11.08.2010 – "World of Warcraft: Cataclysm" - Worgen Tagebuch, der sechste Eintrag.
Gilneas, sechster Eintrag:
Liebes Tagebuch
Die Treppe ist blutgetränkt, in meinen Ohren summt es beständig. Diese Kanonen sind wahre Monster, aber wenigstens helfen sie uns gegen die unglücklichen Verwandelten.
Wegen dem Lärm um mich herum muss ich auch nicht mehr mit dieser Stimme sprechen, die in den letzten Stunden stärker und stärker wurde. Langsam, ganz langsam, bekommt die Stimme auch ein Gesicht … Immer, wenn mir kurz schwarz vor Augen wird und mein Körper wegen dem Stress fast vorm Zusammenbrechen ist, sehe ich einen weißen Wolfsschädel in meinem Inneren. Seine roten glühenden Augen schauen mir ins Tiefste meiner Seele. Immer, wenn der Wolf in mir stärker wird, entbrennt ein Kampf. Ich kämpfe um meine Selbstachtung, um mein Menschsein und um die Möglichkeit mich nicht zu vergessen. Dieser Wolf stärkt meine Sinne … Mir kommt es vor, als würde ich besser riechen, besser tasten, es kommt mir sogar so vor, als wenn er meine Reflexe stärkt. Aber zu welchem Preis?
Die Sache auf dem Pferd, ich konnte das Blut des Pferdes strömen hören. Ich konnte das Herz des Pferdes fühlen, wie es schlägt, und ich konnte mich nur knapp davon abhalten dem Pferd nicht in den Hals zu beißen und es zu töten. Mein Gott, was denke ich da nur! Wie kommt dieser Wolf in meine Seele? Er will meinen Körper, das weiß ich nun, er fordert mich heraus. Ich werde widerstehen – ich bin mein eigener Herr! Ich schlage mir ins Gesicht und betrete verstört die Kathedrale. Am Ende des langen roten Teppichs wartet Lord Crowley auf mich.

Dies wird unsere letzte Schlacht. Entweder werden wir Überlebenden Helden sein oder wir werden zu Nichts in der Geschichte vergehen - auf diese nächsten Minuten wird es ankommen.
Die Stimmung bei den Übriggebliebenen steht fast vor dem Siedepunkt. Wir sichern jede Ecke in dem alten Gebäude und warten auf das Unvermeidbare. Man hört ihre Krallen auf dem Boden wetzen, ihre Klauen schaben an der Tapete entlang.

Sie kommen, nun geht es los!
„Ja nun geht es los! Nun komme ich und hole was mir zusteht, nun fresse ich deine Seele und werde deinen Körper übernehmen. Du bist zu weich! Du bist zu schwach! SIEH DICH AN, du Sack aus Fleisch! Deine Hände sind zu nichts zu gebrauchen, außer um damit den Dreck auf dem Boden aufzuklauben. Ich werden diesen Körper neu gestalten, Ich werde ihn formen, ich werde ihn vervollkommnen. NUN GEHÖRST DU MIR!!!“
Ich kämpfe mit den Worgen vor mir und mit dem Worgen in mir, es ist ein ungleicher Kampf.

Vor meinem inneren Auge beißt mir der Geist des Worgen in den Hals. Er drückt zu und mir bleibt die Luft weg. Mir wird schwarz vor Augen …. Fast hätte mich der Worg vor mir enthauptet – hätte ich mich nicht geduckt, wäre ich nicht hinterher in die Luft gesprungen und hätte dem Worgen mit beiden Füßen vor die Brust getreten. Der Worgen-Geist macht mich stärker! Ich sehe die Menschen um mich herum rot leuchten … Ich glaube, ich sehe … wittere deren Blut … Mein Körper kocht, meine Knochen schmerzen … NEIN, das darf nicht sein!
Ich kämpfe mich zu der Tür vor und bringe die Flut an Worgen erst einmal zum Erliegen, andere sichern die Tür als ich zu Lord Crowley zurück gehe. Er bedankt sich bei mir und ich sacke erschöpft zusammen. Vor meinen Augen tanzen Sterne ... jemand lacht, jemand jault … jemand knurrt und …
„Wo bin ich …?“
Ich sacke fast zusammen, aber etwas hält mich fest. Ist das Holz an meinen Handgelenken?

„Wir sind gefangen, du Wurm! Reiß dich los! Lass mich frei! Hör auf mich zu unterdrücken! Lass dich einfach fallen und ich werde uns befreien. Ich werde unsere Häscher zerfleischen! Ich werde dir die wahre Kraft zeigen, die Kraft der Wölfe!“
Aranas steht vor mir und flößt mir etwas ein. Meine lange Zunge nimmt die Flüssigkeit dankbar auf. Lange Zunge? Mein Blick klärt sich und ich sehe Aranas in einer Kutte vor mir stehen. Er schaut mich mitleidig an und mit einem hoffnungsvollen Schimmer in den Augen hält er mir eine Phiole an das Maul. Ich bin nicht mehr ich … ich erinnere mich an nichts mehr. Da war nur Schwärze in der Kathedrale und dieses Gefühl von Wildheit und Wut.
Ich knurre und schaue meine Hände an. Ich sehe Krallen, fünf Zentimeter lange Krallen. Meine Hände sind Waffen! Ich rieche … Holz. Altes Holz umgibt mich und dieser Geruch von Angst und Schweiß... Ich … in mir breitet sich ein warmes Gefühl aus. Es erinnert mich an … Schlotternächte … Heimat … Eine Träne rinnt mir aus dem Auge und ich empfinde eine Mischung der menschlichsten Gefühle, das mittlerweile allgegenwärtige Wolfsgesicht verliert vor meinem inneren Auge an Form und Konsistenz.
Ich verliere den Drang zu beißen, ich verliere den Drang meine Krallen in Fleisch zu hauen. Ich bin wieder ich, in einem Körper, der nicht der meine ist. Ich bin eine Waffe. Ich bin ein Wolf! Ich bin ein Worg! Aber ich habe dank Aranas meine Sinne beisammen!