„Omerta - City of Gangsters“ ist das neueste Spiel des Publishers Kalypso Media, welcher für die beliebte „Tropico“-Reihe bekannt ist. Statt tropischen Landschaften gibt es jetzt das von Verbrechen überflutete Atlantic City. Ob das Mafia-Gangster Gemisch von „Omerta - City of Gangsters“ genauso viel Spaß macht, erfährt ihr hier.
Story
Die Geschichte von „Omerta - City of Gangsters“ beginnt, wie sie beginnen muss, unser Alter Ego, ein unzufriedener Sizilianer, hält es Zuhause nicht mehr aus und es muss ein eindrucksvoller Neuanfang her. Das Ego ist nicht zu klein geraten und so erhalten wir gleich den Spitznamen „The Boss“. Bevor wir jedoch das Atlantic City der 1920 Jahre unsicher machen dürfen, wählen wir noch ein paar Charakterwerte an Hand von Fragen, was wir in der Vergangenheit so getrieben haben. Im Land der Freiheiten ist die Freiheit aber teuer erkauft und so verbietet die Prohibition den Konsum von Alkohol. Ein gefundenes Fressen für uns und so sind wir schon gespannt auf AC, Alkoholschmuggel, Spielcasinos und Waffenhandel.
Die Stadt
Endlich, AC, die gesamte Stadt unsicher machen, doch halt, die Karte ist überschaubar und sehr begrenzt. Das liegt daran, dass man von Atlantic City zwar viel sehen kann, es aber in mehr als 20 stark begrenzte Karten aufgeteilt ist. Zumindest was die Kampagne angeht, im Sandkastenmodus stehen vier etwas größere Maps zur Wahl, trotzdem fühlten wir uns immer ein wenig eingeengt. Im Spiel startet man stets mit seinem ausgewählten Charakter, nach und nach bekommt man aber auch Handlanger. Diese sind die wichtigsten Werkzeuge des Spiels, denn jede Tätigkeit läuft über sie ab. Wer sich hier eine Art „Tropico“ mit Mafiasetting vorgestellt hat, liegt weit daneben.
Geld ergaunern, um jeden Preis
So müssen die Handlanger oder eben der Boss Aufgaben wie Alkohol von Brauereien stehlen, jemanden einen Gefallen erweisen oder Gebäude mieten und ausbauen, erledigen. Man kann in „Omerta - City of Gangsters“ nichts direkt in die Welt bauen. Das macht ja auch Sinn, denn die Stadt ist schon da. Deshalb übernimmt man Gebäude und wählt dann aus einer Handvoll Optionen aus, was man mit diesen Gebäuden machen möchte. Der Grundgedanke hinter allem ist es, wie könnte es auch anders sein, Kohle zu scheffeln. Das Spiel unterscheidet hier zwischen sauberem und dreckigem Geld. Sauberes Geld kann für alles benutzt werden, dreckiges nur für illegale Tätigkeiten und so kann man z.B. damit keine Gebäude anmieten. So bauen wir am Anfang mal eine kleine Brauerei, sowie eine Brennerei, damit diese Bier und Schnaps für uns produzieren. Danach bauen wir gleich eine Flüsterkneipe, wo wir unsere alkoholischen Gesöffe zu barer, aber dreckiger Münze machen. Deshalb gibt’s gleich noch eine Apotheke hinter her, die verkauft den Schnaps als Arzneimittel, ganz legal und so haben wir auch eine Einkommensquelle für sauberes Geld. Alle Gebäude sind auch noch meist in zwei Stufen upgradebar, was uns weitere Boni, wie schnellere Produktionen, verschafft. Dann haben wir natürlich auch noch unseren Gangsterunterschlupf, den wir ebenfalls ausbauen können, um noch mehr Gebäudeoptionen freizuschalten. Außerdem gibt es noch ein Fahndungslevel – man ahnt es schon, oft kann man die Polizei einfach bestechen, sonst kommt sie einem in die Quere. Zu guter Letzt gibt es sogar noch Händler, denen man seine Ressourcen verkaufen oder gegen dreckiges Geld neue Ressourcen abkaufen kann. Das ist ganz nett, da man dadurch, immer wieder ein Schnäppchen ergaunern kann.
Wartezeit
Das gerade Aufgezählte, hört sich nach einer großen Palette von Möglichkeiten an, es geht aber immer nur ums Geld. Das ist die größte Schwäche, denn es macht kaum einen Unterschied, ob ich das alles gut ausbalanciere oder die ganze Karte mit Brennereien und Apotheken zupflastere. Das Spiel gibt mir von Zeit zu Zeit immer mein Geld und so muss ich einfach nur warten, nichts kann schief gehen und es gibt keine anderen Bedürfnisse zu erfüllen. Später gibt es zwar dann ein paar Überfälle von anderen Gangstern, wenn man sich mit diesen nicht gut stellt, und auch die Polizei passt dann genauer auf, aber auch diese beiden kann man mit genügend Barem wieder glücklich und zufrieden stellen. Oft ist es mir passiert, dass ich einfach nur darauf warten musste, bis ich das nötige Kleingeld hatte, um mir dann das Missionsziel zu erkaufen. Apropos Warten: Wenn ihr die Handlanger oder auch den Boss auf Reisen schickt, brauchen diese Zeit, um ihre Aufträge zu erfüllen. Man kann, wenn alle Handlanger gerade aus sind, was doch häufiger vorkommt, jedoch nichts mehr tun. Da heißt es genauso warten, bis sich zumindest einer der Halunken wieder zurückmeldet – das stoppt den Flow und ist oft sehr langweilig. Alles in allem macht das Gameplay, was die Stadt und das Bauen angeht, zwar ein paar Dinge richtig und auch gut, oft fühlt es sich aber wie eine Mischung aus einem sehr entschlacktem Aufbaustrategiespiel und einem Browserspiel (wegen der Wartezeiten) an.
