Alle Jahre wieder erblickt ein neuer Superbike-Titel das Licht der Konsolenwelt und macht das Leben der Fans dieses Sports um einiges glücklicher. Zwar war bis jetzt keines der Games ein echter Knüller, jedoch gibt es eine gewisse Fangemeinde, die sich darüber freut und sich die Spiele Jahr für Jahr zulegt. Ob es die Serie mit dem neuesten Titel „SBK Generations“ endlich schafft sich aus dem Durchschnitt zu erheben, könnt ihr im folgenden Review nachlesen.
Vier Jahre Fahrspaß-Gigantisches Angebot
Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei „SBK Generations“ um ein Spiel, welches euch nicht nur eine Saison fahren lässt. Um genau zu sein könnt ihr gleich vier Saisonen hintereinander fahren. Alle Fahrer und alle Teams von 2009 bis 2012 sind spielbar und sogar noch einige Legenden des Sports, wie zum Beispiel Aaron Slight und Colin Edwards auf der berühmten Castrol Honda. Somit stehen euch sage und schreibe 120 Teams und 190 Fahrer zur Verfügung, aus denen ihr frei wählen könnt. Auch verschiedene Klassen wie die Superstock sind wählbar. Diese unbändigen Stahlbiester könnt ihr dann am Asphalt von 17 Strecken testen, wo von Phillip Island bis Brno nichts ausgelassen wurde und ihr die ganze Welt bereisen könnt. Somit wird jeder seinen Lieblingsfahrer, sein Lieblingsbike und seine Lieblingsrennstrecke der letzten Jahre wiederfinden und sein fahrerisches Geschick an der Grenze des Grips unter Beweis stellen.
Gameplay
Die große Auswahl an Spielmodi ist wirklich beeindruckend. Stand ich dem Spiel und den dargelegten Optionen anfangs noch skeptisch gegenüber, so änderte sich meine Meinung nach einigen Spielstunden gravierend. Selbstverständlich gibt es die Option „Schnelles Rennen“, in dem ihr euch einen Fahrer, ein Bike und eine Strecke aussucht und gleich losrasen könnt. Ideal für den raschen Rennspaß. Daneben gibt es selbstverständlich die Möglichkeit eine Meisterschaft zu fahren. Auch hierbei könnt ihr aus unzähligen Klassen wählen, euch einen Fahrer und ein Team aussuchen und eine gesamte Saison mit seinem Liebling bestreiten. Ein weiterer Modus ist die so genannte „SBK Experience“. Hier müsst ihr einen eigenen Fahrer erstellen und euch 44 Herausforderungen und Szenarien stellen, die euch einiges abverlangen und euch zu einem besseren Fahrer heranwachsen lassen. Der letzte und wohl interessanteste Modus ist der Karriere Modus. Hier müsst ihr auch einen Fahrer erstellen und euch von ganz unten 4 Jahre lang nach oben fahren. Dabei gibt es einiges zu beachten, nicht nur tolle Ergebnisse und gute Leistungen. Das Ansehen bei den Fans ist wichtig, die Erfahrung eures Teams und vieles mehr. So gilt es sich von der kleinsten Klasse an einen Namen zu machen und größere Teams auf euch aufmerksam zu machen, bis ihr schließlich zum Champ heranwachst.
Insgesamt könnt ihr bis zu drei eigene Fahrer erstellen, wobei die Gesichter, Helm-Designs, etc. sehr ähnlich sind. Wirklich umfangreich wird das Spiel erst im Spielgeschehen selbst. Egal ob Karriere oder Meisterschaft, ihr werdet das Rennwochenende so realistisch erleben, als wärt ihr selbst ein Fahrer. Alle Sessions sind spielbar, vom ersten freien Training über beide Qualifikationen und den drei Superpoles bis hin zu den 2 Rennen. Beeindruckend sind vor allem die Möglichkeiten in der Box. Ihr könnt sehr viel umstellen an eurem Bike, mit dem Mechaniker sprechen und erklären wo es noch hakt, euch Ratschläge holen, Telemetrie-Daten analysieren und vieles mehr. Dabei läuft in Echtzeit eine Uhr für die jeweilige Session herunter. Habt ihr die Option Bike-Schaden aktiviert müsst ihr umso vorsichtiger agieren, da die Reparaturen je nach Ausmaß des Sturzes länger ausfallen können. Falls ihr es wünscht, könnt ihr euch auch verletzen und so bei wirklich schweren Stürzen das Rennen sogar verpassen.
Interessant ist auch die Wetterdynamik: Von sonnig über bewölkt bis hin zu Regen gibt es alle nur erdenklichen Wetterphänomene und das Setup des Bikes muss immer angepasst werden. Aus diesem Grund ist sehr sinnvoll möglichst viele Runden in den Trainings runter zu spulen, um sich auf seiner Maschine wohl zu fühlen. Auf der Strecke selbst spürt man jegliche Veränderung des Setups oder des Wetters. Die Ideallinie nimmt während des Rennens Grip auf und die Reifen bauen ab. Das Fahrerlebnis ist spitze und es wird sehr stark auf Realismus gesetzt. Ein wenig zu viel Gas beim Kurvenausgang, zu spät auf der Bremse oder ein zu ungestümer Wheelie und ihr liegt auf der Schnauze.
