Das Entwicklungsstudio Houes of Tales hat sich bei dem Adventure "Das Geheimnis der Druiden" in manchen Bereichen sehr viel Mühe gegeben. Wie oft bekommen wir Adventures mit einer seichten Story, lächerlichen Rätseln und erschreckenden Dialoge. Ein Adventure soll spannend und, wie der Name schon sagt, "abenteuerlich" sein. Das kann es aber nur sein, wenn auch die entsprechende Story und spannende Interaktion geliefert werden. Der Spieler sollte den Eindruck haben, Teil eines packenden Thrillers zu sein. In diesen Gebieten setzt "Das Geheimnis der Druiden" gut an, bemüht sich eine spannende Story passend zu erzählen.
Anfangs schlüpft Ihr in die Rolle des Scotland Yard-Detektivs Hulligan. Schon seit geraumer Zeit finden immer wieder Morde des sogenannten Skelettmörders statt, der den Opfern das Fleisch bis auf die Knochen abzieht. Da Euer Vorgänger, der arrogante Detective Lowry, keine Erfolge in den Ermittlungen erzielen konnte, werdet Ihr von dem schon von der Presse genervten Chief diesem Fall zugeteilt. Erst am letzten Abend wurde wieder ein frischer Skeletthaufen in einem Wald gefunden. Schlampige Vorermittlungen und die Tatsache, dass Euer Chief es Euch verweigert, die Scotland Yard Datenbank zu verwenden, erschweren die Ermittlungen erheblich. Ihr nehmt einen Knochen als Beweisstück von dem Tatort und zeigt ihn einer Wissenschaftlerin namens Melanie. Durch genaueres Hinsehen entdeckt sie Einkerbungen im Knochen, die höchstwahrscheinlich von einer goldenen Sichel stammen. Melanie vermutet, dass dies mit einem sehr alten keltischen Kult, den Druiden, zusammenhängen könnte. Eure Ermittlungen führen Euch zu den seltsamsten Orten, sogar bis in die Vergangenheit. Eine schreckliche Macht droht die Menschheit zu beherrschen und Eure Aufgabe ist es, dies zu verhindern.
Ihr spielt abwechselnd Detective Hulligan und die Wissenschaftlerin Melanie. Im Großen und Ganzen ist die Story sehr spannend und unterhaltsam. Die Rätsel sind sehr intelligent gestaltet und teilweise gar nicht so leicht. Allerdings sind manche etwas weit hergeholt. Ich finde es zum Beispiel schon etwas seltsam, wenn ich einem Obdachlosen einen Flachmann stehle, ihn mit Apfelsaft fülle und dann diesen noch mit medizinischem Alkohol kompliziert vermischen muss, damit ich dem Obdachlosen, während er von dem Gesöff ohnmächtig ist, endlich sein Geld, das ich für eine Telefonzelle benötige, stehlen kann. Wäre es nicht irgendwie einfacher, einen Kollegen zu bitten?
Grafik
Die Grafik ist leider, wie bei vielen Adventures, sehr vernachlässigt worden. Wie immer gilt das alte Prinzip: In Echtzeit gerenderte Figuren vor vorgerenderten Hintergründen. Die Hintergründe sind zwar eigentlich sehr idyllisch und schön gestaltet, die Polygon-Figuren wirken allerdings sehr starr und unrealistisch. Abgesehen davon lief das Spiel (auch mit Patch #1) im Hardware-Modus zum Zeitpunkt unseres Tests nicht fehlerfrei. Die Schatten zuckten in sich herum und die Polygon-Figuren wurden brutal über jedes Hintergrundbild (also auch Tische, Säulen, etc.) "darübergerendert" (siehe Screenshot Nr. 4). Das störte den Spieleindruck leider sehr und es gibt sogar eine Stelle im Spiel, bei welcher der Hersteller empfiehlt, im Software-Modus zu spielen, da es sonst nicht möglich wäre, die Figur in die richtige Position zu bringen. Meiner Meinung nach sollte sich das kein Spielehersteller leisten und wieder einmal sieht man, wie zeitgedrängt die Produktion eines Spieles abläuft. Denn mit genügend Beta-Tests wäre solch ein grober Fehler nicht passiert.
