Kaum ein Mensch konnte vor der "Diablo"-Serie so wirklich verstehen, was an einem stundenlangen Gemetzel vor dem Bildschirm so faszinierend sein könnte. Doch Blizzard Entertainment hatte mit "Diablo" einige Computer-Besitzer zu blutrünstigen und skrupellosen Kriegshelden gemacht, die bis jetzt ohne Pause von Schlacht zu Schlacht ziehen und wieder und immer wieder die Menschheit vor dem diabolischen übel retten. "Diablo II - Lord of Destruction", das Expansion Set zu "Diablo II", ist ein neues Glied in der "Diablo"-Kette. Zwei neue Charaktere, ein 5. Kapitel und viele, viele neue Items lassen die Herzen der "Diablo"-Fans aufleben.
Natürlich benötigt man zur Installation des AddOns die Originalinstallation von "Diablo II". Nach der Installation können Sie nun entweder Ihre alte "Diablo II"-Installation oder die "Diablo II - Erweiterung" spielen. Keine Sorge: Ihre alten Charaktere sind nicht ganz verloren, denn Sie können Ihre alten Helden in Erweiterungscharaktere umkonvertieren. Um allerdings in den vollen Genuss der Erweiterung zu kommen, empfiehlt es sich, das Spiel von Neuem anzufangen (Single Player oder Battle-Net), da Sie nur dann die zwei zusätzlichen Charakter (Druide oder Attentäterin) spielen können.
Das neue 5. Kapitel
Gerade haben Sie den Bösewicht Diablo zum zweiten Mal besiegt. Da fragt man sich doch, was es jetzt noch für ein übel auf der Welt zu beseitigen gäbe. Müssen wir Diablo nun zum dritten Mal in der "Diablo"-Ära besiegen? Nein, leider haben wir Diablos Bruder Baal vergessen. Er zieht gerade mit seinen Horden von Dämonen durch das Barbarenland im Norden und hinterlässt eine Furche von Leid und Verzweiflung. Doch neben seinen Schandtaten hegt er einen grausamen Plan: Er möchte den Weltstein, der das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle hält, besitzen. Das würde die Zerstörung der Menschheit bedeuten. Wie könnte es anders sein: Sie müssen wieder einmal den Weltuntergang verhindern, doch dieses Mal dauert das Ganze nicht vier, sondern nur ein Kapitel.
Auch wenn die Story nicht sonderlich einfallsreich ist, ist das 5. Kapitel doch eindeutig gelungen. Die Schneelandschaft bietet zu den vorherigen Kapiteln eine willkommene Abwechslung. Erstmals kämpfen Sie sogar neben Kriegern, die auf Ihrer Seite sind. Man darf sich also durchaus während den ersten vier Kapiteln auf das fünfte freuen.
Die Assassine
Die Assassine ergänzt die weibliche Linie der "Diablo II" - Helden. Sie besitzt besondere Kampftechniken. Ihre Fertigkeiten: Kampfkünste (verschiedene Kampf-Kombinationen), Schatten-Disziplin (eine Art magischer Fähigkeiten), Fallen (Werfen von verschiedenen Gegenständen). Im Gegensatz zum Druiden besitzt die Assassine keine sonderlich abwechslungreichen Fähigkeiten. Ihre Spezialwaffen sind Klauen und spezielle Messer.
Der Druide
Der Druide wird oft als Mischung aus Totenbeschwörer und Barbar bezeichnet, da er sowohl Wesen herbeirufen kann, als auch im Nahkampf besonders gut ist. Fähigkeiten: Elementar (schwächere Element-Zauber), Gestaltwandeln (Verwandeln in einen Werwolf oder Werbären), Herbeirufung (Herbeirufen von Tieren wie Vögel, Wölfe oder Bären). Die Stärke des Druiden liegt im Gestaltwandeln. Als Werwolf oder Werbär hat man kaum Schwierigkeiten mit den Gegnern.
