16.11.2009 – Spieleentwicklung - Interview mit Martin Filipp
GamingXP:Worin unterscheidet sich die Entwicklung von Games für den PC und die Konsole? Kann man sagen, Konsolen-Entwicklung ist einfacher (gleiche Hardware bei allen Gamern) oder schwieriger (Patches nicht so verbreitet wie am PC)?Martin:Der größte Unterschied liegt bei Konsolen in der proprietären Plattform. Der Entwickler muss beim Hardwarehersteller um einen Lizenz ansuchen, erst dann darf er für Konsolen entwickeln. Damit einher geht auch die Qualitätssicherung der Konsolenhersteller, der sich Entwickler „unterwerfen“ müssen.Der PC ist eine freie Plattform für die jeder Entwickler produzieren kann und das Produkt lässt sich mit Hilfe eines Vertriebspartners ohne weitere Hürde ins Regal stellen. Einfacher ist die Konsolenentwicklung nicht unbedingt, da das technische Aufgabenheft der Hardwarehersteller sehr umfangreich ist und penibel eingehalten werden muss. Hinzu kommen abhängig von der Plattform technische Limitierungen, die berücksichtigt werden müssen. Es ist aber sicher ein sehr großer Vorteil als Konsolenentwickler zu wissen, wie das Endgerät in allen Haushalten dieser Welt aussieht. Einer der größten Herausforderungen der PC Entwicklung sind sicherlich die scheinbar unendlichen Variationen an Hardwarekonfigurationen. Ein sehr wichtiger Punkt für uns Entwickler ist aber auch das Thema Raubkopieren. Die Hemmschwelle bei Konsolen ist immer noch größer, da die Hardware verändert werden muss durch den Einbau eines zusätzlichen Chips. PC Spiele hingegen lassen sich relativ leicht kopieren, ohne Eingriff an der Hardware. Dies spiegelt sich auch in höheren Umsatzzahlen bei Konsolenspielen und einem Einbruch bei PC Spielen wider. GamingXP:Gibt's Tipps für junge Spiele-Programmierer? Womit könnte man anfangen, was ist wichtig (abgesehen von technischen Kenntnissen) - was tun, wenn man heiß auf einen Job bei Deep Silver Vienna ist?Martin:Diese Frage ist naturgemäß sehr schwer zu beantworten. Auch wenn die Szene in Österreich sehr aktiv ist, gibt es in Summe nicht allzuviele Arbeitsplätze in dieser Industrie. Falls dieser Weg eingeschlagen werden möchte, sollte auf jeden Fall auch ein Ortswechsel mit einkalkuliert werden. Arbeiten in der Spieleindustrie bedeutet auch den verfügbaren Jobs nachzureisen.Das wichtigste ist generell eine fundierte Berufsausbildung wie sie zum Beispiel an vielen Fachhochschulen im Bereich Multimedia angeboten wird. Auch die Technische Universität in Wien bietet seit vielen Jahren ein sehr umfangreiches Programm die Spieleentwicklung betreffend an und das Lehrende Personal ist international sehr gut vernetzt. Ansonsten ist großes Eigeninteresse von Nöten, Ausdauer und die Fokussierung auf die individuellen Stärken aber vor allem auch das Korrigieren der eigenen Schwächen. Eine gute Möglichkeit das Interesse von Spieleentwickler zu wecken, ist das Arbeiten in der Modszene, das Erstellen von Levels mit Hilfe von Editoren oder das Programmieren von Prototypen. Viele Firmen screenen hier sehr genau und schon so manchen Modder ist somit der Einstieg in die Industrie gelungen. GamingXP:Danke für das ausführliche Gespräch!Martin:Gern geschehen! |