Das Spiel unterstützt Software-Modi (High Qualitiy, Low Quality) und einen fehlerhaften Hardware-Modus, in der Auflösung 640x480 in 16 Bit, wie auch 32 Bit Farbanzahl. Die etwas niedrige Auflösung lässt die Polygon-Figuren leider nur mit einem starken "Treppeneffekt" darstellen. Besitzer einer neueren Grafikkarten (z.b.: GeForce2, Ati Radeon, usw.) können durch das Full-Scene-Anitaliasing im Hardware-Modus die Darstellungsqualität erheblich verbessern. Die Geschwindigkeit des Spieles wird hier dadurch kaum beeinträchtig.
Die versprochenen' hochauflösenden Filmsequenzen sind leider auch nicht gerade das Wahre. Die Sequenzen wirken sehr pixelig und sind mittelmäßig animiert. Die Bewegungen und Interaktionen der Charakter in den Filmsequenzen sind sehr starr und flüchtig gestaltet. So etwas finde ich sehr schade!
Sound
Der Sound von "Das Geheimnis der Druiden" ist absolut hörenswert. Ein sehr schöner, zur Spielatmosphäre passender Soundtrack und eine wirklich exzellente Sprachausgabe machen einen besonders guten Eindruck. Gerade bei Adventures ist die Art des Erzählen sehr wichtig. House of Tales hat professionelle Sprecher engagiert und das macht sich bezahlt. Die Dialoge sind größtenteils wirklich filmreif gesprochen. Zusätzlich bekommen wir das alles in 5.1 Dolby Surround Sound geliefert. Spieler mit entsprechender Hardware-Ausstattung werden also Kinosound erleben können. Die Sorgfalt, die der Grafik fehlte, hat man anscheinend in den Sound investiert.
Steuerung
Die Steuerung basiert mal wieder auf dem Point-and-Click-Prinzip und kommt eigentlich ganz gut bei dem Spieler an. Meiner Meinung nach, ist es eben nur angenehm, wenn man sich von der Tastatur zurücklehnen kann und nur die Maus zur Steuerung benötigt. Je nach Situation ändert sich das Cursor-Symbol, was den meisten Adventure-Spielern sicherlich schon zur Genüge bekannt ist.
Spielspaß bietet "Das Geheimnis der Druiden" zwar schon, allerdings denke ich, gehört bei diesem Adventure eher ein Entdeckergeist und ein wahrer Storyliebhaber dazu, um die nötige Motivation aufrecht zu erhalten. Die extrem häufig auftretenden Dialoge und viele Rätsel verlangen dem Spieler schon einiges an Geduld ab.
Zusammenfassung
Das "Geheimnis der Druiden" erfüllt die meisten Kriterien eines guten Adventures. Abgesehen von den erschreckenden Fehlern im Hardware-Modus und der flüchtigen Grafikgestaltung, hat dieses Spiel alles zu bieten, was ein gutes Adventure braucht: Eine gute Story, exzellente Sprachausgabe, und jede Menge kniffliger Rätsel. Natürlich bringen die Massen von Dialogen und unzählige Rätsel kaum Action, aber das war auch nicht die Absicht des Herstellers. House of Tales wollte ein gut erzähltes, mit anspruchsvollen Rätseln gestaltetes Adventure schaffen und dies ist ihnen auch größtenteils gelungen. Besonders der Audio-Bereich ist hervorragend angekommen. Ich empfehle dieses Spiel also hauptsächlich denen, die genügend Geduld und ein Interesse an einer gut erzählten Story haben. So eine tolle Sprachausgabe findet man selten. Grafikliebhaber sollten lieber ein Auge (am besten aber zwei!) zudrücken.