Sonstige Neuerungen
Hat es Sie nicht auch immer genervt, wenn Sie sich nicht zwischen dem starken Zweihänderschwert oder dem schwächerem Einhänderschwert mit Schild entscheiden konnten? Dem wurde jetzt Abhilfe geschafft, denn in der Erweiterung können Sie zwischen zwei Waffen-Sets herumschalten. Ebenso wurde der Platz in der Schatztruhe verdoppelt, was nicht gerade unpraktisch ist, wenn man einige seiner wertvollen Items noch aufbewahren möchte.
Endlich kann man auch etwas mit seinen Söldnern anfangen, denn in "Diablo II - Lord of Destruction" können Sie auch die Söldner mit besseren Waffen und Rüstungen ausrüsten. Falls der Söldner im Kampf stirbt, haben Sie die Möglichkeit, ihn im Dorf samt Ausrüstung wiederzubeleben. Zusätzlich zu den neuen, normalen Items soll es noch neue, besondere Elite-Gegenstände in den höheren Schwierigkeitsgraden geben.
Sound
Wie auch in "Diablo II" ist der Sound in der Erweiterung wieder einmal hervorragend gelungen. Die gothisch-klassische Musik zu dem Sound zerbrechender Knochen schafft einfach das perfekte Flair, das für "Diablo" typisch ist. 3D- und Ambient-Sound ist optional einzustellen und in den Atem beraubenden Filmsequenzen darf man vollen Dolby 5.1 Surround-Sound genießen.
Grafik
Eine der großen Neuerungen in "Diablo II - Lord of Destruction" ist die zusätzlich zur Wahl stehende 800x600-Auflösung. Auf der einen Seite erfreut sich das Auge über die vielen durch die höhere Auflösung entdeckten Details, die es in "Diablo II" in Massen gibt, auf der anderen Seite ärgert sich der Spieler über das extreme Wanken der Framerates. In großen Schlachten sinkt die FPS-Rate teilweise bis auf unspielbare 3-5 fps, an anderen Stellen läuft das Spiel wieder komplett flüssig. Auch ohne der Erweiterung war dies immer schon ein Schwachpunkt von "Diablo II". Wer die 800x600 Auflösung wählt, darf sich zwar auf detailreichere Grafik freuen, muss aber teilweise niedrige Frameraten in Kauf nehmen.
Die neuen Film-Sequenzen des 5. Kapitels zeigen große Verbesserungen zu denen der vorigen Kapitel. Besonders die Charakter-Bewegungen wirken realistischer und menschlicher. Die Zwischensequenzen sind immer wieder eine Belohnung am Ende eines gespielten Kapitels.
Steuerung
Die Steuerung ist genauso wie in "Diablo II" einfach und leicht per Maus zu bedienen. Man sollte höchstens aufpassen, dass man sich keinen Krampf in den Maus-Klick-Schlachten holt.
Multiplayer wird entweder geregelt über das Battle.net gespielt oder man begibt sich in ein offenes Multiplayer-Game. Natürlich können Sie auch hier die Neuerungen von "Lord of Destruction" voll ausnützen.
Der Spielspaß bleibt einem bei "Diablo II" lange genug, man sollte es wohl eher "Spielwahn" nennen. Hat man "Diablo II" länger nicht mehr gespielt, muss man sich erst ein bisschen überwinden, aber ist man einmal im Kampf gewesen, jagt man nur so von der einen zur nächsten Schlacht.
Zusammenfassung:
"Diablo II - Lord of Destruction" ist eine wirklich gelungene Erweiterung. Neben vielen innovativen Neuerungen verdecken ein gutes neues Kapitel und zwei neue Charaktere das Manko der instabilen 800x600-Auflösung. Für Neueinsteiger ist das Expansion Pack nicht sonderlich geeignet, da man die vorigen vier Kapitel erst durchspielen muss und natürlich auch die Originalinstallation von "Diablo II" benötigt. Doch denjenigen unter Ihnen, die ein "Diablo II" zu Hause herumliegen haben, kann ich die Erweiterung voll und ganz empfehlen.