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23.02.2010 –
"Der Spielemacher" - Das Buch und das Interview
Das Interview mit dem Spielemacher GXP: Was machen Sie im täglichen Leben beruflich?Johannes Ulbricht: Beruflich bin ich Anwalt für Urheber- und Medienrecht und Justiziar des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft. Meine meisten Mandanten kommen also aus dem Kultur- und Veranstaltungsbereich. Früher habe ich auch diverse Games-Firmen vertreten, das tue ich in einigen Fällen auch heute noch. Da ich schon seit einiger Zeit dabei bin, einen Gamesfonds (also ein Finanzierungsmodell für Computerspiele) auf die Beine zu stellen, habe ich mich als Anwalt aber etwas aus der Gamesbranche zurückgezogen. Ich kann nicht gleichzeitig Anwalt der Games-Firmen sein und Geschäftsführer des Games-Fonds, mit dem sie ja Geschäfte machen.GXP: Wie sind sie zum Schriftsteller geworden?Johannes Ulbricht: Ich war schon immer sehr an Literatur interessiert. Ich habe ziemlich früh mit Schreiben begonnen – ungefähr mit fünfzehn – und weiß ehrlich gesagt inzwischen gar nicht mehr, was mich damals dazu gebracht hat.GXP: Was wollten sie mit der Idee, zurück in die Kindheit/Jugend zu schauen, bezwecken?Johannes Ulbricht: Es war mir wichtig, wie der Held dazu kommt, Spieleentwickler werden zu wollen. Um das zu veranschaulichen, wird am Anfang relativ lang seine Jugend dargestellt. Das hat den Nachteil, dass die dramatischen Ereignisse erst nach einiger Zeit beginnen aber dafür den Vorteil, dass man den Helden und seine Motivation insgesamt besser versteht. Außerdem finde ich etwas 80er-Jahre Revival nicht schlecht, weil es in dem Roman ja auch um die Kulturgeschichte der Computerspiele geht: Während sich die Romanhandlung fortentwickelt, werden die Games immer neuer. Der Anfang spielt in der Zeit der ersten Homecomputer, also Commodore64 und Sinclair ZX Spectrum.GXP: Sehen Sie im "Spielemacher" eine "Anleitung", ein Spieleproduzent zu werden?Johannes Ulbricht: Also eine Anleitung im direkten Sinn ist der Roman wohl eher nicht. Aber ich denke, man erfährt schon Einiges an Insider-Informationen über die Branche. Ich habe ja einerseits lange als Anwalt in ihr gearbeitet und zusätzlich auch bei Computerspielfirmen im kaufmännischen und konzeptionellen Bereich mitgearbeitet. Ich habe beispielsweise auch an Spiele-Drehbüchern mitgeschrieben. Und weil ich gleichzeitig im Hauptberuf außerhalb der Gamesbranche tätig bin, bin ich nicht wirtschaftlich abhängig von ihr und kann deshalb so ein Buch schreiben ohne mir groß Gedanken machen zu müssen, ob ich mich bei irgendwem unbeliebt mache. Es liegt nur an dieser absoluten Ausnahmesituation, dass ich so einen Roman veröffentlichen kann. So tiefschwarz, wie sie in meinem Roman geschildert wird, ist die Gamesbranche übrigens nicht, es gibt dort auch viele nette Leute.GXP: An wen richtet sich das Buch, Ihrer Meinung nach?Johannes Ulbricht: Das Buch ist kein richtiger Krimi oder Thriller, sondern eher ein psychologischer Roman. Es spricht also eher den literaturinteressierten Leser an, der sich für die Gamesbranche interessiert. Letztlich ist die Gamesbranche aber nur der Hintergrund, im Kern geht es um ein allgemeines Thema: Wie aus Träumen besitzergreifende Leidenschaften werden, die zu Abhängigkeit und Zorn führen und dann schließlich – nach dem Aufgeben der Träume - zu Leere und innerer Freiheit. Ich hoffe und glaube aber, dass das Buch trotzdem spannend und unterhaltsam zu lesen ist.GXP: Was sind Ihre nächsten geplanten Projekte?Johannes Ulbricht: Ich arbeite seit etwa drei Jahren an meinem vierten Roman. Das ist allerdings ein sehr umfangreiches und aufwändiges Projekt. Da ich auch beruflich viel zu tun habe und deswegen nicht so viel Zeit auf das Schreiben verwenden kann, wie ich gerne würde, wird dieses Buch wohl nicht vor 2013 fertig werden. Aber das wird aller Voraussicht nach dann auch ein richtig tolles Ding, ich selbst bin jedenfalls schon mal schwer begeistert.
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