28.04.2010 – Gedanke zum Tag: Stressfaktor

Langsam bewege ich mich auf eine Öffnung zu, die vor langer Zeit wohl Mal von einer Tür verschlossen wurde. Die vorgehaltene Taschenlampe spendet gerade genug Licht, um die Blutflecken am Boden zu erkennen. Vorsichtig, Schritt für Schritt, schieb‘ ich mich vorwärts, während mein linker Mittelfinger immer wieder unfreiwillig von der W-Taste zuckt.
Will ich wirklich wissen, was mich da drinnen erwartet? Dass die ansonsten immer zu hörende Musik verstummt ist, sollte eigentlich Anzeichen genug sein, um zu wissen, dass ich mich gleich aufs Übelste erschrecken werde. Ich könnte doch einfach aufhören, oder zumindest zum Verschnaufen ins Pausenmenü wechseln. Blödsinn! Ich bin doch kein kleines Kind.
Da! Ein Geräusch! Klingt wie das Tropfen von Wasser auf eine Art Karton. Es kommt aus dem dunklen Raum. Warum hat das gerade jetzt angefangen? Die Stelle, auf der ich gerade stehe, ist doch ein recht ungünstiger Platz für einen Trigger. War es schon immer da? Egal, noch mal schnell die Ausrüstung checken. Das Gewehr ist geladen, die Sekundärwaffe auch. Erste-Hilfe-Pakete hab ich alle gesammelt und für den Ernstfall – wie das einer zu sein scheint – aufgehoben.
Wieder ein Schritt weiter. Ich starre wie gebannt auf den Bildschirm. Nur noch zwei Schritte. Die Taschenlampe beginnt zu flackern und gerade in dem Moment, in dem ich mich dazu hinreißen lassen will, einfach unter dem Türrahmen hindurch zu sprinten, passiert es. Hinter mir fällt die Tür ins Schloss. Vor Schreck spring ich ein klein wenig in die Luft, gerade so weit, dass der Stuhl unter mir umfallen kann und ich in leicht hockender Position vor meinem Schreibtisch stehe. Das Anschlusskabel von meinem Headset baumelt herum, da ich es aus Versehen aus der Büchse gezogen habe. Meine Freundin steht vor mir und schaut mich mit einem fragenden Blick leicht verdutzt an.
„Alles in Ordung mit dir, Schatz?“ Welch eine Frage! Ich war gerade in einem von Monstern und anderen Kreaturen bevölkerten Hochhaus unterwegs und das mitten in der Nacht. Was soll mit mir da nicht in Ordnung sein, nur weil sie ohne irgendeine Vorankündigung hinter mir Auftaucht um mich beinahe zu Tode zu erschrecken. „Ja, klar“, antworte ich. „Was soll denn sein?“