Toll ist, dass ihr nicht nur den Schwierigkeitsgrad der Steuerung eures Bikes einstellen könnt, sondern auch extra die Stärke eurer Gegner. Auch die Renndistanz lässt sich selbst einstellen, so dass ihr sogar Originalrennlänge fahren könnt, wenn ihr das wünscht. Es wurde einfach wirklich an alles gedacht, um das Spiel zu einer kompletten Rennerfahrung zu machen. Nur die Gegner-KI lässt zu wünschen übrig. Die anderen Fahrer bleiben stets stur auf der Ideallinie, selbst wenn sie dich dann abschießen.
Grafik und Sound
Nun zur schlechten Nachricht. Die Grafik und die Animationen des Spiels sind unterste Schublade. Zwar erkennt man wirklich wie der Grip auf der Ideallinie zunimmt, sieht leichte Schäden am Bike und der Lederkombi und sammelt Dreck auf den Rädern bei einem Ausflug ins Kiesbett, doch die grafische Darbietung allgemein ist schlichtweg schrecklich. Die Ränge der Tribünen sind leer, Streckenposten nicht vorhanden und die Fahrer sehen wirklich alle fast gleich aus. Die grafische Leistung ähnelt der eines schlechten PS2-Spiels und ist weit entfernt vom heutigen Standard. Die Animationen der Siegerehrung wirken direkt lächerlich. Positiv ist jedoch das Detailreichtum und die Genauigkeit der Bike-Nachbildungen.
Der Soundtrack ist 0815 und weder gut noch schlecht. Die Soundeffekte sind im Gegensatz dazu gut gelungen. Die Bikes klingen nett und quietschende Reifen gibt es auch. Der Jubel bei der Siegerehrung wirkt etwas seltsam, da man kein Publikum zu sehen bekommt.
Steuerung
Auf der Strecke selbst hat man alle Hände voll zu tun, um nicht im Kiesbett oder auf der Schnauze zu landen. Wer glaubt, in diesem Spiel reicht es Gas zu geben und zu bremsen, hat sich vermutlich gerade mal 10 Minuten damit beschäftigt. Je nach eingestelltem Schwierigkeitsgrad der Simulation hat man mehr oder weniger zu tun, um sauber durch die Kurve zu rutschen. Man muss äußerst bedacht mit dem Gasgriff und der Bremse umgehen und immer darauf achten, welche Position der Körper gerade hat. Lehnt man sich auf einer Gerade zum Beispiel nach vorne um aerodynamischer Speed zu sammeln und bremst dann volle Kanne, wird man mit dem Kopf den Asphalt knutschen. Duckt man sich jedoch nicht auf der Geraden, so verliert man wertvolle Zehntel. Dasselbe gilt umgekehrt. Beschleunigt man aus der Kurve heraus und lehnt sich zu weit nach hinten, so sitzt man am Asphalt. Bereits beim mittleren Simulationsgrad muss man sehr gefühlvoll agieren, um das bockige Bike kontrolliert driften zu lassen. Für Notfälle gibt es noch die Hinterradbremse und wem das alles noch immer nicht schwer genug ist, der kann auch noch manuell schalten.
Eine weitere Hiobs-Botschaft betrifft den Multiplayer. Ich finde absolut kein Verständnis dafür, auch wenn es heutzutage öfters so ist, dass es bei einem Rennspiel keinen Splitscreen-Modus gibt. Lokal ist das Spiel nur ein Singleplayer. Lustige Race-Abende mit Freunden fallen somit unter den Tisch. Online kann man sich dafür mit bis zu 16 Spielern messen und sogar eine Online Meisterschaft fahren. Trotzdem der fehlende Splitscreen-Modus kostet Punkte und Sympathie.
Atmosphäre
Bezüglich der Atmosphäre von „SBK Generations“ bin ich etwas zwiegespalten. Dafür gibt es viele Gründe. Da man das gesamte Rennwochenende hautnah miterleben kann, das Bike selbst einstellen und sogar mit dem Mechaniker plaudern kann, kommt jede Menge Rennfeeling auf. Dazu kommt, dass das Spiel alle Lizenzen erworben hat und somit alle Fahrer und Original Teams und Strecken verfügbar sind. Das tolle Gameplay und die ausgefeilte Steuerung tun das übrige. Was jedoch wirklich die Atmosphäre trübt ist die schreckliche grafische Darbietung und die leeren Tribünenränge.
Zusammenfassung und Wertung gibt’s auf der nächsten Seite.
„SBK Generations“ hätte mit einer besseren Grafik sicherlich ein Top-Titel werden können. Die große Auswahl an verschiedenen Spiel-Modi, Fahrer, Teams und Strecken ist wirklich toll. Das Fahrverhalten und die unzähligen Einstellungsmöglichkeiten lassen keine Wünsche eines Renn-Fans offen. Realismus wird großgeschrieben und der Schwierigkeitsgrad ist mehr als variabel. Somit ist für jedermann das Richtige dabei. So weit so gut. Doch die schreckliche grafische Darbietung und die leeren Tribünenränge zehren an der Atmosphäre des Spiels. Und die Tatsache, dass es keinen Splitscreen-Modus für den Multiplayer gibt, grenzt an eine Frechheit. Dennoch verstehe ich die niedrigen Kritiker-Wertungen bis dato nicht. Ich kann nur vermuten, dass die werten Kollegen sich nicht viel Zeit nahmen das Spiel zu testen.
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