscheidungen gestellt werden – und haben diese Auswirkungen auf das echte Leben? Herbert Rosenstingl (HR), Leiter der Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (BuPP), hat GamingXP Antworten auf diese Fragen gegeben.

GXP: Wenn man über Moral in Videospielen spricht, kommt man nicht umhin darüber nachzudenken, warum Spiele im Allgemeinen von vielen Menschen – besonders Politikern (aktuelles Beispiel: Schweiz) – als moralisch zwielichtig angesehen werden. Woher kommt diese Ansicht Ihrer Meinung nach?

HR: Es gibt eine Reihe von Ursachen für diese Vorbehalte und Vorurteile gegenüber Computerspielen. Aus meiner Erfahrung sehe ich eine der größten Schwierigkeiten in der Wahrnehmung von Computerspielen durch „Außenstehende“: Nicht-Spielende sehen vor allem das Geschehen am Bildschirm und meinen, dieses wie einen Film interpretieren zu können. Die gesamte Spielmechanik, die Herausforderungen für die Spielenden und deren Leistungen sind nicht so leicht zu sehen und zu erkennen. Daher fällt es schwer, Computerspiele als Spiele zu akzeptieren und es wird über die Moral der Bildschirminhalte geredet. Bei Schach ist es wesentlich offensichtlicher, dass es ein herausforderndes Spiel ist. Daher gibt es dort auch keine Diskussion über „Bauernopfer“ und einen zu führenden Vernichtungskrieg.

GXP: Die Diskussion über moralisch fragwürdige Inhalte gab es anfangs bei jedem neuen Medium. Auf Spiele stürzen sich die Kritiker jedoch besonders vehement, scheint es. Weil virtuelle Welten älteren Menschen generell weniger zugänglich sind als zum Beispiel das Fernsehen?

HR: Die Vehemenz der Diskussion über Computerspiele ist zumindest zum Teil schlicht durch die generell veränderte Art der Berichterstattung und Diskussionskultur in den Medien bedingt. Die Schärfe der Angriffe steht aber durchaus in einer Tradition: Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde eingehend und mit harten Worten vor dem Lesen und den Gefahren der Lesesucht gewarnt und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es das Kino, das die eindringlichen und vehementen Rufe nach Zensur und Schutz der Jugend laut werden ließ. So wundert es wenig, dass der "Index" in Deutschland auf das "Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften" vom 18. Dezember 1926 (!) zurück geht. Und dieses "Schmutz- und Schundgesetz"
hat dabei letztlich auch nur seit Jahrhunderten bewährte Maßnahmen diverser kirchlicher und staatlicher Stellen aufgegriffen und weitergeführt.
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