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24.01. – Megaupload: FBI zerschlägt Filehoster, Anonymous übt Rache [UPDATE]

Internationalen Behörden haben einen großen Schlag gegen Raubkopien gelandet: Unter Federführung des FBI wurden weltweit die Server des Filehosters Megaupload – nach eigenen Angaben der größte im Web – lahmgelegt und über 20 Hausdurchsuchungen vollstreckt. Dabei kam es in Neuseeland zu vier Festnahmen, darunter der Deutsche Kim Schmitz, einer der mutmaßlichen Köpfe hinter Megaupload. Zwei weitere Personen sind offenbar noch zur Fahndung ausgeschrieben. Megaupload.com und weitere Seiten des Netzwerks sind nun nicht mehr erreichbar.

Den Verdächtigen werden Verstöße gegen Urheberrechte, die Bildung einer kriminellen Organisation, Verschwörung und Geldwäsche vorgeworfen. Der angebliche Schaden für die Content-Industrie und damit der Streitwert beläuft sich auf unglaubliche 500 Millionen Dollar. Die Megaupload-Betreiber selbst sollen 175 Millionen Dollar eingenommen haben. Ganz unrealistisch klingt das nicht: Megaupload soll zuletzt über 150 Millionen angemeldeten Usern und 50 Millionen Besuchern täglich gehabt haben – das ergibt schon viele Werbe-Impressions ...

Rache-Hacks
Nicht unbedingt verwunderlich ist, dass die Gruppe Anonymous die Vorwürfe als total überzogen angesehen und daher zum großen Rache-Hack ausgeholt hat. Auf Twitter wurde sogar zum „World War Web“ geblasen. Das altbekannte Mittel: Denial-of-Service-Attacken. Das wenig überraschende Resultat: Die Websites des FBI, des US-Justizministeriums und mehrerer Musiklabels waren vorübergehend nicht erreichbar. Ob Anonymous damit wirklich den großen Krieg gegen die Behörden eröffnet hat?

Laut Cnet könnte das absolut der Fall sein, denn angeblich waren das FBI und die US-Justiz wohl selbst auf Krieg aus. Der Grund dafür seien demnach die großen Proteste gegen das Antipiraterie-Gesetz SOPA und der anscheinend verlorene Kampf um diesen Gesetzesentwurf. Womöglich sei der Schlag gegen Megaupload bewusst zu diesem Zeitpunkt angesetzt gewesen, damit die vorhersehbaren, ausufernden Anonymous-Rachehacks die öffentliche Stimmung doch wieder zugunsten des SOPA schwingen lassen.

Uns ist jedenfalls klar, dass die Megaupload-Vorwürfe nicht komplett aus der Luft gegriffen sind – die Seite wurde oft genug missbraucht, um neben Musik und Filmen auch NoCD-Cracks und andere Hacks für Games zu verbreiten. Wenn die Betreiber das nicht mitbekommen haben, sind sie die wahrscheinlich dümmsten Menschen der Welt. Die Frage, ob die US-Vorwürfe wie so oft bei Copyright-Rechtsstreits überzogen sind, ist zwar absolut berechtigt – aber ebenso überzogene Racheaktionen schaden wohl mehr, als sie nutzen.

[UPDATE] Andere Filehoster reagieren auf Megauplaod-Abschaltung

Die FBI-Aktion hat offenbar für einige Unruhe bei den Betreibern anderer Filehosting-Anbieter gesorgt. Jedenfalls liegt der Verdacht nahe, dass aktuelle Änderungen verschiedener Anbieter eine Reaktion auf das Vorgehen der Behörden sind.

FileSonic beispielsweise hat sich effektiv aus dem Filehosting zurückgezogen: User können zwar ihre eigenen Dateien nach wie vor herunterladen, aber nicht mehr einfach per Link mit anderen teilen. Uploaded.to dagegen sperrte seinen Service für amerikanische User, alle anderen können (vorerst) weitermachen wie bisher. FileServe wiederum stellte zunächst das Partnerprogramm ein, das bislang Uploader besonders beliebter Dateien mit barer Münze belohnte. Inzwischen können wie bei FileSonic nur noch die  Besitzer ihre Dateien herunterladen.

Vorerst keine Änderungen gibt’s bei Rapidshare, einem in der Schweiz ansässigen Filehost. Warum auch? „Rapidshare ist so legal wie die Swisscom oder Youtube“, so CEO Alexandra Zwingli in einem Interview mit netzwoche.ch. Aha. Allerdings sagt sie gleich darauf selbst, dass rechtliche Detailfragen ungeklärt seien, etwa wie weit Rapidshare zu präventiven Massnahmen gegen mögliche illegale Handlungen seiner Kunden verpflichtet sei. Da hat sich jemand ein fettes Fadenkreuz auf die Stirn gemalt, denn wie gern Rapidshare von Raubkopierern genutzt wird, wissen die US-Behörden wohl genau so gut wie wir ...

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