Nach drei Jahren Herumbastelei in der Sony Computer Entertainment Werkstätte wurden wir nun mit dem groß angekündigtem Legend of the Dragoon beglückt. Es ist ein typisches Manga-Fantasy-Rollenspiel, wie z.B. Final Fantasy, Chrono Trigger, usw. Auf den ersten Blick schon kann man Parallelen mit den Verkaufshits der Final Fantasy-Serie ziehen, deswegen möchte ich in meinem Bericht einige Punkte direkt mit FF vergleichen.
Die Story
In Serdio, einem Kontinent von Endiness, herrscht Krieg. Ein kleines Dorf wird angegriffen und ihr schlüpft in die Rolle von Dart, einem jungen Krieger, der in seine Heimatstadt zurückkehrt und erstmals mit der Kriegssituation und den schrecklichen Schicksalen der Bewohner vertraut wird.
Das Mädchen Shana, das Dart schon seit seiner Kindheit kennt, wurde aus mysteriösen Gründen in ein Gefangenenlager entführt. Unser Held Dart beschließt natürlich sofort, sie zu retten. Er schleicht sich in das Gefängnis und befreit Shana mit Lavitz, einem Ritter, dem er unterwegs das Leben rettete. Dieser Ritter ist der treueste Diener des Königs und bittet Dart um Hilfe, seinem König im Krieg gegen den Bösewicht, Kaiser Doel, beizustehen. Eine Gruppe von drei Protagonisten hat sich nun gebildet. Es entsteht eine untrennbare Freundschaft und sie befreien das Königreich. Doch das ist erst der Anfang, denn Doel war nur eine Spielfigur eines noch viel mächtigeren Wesens, das Böses im Schilde führt. Es erwartet euch nun eine lange Reise, dieses Wesen durch viele Länder zu verfolgen.
Darts Eltern sind vor 18 Jahren angeblich durch das "Schwarze Monster" umgekommen. Von seiner schrecklichen Vergangenheit geprägt, machte er es zu seiner Lebensaufgabe dieses Wesen zu finden und den Tod seiner Eltern zu rächen. Sein Vater hinterließ ihm einen besonderen Anhänger, der, wie Dart bald herausfindet, unglaubliche Macht verleiht. Er setzt im Kampf die Kraft eines Drachen frei und verwandelt Dart in den Dragoon des Elements Feuer. Natürlich gibt es zu jedem Element (Wasser, Feuer, Luft, Erde, Licht, Dunkelheit, Donner) einen entsprechenden Dragoon. Wie der Zufall es will, treffen sich im Laufe der Geschichte alle 7 Dragoons. Dass diese Macht freigesetzt wird, bedeutet natürlich, dass die Menschen die Hilfe dieser mächtigen Wesen benötigen. Nach einer langen Geschichte über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Endiness stehen Dart und seine Freunde dem Weltuntergang gegenüber. Die Menschheit kann nur durch die Tapferkeit der 7 Dragoons gerettet werden.
Für RPG-Kenner sind die Story-Elemente eigentlich nichts Neues. Der allein aufgewachsene Krieger, das zu rettende Mädchen, der Bösewicht, der die Welt beherrschen will, sind alles Themen, die wir schon kennen. Wie der Titel schon sagt, wird die Mythologie der Drachen sehr stark betont und ist sicherlich ein einzigartiges Merkmal dieses Spieles. Leider ist die Verarbeitung der Story und die Gestaltung der Nebenmission etwas mager. Teils einfallslose und unnötige Einschübe in die Geschichte machen das Spiel etwas langweilig. Wenn man die rund 50 Spielstunden berücksichtigt, so ist der Gesamteindruck der Story-Line doch sehr schwach. Praktisch nach dem ersten Viertel des Spiels ändert sich die Handlung nicht mehr dramatisch und die Vergangenheit der einzelnen Charaktere wälzt sich immer und immer wieder auf. Besonders in den letzten zehn Stunden, wenn man gar nicht mehr darauf warten kann, den Endgegner zu erledigen, wird man unnötig mit Einschüben zu jedem der sieben Charaktere bis zum Ende gequält.
Legend of the Dragoon kann also von der Story leider nicht mit Final Fantasy (VII oder VIII) mithalten. Die Lovestories wirken ziemlich lächerlich und die Charaktere verhalten sich wie pubertierende Kinder. Die Dialoge sind auch nicht wirklich das Wahre. Wie bei jedem japanischem RPG ist die deutsche überarbeitung etwas schlampig und die Dialoge sind im Textkontext manchmal sehr bizarr.
