|
Dank leistungsfähigerer Handys und anderer tragbarer Elektronikgeräte wie dem iPod steht eine Technologie vor dem Durchbruch, die unsere Wahrnehmung der Welt für immer verändern könnte: die „erweiterte Realität“.
Wenn die reale Umgebung mit virtuellen Informationen angereichert wird, ist von „Augmented Reality“ – zu Deutsch „Erweiterte Realität“ – die Rede. Jahrzehntelang höchstens Inhalt diverser Science-Fiction-Szenarien, könnte diese Entwicklung 2010 den Durchbruch schaffen – Einzug gehalten in die Industrie hat sie bereits. Eifrig basteln Entwickler weltweit nun vor allem an Anwendungen für die breite Masse, die mit Smartphones, PDAs und natürlich den tragbaren Geräten von Tech-Liebling Apple die Umwelt ganz neu erkunden soll. Schließlich steckt ein großes Geschäft hinter der erweiterten Realität – besonders virtuelle Stadtpläne haben Hit-Potenzial.
Wie das funktionieren wird?
Die Touristin 2.0 steht ohne lästigen, unmöglich wieder zusammenfaltbaren Papier-Stadtplan vor dem Kolosseum in Rom. Sie richtet die Kamera ihres Handys auf das imposante Bauwerk, schon erscheinen auf dem Display verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Eine virtuelle Nachbildung des unzerstörten Amphitheaters inklusive altrömischer Besucher kann ebenso in Echtzeit auf dem Bildschirm erscheinen wie die dreidimensionale Wegbeschreibung zum nächsten Kaffeehaus.
Bevor auch die große Masse der Privatpersonen in den Genuss der Augmented Reality kommen kann, gilt es für die Entwickler noch, einige Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Problematisch ist zum Beispiel die Rechenleistung, um virtuelle mit echter Umgebung zu verschmelzen. Sollen nicht Standbilder illustriert, sondern Informationen live in Bewegung hinzugefügt werden, übersteigt das selbst die Möglichkeiten modernster tragbarer Geräte. Zudem ist der Großteil des heutigen Kartenmaterials zweidimensional, für die exakte Darstellung erweiterter Realität sind jedoch 3D-Daten zwingend erforderlich.
In abgespeckter Version funktioniert der virtuelle Reiseführer jedoch bereits. Die österreichischen Entwickler von Mobility haben mit „Wikitude“ eine Software entwickelt, die ein mit der Handykamera aufgenommenes Gebäude identifiziert und die Informationen dazu aus Wikipedia ausliest. Andere Firmen stellen Applikationen bereit, die Sternenkonstellationen erklären, den Weg zur nächsten Bar finden oder als Ersatz für Messgeräte dienen. In den Genuss solcher Anwendungen kommen in Zukunft nicht nur Besitzer von Apple-Geräten und solchen mit Android-Betriebssystem, vor kurzem haben die Handy-Riesen LG und Nokia verkündet, 2010 verschiedene „Augmented Reality“-Features in ihre neuen Smartphones zu integrieren.
Spieler kommen bereits in den Genuss dieser Technologie, bekannteste Beispiele sind derzeit Sonys „EyePet“ und „Invizimals“. Bei beiden interagiert der Gamer via Kamera mit virtuellen Kreaturen, die auf dem Bildschirm in die Umgebung eingefügt werden und auf Handbewegungen sowie Zubehöreinsatz reagieren.
|
|