21.03.2009 – Amoklauf in Winnenden - Ein Kommentar
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Wieder ein Amoklauf an einer deutschen Schule. Wieder ein männlicher Jugendlicher. Wieder ein Außenseiter. Wieder waffenbegeistert. Wieder ein Killerspieler. Das gleiche Täterbild nun schon zum dritten Mal innerhalb von ein paar Jahren in Deutschland. Nach den Städten Erfurt (2002) und Emsdetten (2006) ist nun die Stadt Winnenden dran. Alle drei Amokläufe weisen ein ähnliches Täterprofil auf und bei allen dreien ist der schuldige Faktor von Medien und Politikern schnell gefunden: „Killerspiele“. Ich schreibe dieses Wort absichtlich unter Anführungszeichen, weil ich es für ein von den Medien erfundenes Wort halte. Denn kein Computerspieler würde die Spiele, die er spielt, selbst – auch wenn es sich um Shooter handelt – als „Killerspiele“ bezeichnen. In Österreich und Deutschland gilt das Prinzip der Unschuldsvermutung. Selbst wenn viele Indizien darauf hindeuten, dass ein Verdächtiger schuldig ist, gilt er bis zur rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig. Bei „Killerspielen“ ist das natürlich nicht so. Es gibt viele Studien über die Auswirkungen von Computerspielen auf den Menschen und genau so viele verschiedene Ergebnisse. Und keine Studie konnte bis jetzt beweisen, dass dieses Ergebnis das richtige ist. Also finde ich handeln Politiker à la Günther Beckstein zu voreilig, wenn sie davon reden „Killerspiele würden Amokläufer heranziehen“. Zum Vergleich: Aktuell spielen in Deutschland etwa eine halbe Million Personen „Counter-Strike“. Seit Counter-Strike 1.0 im Jahr 2000 erschien, sind drei Personen, die alle Counter-Strike gespielt haben, an deutschen Schulen Amok gelaufen. Diese drei Personen sind 0,0006% aller „Counter-Strike“-Spieler in Deutschland. In meinen Augen etwas zu wenig, um zu behaupten, „Counter-Strike“ würde Amokläufer heranziehen. |