Bei einem Fantasy-RPG ist die Story das wichtigste Element. Rückblickend ist der Gesamteindruck der Handlung irgendwie unvollständig. Es ist kein nachvollziehbarer Faden in der Geschichte zu finden. Besonders der Schluss kam mir etwas herausgequält vor.
Die Ähnlichkeit mancher Elemente dieses Spiels zu Final Fantasy verwundert mich doch etwas. Dart zum Beispiel hat große Ähnlichkeit zu Cloud aus FF7, oder der Bösewicht Lloyd, den man im Laufe des Spiels verfolgt, hat viele Gemeinsamkeiten mit dem Schurken Sephiroth, ebenso aus FF7, und das sind nicht nur die einzigen Punkte. Das Gameplay ist in manchen Passagen besonders ziehend. Am meisten störte es mich, dass man manchmal gleich vier- oder fünfmal durch die gleichen Orte laufen muss.
Das Kampfsystem
Prinzipell kann man sagen, läuft es auch hier wie bei FF7 und FF8 ab. Es gibt GesundheitsPunkte (GP), MagiePunkte (MP) und Experiencepoints. Je mehr Experiencepoints man hat, desto höher das LEVEL. Bei höherem Level erhöhen sich sowohl GP, als auch MP. Die restlichen statistischen Werte wie Angriffspunkte, Verteidigung, usw. dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Etwas Besonderes, allerdings nicht allzu Aufregendes, sind die "Zusätze". Das sind je nach Charakter individuelle SpecialMoves, die man im Kampf mittels Drücken der X-Taste im richtigen Moment aktiviert. Dies wäre mit den "Limits" von FF7 und FF8 zu vergleichen.
Man bewegt sich außerhalb der Orte auf der Landkarte, auf der man an beliebiger Stelle speichern kann. Ungefähr alle halben Minuten , außer in Städten, findet ein Kampf statt. Diese Kämpfe werden von drei ausgewählten Charakteren der Partie rundenbasiert geführt. Hier hat jeder Kämpfer fünf Befehle zur Auswahl: 1.)1.) Attacke: Man greift mit der gewöhnlichen Waffe einen Gegner an. Bei rechtzeitigem Drücken der X-Taste wird die "Zusatz"-Kombination ausgeführt. 2.)2.) Schild: Wenn gerade der Moment zum Angreifen ungünstig ist, ist dieser Befehl recht praktisch. Man geht in Verteidigung, steckt nur halben Schaden ein und gewinnt ein paar GP. 3.)3.) Gegenstände: Wie erwartet, kann man hier Gegenstände im Kampf, wie Heilungen, Gegengifte, usw., zu sich nehmen. 4.)4.) Flucht: Bei normalen Kämpfen kann man fliehen, bei den Endgegnern ist diese Funktion logischerweise gesperrt. 5.)5.) Dragoon: Dieser Befehl verwandelt den Spieler in einen Dragoon. Der Dragoon-Modus ist allerdings nur möglich, wenn der Kämpfer genügend SpiritPoints (SP) besitzt, die man bei erfolgreichem Ausführen von "Attacke-Zusätzen" erhält. Je nach Menge hält der Dragoon-Modus unterschiedlich lange an. Als Dragoon kann man den Gegner entweder mit der Waffe oder mit einem erlernten Zauber angreifen.
Gegen Ende des Spieles sind die zwar sehr aufwendigen, aber auch langen Animationen der Dragoon-Zauber sehr lästig und machen die Kämpfe teilweise nur mehr zu einer Effekt-Hascherei.
Meiner Meinung nach hätte Sony das Kampfsystem um einiges einfallsreicher gestalten können, denn im Prinzip besitzen alle Kämpfer die gleichen Fähigkeiten. Sie unterscheiden sich nur durch das jeweilige Element und deren Zaubersprüche.
Grafik
Sony hat sich sehr viel Mühe in den Animationen und der Grafik gegeben. Die Hintergrundbilder wirken zwar teilweise etwas grobkörniger als z.B. bei FF8, aber der Rest ist wirklich prächtig gelungen.
