Kotaku nennt „7554 Glorious Memories Revived“ die vietnamesische Antwort auf „Call of Duty“. Ob es wirklich ein Pflichttitel ist oder ob es die Pflicht eines jeden rechtschaffenen Bürgers ist, dieses Spiel zu vermeiden, erfahrt Ihr in diesem Review.
Story
Waren es zu Beginn noch Russen und Deutsche, so dominieren heutzutage die Terroristen das Feindbild der Shooterszene. Das erfolgreichste Feindbild dürfte die Mischung aus Deutschen und Zombies sein, die sich einen Fixplatz in den diversen „Call of Duty“-Ablegern gesichert haben. Auch die Vietnamesen mussten schon das eine oder andere Mal als Feinde herhalten, da sich das Geschehen im Vietnamkrieg recht gut vermarkten lässt. Auch Emobi Games hat sich einen Krieg für seinen Shooter ausgesucht. Und dabei gibt es ein ungewohntes Feindbild und einen, shootertechnisch, bisher unberührten Krieg.
Das in Vietnam stationierte Entwicklerstudio Emobi Games hat sich nämlich den Indochina-Krieg als Vorlage für „7554 Glorious Memories Revived“ genommen. Und in diesem Krieg kämpft man gegen die Franzosen. Der Titel „7554“ steht dabei für das Datum des geschichtsträchtigen Ereignisses, den 7. Mai 1954.
Zieht die Sandalen an, setzt die Hüte auf und ladet die Gewehre, wir leiten das Ende des Krieges und der französischen Kolonialherrschaft ein. Doch zuvor sehen wir uns noch diesen flotten Trailer an.
Nichts für Rambos
Das Herzstück des Spiels ist die Kampagne, es gibt zwar auch noch einen Überlebens-Modus – sogar mit Zombies – der ist mit vier Karten allerdings nicht allzu umfangreich. Die Kampagne besteht zum größten Teil aus einzelnen Zielen, die der Reihe nach abgearbeitet werden müssen. Steht zum Beispiel „Säubern Sie die Barracken“ und sie befinden sich im Haus daneben, braucht man sich nicht zu wundern, wenn einem unendlich viele Gegner entgegenströmen. Solange die Mission nicht erfüllt ist, wird stets für Gegnernachschub gesorgt. Dabei sollte man erwähnen, dass die Gegner mehr mit Dauerfeuer als mit einzelnen Schüssen zu arbeiten scheinen und sich dabei auch noch zielsicher zeigen. Ständig wird man getroffen, während man einen Gegner aus der Hüfte nur selten mit einem Schuss ausschalten kann und daher gezwungen ist dauernd mit Kimme und Korn zu arbeiten. So erwies sich der zweite von vier Schwierigkeitsgraden bereits als recht anspruchsvoll und an ein rambohaftes Vorgehen ist nicht zu denken.
Wer hätte geglaubt, dass das Nachladen ein Problem werden könnte? Auf der nächsten Seite steht warum!
Auch die Zeit, die für das Nachladen in Anspruch genommen wird, macht uns das Vorgehen nicht leichter. Denn Mr. Vietnam schießt nicht, bevor nicht das gesamte Magazin nachgefüllt ist. Da gibt’s keine Ritsch-Ratsch Action mit Magazin abnehmen, neues rein und weitergeballert. Bei „7554“ gibt es während dieser Nachladepause Fahrstuhlmusik, eine Tasse Tee, einen kurze Diskussionsrunde um die aktuelle Lage des Dong und so weiter und so fort. Im Angesicht zehn anstürmender Franzosen, die alle eine geladene Waffe im Anschlag haben, erscheint einem diese Zeit wirklich als kleine Ewigkeit. Das ist jetzt nicht unbedingt alles schlecht, man ist die meisten Abläufe einfach nur viel schnelllebiger gewohnt, besonders im Shootergenre. Ein Hoch auf die vollautomatischen Waffen.
Call of Vietnam
Parallelen zu „Call of Duty“ kann man in den „Tür öffnen“-Szenen sehen, wenn man in Zeitlupe Kopfschüsse an die Gegner verteilt. Auch die eine oder andere Ingame-Zwischensequenz sorgt für stimmige Atmosphäre. So stecken wir in der ersten Mission einen Helm auf ein Messer, um den Helm aus dem Fenster halten zu können. Peng! Der Helm wird vom Scharfschützen ins Visier genommen und verrät unserem Kollegen von nebenan den Standort des Snipers. Eine weitere Ähnlichkeit gibt es im Überleben-Modus. Hier kämpft man gegen Feinde, die in Wellen auf uns losgelassen werden. Für Kills bekommt man Kohle, die kann man wiederum in Waffen investieren. Bei der Karte „Zombie-Wald“ kämpft man sogar, wie der Name bereits vermuten lässt – gegen Zombies. Ist der Kampf gegen die menschlichen Gegner noch halbwegs spannend, so schwindet die Motivation recht schnell, wenn die Zombies in Priesteruniform auf einen zu hüpfen. Dabei gibt es aber unterschiedliche Hüpfformen, wie den Normalo-Hüpfer, den Weithüpfer oder auch den Hochhüpfer. Hier hätte man wesentlich mehr herausholen können, zum Glück sind die ersten beiden Karten mit den menschlichen Gegnern recht gut gelungen und für Zwischendurch ganz spaßig.
Grafik, Atmosphäre, Fazit und Wertung. Aber erst auf der nächsten Seite.
Optisch kann das Spiel mit dem ersten „Call of Duty“ mithalten, auf höchster Auflösung, sieht es sogar besser aus. Die Effekte und das gesamte Drumherum schreien nicht gerade „Willkommen im Jahr 2012“. Soundtechnisch gibt es eine getragene Musikuntermalung, und jede Menge Vietnamesisch. Auch hier gibt es keinerlei Besonderheiten, die extrem positiv oder negativ zu erwähnen wären.
Atmosphäre
Endlich spielt man einmal auf der Seite von Charlie. Leider hinkt die Geschichte des Spiels ein wenig hinterher, so dass man sich mit seinem Charakter nie wirklich identifizieren kann. Auch die Gruppe rund um den Spieler bleibt farblos und so wird das Spiel zum Moorhuhn-Klon. Denn ohne eine tiefgreifende Geschichte und ohne bewegende Emotionen wird aus jedem Shooter ein Moorhuhn-Spiel, bei dem es nur um die meisten Headshots geht.
„7554 Glorious Memories Revived“ ist das erste große Spiel aus Vietnam und dazu kann man Emboli Games gratulieren. Sie haben auf sich aufmerksam gemacht und gezeigt, dass es auch noch andere Shooter außerhalb von Amerika und Europa gibt. Während der Großteil mittelmäßig aussieht und sich auch so spielt, ist der Schwierigkeitsgrad eine Herausforderung und der Überlebens-Modus eine willkommene Abwechslung. Emboli Games erfindet mit diesem Spiel das Rad zwar nicht neu, aber für zwischendurch kann man sich schon einmal auf die Seite der Charlies schlagen. „7554“ sollte man nicht im Vergleich mit den Shootergrößen dieser Welt sehen, sondern als spielerisches Lebenszeichen aus Vietnam.
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