18.03.2010 – Gratis-Internet ist vorbei
![]() Mit der Verbreitung des Internets hat sich eine Weltanschauung eingeschlichen, die besonders den traditionellen Medien zu schaffen macht: die Ansicht, alle Inhalte im Netz seien kostenlos. Im Kampf ums Überleben wird der Gratis-Mentalität nun jedoch der Kampf angesagt. Der Trend weg von den traditionellen Medien Zeitung, Radio und Fernsehen hin zu den Online-Pendants stellt die gesamte Branche vor ein gewaltiges Problem: Jahrzehntelang haben Internetnutzer ihre Liebe zum Online-Leben nicht zuletzt deshalb entwickelt, weil sich ihnen zahllose kostenlose Möglichkeiten eröffneten. Zuerst waren es die E-Aail-Adressen, mit denen jeder Mensch in Sekundenbruchteilen zu erreichen war, ganz im Gegensatz zur Kommunikation per Brief. Dann tauchten die ersten Online-Zeitungen auf, die ebenfalls kostenlos berichteten – und das wesentlich schneller und flexibler als ihre Vorlagen auf dem Papier. Vor 60 Jahren erblickte zuletzt ein neues Medium die Welt, das Fernsehen, und das fügte sich, ohne größere Verluste zu verursachen, in den Reigen der Branche ein. Ganz im Gegensatz zum Internet: Noch bevor die Medienmacher das wahre Ausmaß des Umbruchs erfasst hatten, überschwemmten kostenlose Angebote das Netz und damit die Wohnzimmer. Online-Radios und Podcasts bieten ungeahnte Auswahlmöglichkeiten. Fernsehsendungen stehen ständig bereit, fixe Programmzeiten sind kein unüberwindbares Hindernis mehr, ständige Werbepausen im Internet noch nicht etabliert. Und die Online-Ausgabe der Lieblingszeitung bietet außer aktuelleren Nachrichten mehr Informationen, Bilder und Videos. Die Nutzer könnten sich ob dieser kostenlosen, legalen Auswahl auf die Schulter klopfen – wären da nicht die Medienmacher, die sich durch das Internet jetzt oder in naher Zukunft in ihrer Existenz bedroht sehen. Schließlich werden die privaten Medien hauptsächlich durch Werbeeinnahmen finanziert – und gerade die lassen online auf sich warten. In den USA mussten daher bereits einige Zeitungen zu Grabe getragen werden, etwa das seit 1863 erschiene Traditionsblatt „Seattle Post-Intelligencer“. Wie diesem Trend ein Ende gesetzt werden kann, darüber wird zurzeit intensiv diskutiert. |