Die Kämpfe sind zwar mit wunderschönen Effekten überschüttet, doch, wie schon erwähnt, sind die langen Effekt-Haschereien nach einigen Kämpfen etwas nervig. Bei manchen Mega-Zaubern kann man schon einmal eine kleine Snack-Pause einlegen, ohne viel Zeit zu vergeuden. Die Bewegungen der Kämpfer mit den Waffen sind sehr beeindruckend, jedoch ist es schade, dass neue Waffen nicht anders gestaltet werden. Das heißt zum Beispiel, dass Dart in den Kampfszenen vom visuellen Standpunkt immer mit dem gleichen Schwert schlägt.
Obwohl auch der Manga-Grafikstil Geschmacksache ist, beherrscht Sony trotzdem die PSone Hardware wirklich perfekt. Das Grafik-Potential ist bis zum Rand ausgenützt.
Ein weiterer Plus-Punkt sind die bombastischen FMV (FullMotionVideo)-Sequenzen. Sehr schön verarbeitete und mit vielen Effekten ausgeschmückte Bilder machen die Sequenzen besonders sehenswert. Schade ist nur, dass sie relativ selten vorkommen. Leider verzichtet Sony komplett auf die Integration der FMV in die Spielgrafik. Deshalb kommt Legend of the Dragoon auch in diesem Punkt FF8, das die FMV-Sequenzen perfekt integriert, nicht nach, was eigentlich sehr schade ist.
Sound
Der Sound ist in Legend of the Dragoon leider sehr vernachlässigt worden. Teils einfallslose und langweilige Varationen von orientalischen Melodien machen den Gesamteindruck des Spieles etwas blass. Dass für die einzelnen Gefühlsstimmungen, wie z.B. Trauer, immer die gleiche Melodie verwendet wird, finde ich ziemlich unoriginell. Teilweise erinnern die Melodien an Chrono Trigger.
Natürlich muss sich das Spiel in diesem Punkt der gesamten Final Fantasy-Reihe geschlagen geben, denn der Soundtrack zu Final Fantasy von dem Komponisten Noebou Uematsu sorgt fast immer für die richtige Stimmung. Natürlich ist auch das Geschmacksache, doch die ständigen Soundwiederholungen sind doch einfach nur einfallslos.
Das Spiel beruht zwar wie Final Fantasy noch auf einzelnen Text-Dialogen, doch in den Kämpfen wird eine Art Halb-Sprachausgabe geliefert, die das Spiel irrsinnig ins Lächerliche zieht. Krächzendes Schlachtgestöhne und die kaum verständlichen Kommentare während des Kampfes hätte man sich wirklich sparen können. Es erinnert irgendwie an Sailor-Moon, wenn man einen Zauber aktiviert und der Kämpfer mit Tausenden Effekten um sich prahlend herumstöhnt und den Zaubernamen mit rasendem Kampfesmut ausspricht.
Spätestens bei Final Fantasy X erwartet uns eine komplette Sprachausgabe und ich hoffe Squaresoft wird sich etwas bemühen uns eine gute übersetzung in akzeptabler Qualität zu liefern.
Steuerung
Der ShockController wird komplett unterstützt und die Vibrationen im richtigen Moment sind sehr gut gelungen. Der Controller meldet sich hier sogar bei den FMV-Sequenzen. Das bringt den Spieler richtig gut in das Spielgeschehen hinein. Leider kann man sich die Buttons nicht selber belegen, aber das ist auch nicht unbedingt nötig, denn die Steuerung ist sehr einfach.
Das Spiel verläuft im Allgemeinen eigentlich fehlerfrei, außer wenn man versucht einen "Zaubertrank" außerhalb des Kampfes anzuwenden, dann stürzt das Spiel gnadenlos ab. Das ist allerdings nicht so schlimm, denn diesen benötigt man eigentlich nicht.
Zusammenfassung
Auf den ersten Blick macht Legend of the Dragoon einen wirklich pompösen Eindruck. Aufwendig gestaltete Grafiken, weltbewegende Story und effektreiche Bilder. Doch blickt man etwas tiefer in das Spiel, muss man leider feststellen, dass die Story nur oberflächlich gestaltet ist, der Sound eintönig dudelt und die langen Animationen nerven. Legend of the Dragoon ist allerdings nicht wirklich ein Low-Quality-Spiel. Es hätte das Potential gehabt, ein wirklich bombastisches RPG zu werden. In drei Jahren Entwicklungszeit ist zwar viel an Material geschaffen worden, doch das Spiel ist leider nicht gut durchdacht und relativ unoriginell gestaltet. Legend of the Dragoon kann also Final Fantasy nicht das Wasser reichen.