Der zweite Teil des Gameplays findet dann statt, wenn man Ganoven überfällt, sich verteidigen muss etc. Dann geht es in die Rundenstrategie, wo ihre eure Ganoven gegen andere antreten lasst. So hat jeder eurer Mafiosi besondere Fähigkeiten, wie Heilung, harte Nahkampfschläge oder besseres Ausweichen, gegen die feindlichen Kugeln. Im Kampf gibt es Bewegungs- und Handlungspunkte, wodurch „Omerta - City of Gangsters“ ein wenig an „XCOM: Enemy Unknown“ erinnert, aber nie wirklich an dessen ausgefeilte Kämpfer herankommt. Trotzdem spielen sich die Kämpfe ganz ok und der taktische Anspruch ist in Ordnung. Wer hier planlos in seine, meist zahlenmäßig überlegenen Feinde hineinläuft, hat schon verloren. So gibt es im Spiel auch verschiedene Waffen, wie Shotguns, Handfeuerwaffen oder auch Maschinengewehre. Trotzdem hat „Omerta - City of Gangsters“ auch hier seine Längen und die Kämpfe funktionieren oft nicht so flüssig, wie man das gerne hätte. Das Deckungssystem und der Mutwert, welcher, wenn er mal am Boden ist, den Ganoven Bewegungs- und Handlungspunkte wegnimmt, sind jedoch gut in das Spiel integriert.
Grafik und Sound
Wenn man die Grafikeinstellungen auf hoch stellt, ist das Spiel wirklich schön anzusehen. Ein paar Autos fahren durch die Gegend, Bäume werfen immer länger werdende Schatten auf die Straßen und man kann so nahe ran zoomen, dass man die rotbraunen Dachschindeln der Häuser zählen kann. Vom Aussehen an sich gibt es also nichts zu meckern, leider wirkt aber Atlantic City aber oft generisch und unbelebt, trotz der detailgetreuen Promenaden mit ihren Holzdielenböden. Zugegeben, ich weiß nicht genau, wie das Atlantic City der 20er Jahre aussieht, es sollte aber schon damals mehr als gefühlte acht Einwohner gehabt haben. So sind die Straßen, sogar wenn die Map „Innenstadt“ heißt, meist sehr leer und nur hin und wieder sieht man einen Fußgänger oder ein Auto.
Der Soundtrack von „Omerta - City of Gangsters“ ist für mich einfach nur klasse. So trifft er mit seinen jazzigen Stücken genau die Zeit und die Atmosphäre des Spiels. Immer wieder lauscht man erfreut der beschwingten Musik und fühlt sich, trotz oder gerade deshalb in einen alten Gangsterstreifen versetzt. Auch die Umgebungsgeräusche, wie das Rauschen des Meeres und die fahrenden Autos, binden sich gut ins Spiel ein. Aufgefallen ist auch, dass, wenn man näher ran zoomt, die Stadtgeräusche auch lauter werden – sehr schönes Detail.
Atmosphäre
Vor allem durch den Soundtrack wird die Atmosphäre ungemein angehoben und so freut man sich auch auf die kleine Zwischensequenzen, welche das Spiel Häppchenweise nach jeder abgeschlossen Mission abspielt. Schade nur, dass vieles vom eigentlich ganz hübschen AC generisch wirkt und sich Teile oftmals sehr ähnlich sehen. Dadurch wird leider wieder viel Atmosphäre zerstört. Was es auch nicht gerade besser macht sind einfach die schon erwähnten Wartezeiten, diese reißen den Spieler aus dem Geschehen und aus dem Spiel heraus. So fühlt man sich von Zeit zu Zeit gelangweilt und die Illusion vom spannenden Gangsterspiel verpufft.
Zusammenfassung
Da zu unserer Testzeit noch keine Spieler auf den Servern waren, bewerten wir den Mulitplayer noch nicht. Dieser wird dann in Kürze noch nachgereicht werden.
„Omerta - City of Gangsters“ ist im Grunde kein schlechtes Spiel, es hat gute Ideen, welche es mit alten Konzepten verbindet. Leider hat man aber an vielen Stellen des Spiels das Gefühl, als wären diese Ideen noch nicht zu Ende gedacht. Was wäre alles noch möglich gewesen in diesem Spiel, wenn man dem Gameplay noch mehr Feinschliff gegeben hätte. Mehr Bedürfnisse als nur Geld z.B. hätten dem Spiel wirklich gut getan und so darf ich nur dem fantastischen Soundtrack zuhören, welcher mich aber auch nicht ganz über meine Wartepausen hinweg tröstet. Trotzdem blitzt immer wieder mal spielerische Qualität auf und in manchen Momenten, hat man das Gefühl sich ein kleines Gangsterimperium aufzubauen. Nur schade, dass dieses Gefühl oft auch wieder so schnell verfliegt, wie es gekommen ist.
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