Lange mussten sich Fans des Master Chief gedulden, doch nun feiert John 117 sein lang ersehntes Comeback. Nachdem seit seinem letzten Auftritt in „Halo 3“ zwei Ableger mit den Namen „Halo: Reach“ und „Halo 3: ODST“ an den Start gingen, geht die Story rund um den Spartan und seiner K.I. Cortana nun endlich weiter. Ob „Halo 4“ die hohe Latte erreicht, die seine Vorgänger gelegt haben oder diese sogar nach obenhin korrigiert, erfahrt ihr im folgenden Review.
Der Menschheit größte Bedrohung
Nach den Geschehnissen von „Halo 3“ und der Zerstörung eines der „Halo“-Ringe, treiben der Master Chief und Cortana in einem abgetrennten Teil des ominösen Schlachtkreuzers „Forward Unto Dawn“ hilflos im All. Vier Jahre später erweckt Cortana Spartan aus dem Kälteschlaf, da jemand in die Überreste des Schiffes eindringen will. Schon zu Beginn verblüfft Cortana dabei mit ihrer Menschlichkeit. Nach kurzen Untersuchungen wird klar, dass sich Allianz-Truppen an Bord befinden. Als John sich einen Weg aus dem Inneren des Schiffes an jene Stelle kämpft, an der die „Forward Unto Dawn“ zerfetzt wurde, bietet sich ein unvorstellbarer Anblick. Der Raumkreuzer hat sich einem gigantischen, künstlichen Planeten angenähert, in dessen Orbit sich einige Allianz-Kreuzer tummeln. Es gelingt John die Abwehrsysteme des Schiffs online zu bringen und den Angriff zurück zu schlagen.
Dann jedoch geschieht etwas Unvorhersehbares. Der künstliche Planet transformiert sich zu einem gigantischen Portal, und alles in der Nähe befindliche wird unaufhaltsam auf dessen Oberfläche gesogen, auch die „Forward Unto Dawn“. Wie durch ein Wunder überlebt John den Aufprall und erwacht in einem Friedhof aus Schiffswracks. Cortana weist ihm den Weg zu einer Einrichtung auf der Planetenoberfläche, um zu erfahren wo sie sich befinden. Dabei verliert sie zunehmend die Kontrolle. K.I.s, wie Cortana eine ist, verfallen nach sieben Jahren dem Wahnsinn und denken sich buchstäblich zu Tode – Cortana ist bereits acht Jahre alt. John verspricht ihr sie unter allen Umständen zu retten, wenn sie erst einmal zurück auf der Erde sind. Plötzlich erhalten sie ein verzerrtes, schwer zu deutendes Signal der Infinity, die ihr Notsignal erhalten hat. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Da der Masterchief aufgrund von Störsendern nicht in der Lage ist, die „Infinity“ zu kontaktieren. Obendrein droht ihr das gleiche Schicksal wie der „Forward Unto Dawn“, wenn sie zu nahe an den Planeten kommt.
In einer Einrichtung greift die zunehmend labile Cortana auf ein Terminal zu und erkennt, dass sie sich auf Requiem, einem künstlichen Planeten der Erbauer der „Halo“-Ringe befinden. Es gelingt John und Cortana einige Barrieren zu deaktivieren, doch es sind die falschen. Sie entfesseln dadurch eine unglaublich mächtige Kreatur, die für Äonen eingesperrt war, da sie zu gefährlich für das Universum und ins besondere für die Menschheit ist. Der Name der Kreatur ist Didaktiker und er verabscheut die Menschen und ihren Drang zur Expansion, er will sie ein für alle Mal auslöschen und braucht dazu ein Werkzeug, welches Erzeuger genannt wird. Er und einige Blutsväter greifen John an – somit hat er es mit völlig neuen Gegnern zu tun. Die Mühen waren um sonst! Die „Infinity“ wird in den Sog gezogen und schlägt hart auf dem Planeten auf. Sowohl der Didaktiker als auch John begeben sich zur Absturzstelle. Ein Wettlauf zu der besagten Einrichtung entsteht, die sich auf einem der „Halo“-Ringe befindet. Kann John die Menschheit vor der Ausrottung bewahren?
Im Mittelpunkt der äußerst emotionalen Story steht die Beziehung zwischen John und Cortana als auch ihr zunehmendes Abdriften in den Wahnsinn. Selten erlebte ich eine Story, die einen Gamer so absorbiert und emotional aufwühlt. Cortana wirkt menschlicher als John und hat Angst um ihre Existenz. John wiederum empfindet sehr viel für sie und will alles unternehmen, um sie zu retten und zu beschützen. Gemeinsam halten sie sich am Leben und meistern die schwierigsten Aufgaben. Hut ab vor 343 Industries für diese geniale Mensch-Maschine-Beziehung, wobei es fraglich ist wer von beiden die Maschine ist und wer der Mensch.
Trotz der enorm guten Story gibt es einen unglaublichen Schwachpunkt. Aufgrund der kurzen Spielzeit wird der Spieler viel zu früh aus dieser packenden Story gerissen und das Spiel endet einfach viel zu abrupt. Wenn die Credits am Bildschirm auftauchen denkt man sich, es sei ein Scherz. Es kommt einem so vor, als wäre das Spiel mittendrin beendet und unfertig. Warum man diese atemberaubende Single-Player-Kampagne so kurz gehalten hat und so unfertig ist mir ein Rätsel. Somit zerstört man das Schönste im Spiel: Die mitreißende Story.
Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie sich das neue "Halo" anfühlt!
Am Gameplay hat sich kaum etwas zu den Vorgängern geändert und das ist auch gut so. Man kann die Waffen und Granaten der Feinde aufheben und kämpft sich so Level für Level durch. Was auffällt ist der hohe Abwechslungsreichtum, noch größer als in den ersten drei Teilen. Neben einer Warthog Mission, einer Pelikan Mission und ein, zwei Panzer-Missionen gibt es auch zwei neue Fahrzeugtypen. Der Mantis ist eine Art bewaffneter Roboter und eine Mission lang steuert ihr ein Raumschiff an der Oberfläche eines gigantischen Raumschiffs entlang, was sehr an „Star Wars“ und deren Angriff auf den Todesstern erinnert. Einfach toll! Natürlich könnt ihr auch wieder die fahrbaren Untersätze der Feinde besteigen und in den Kampf ziehen. Neuerungen gibt es auch in Punkto Ausrüstung. So könnt ihr wahlweise Ausrüstungsgegenstände wie automatische Geschütze, Schilde, einen Jetpack oder ein Hologramm aufnehmen und immer wieder für kurze Zeit einsetzen, um brenzlige Situationen leichter zu überstehen.
Jedoch wurde der Master Chief seiner Fähigkeit beraubt zwei kleine Waffen gleichzeitig zu tragen, was sich auf den Spielspaß jedoch nicht auswirkt. Somit serviert euch „Halo 4“ eine kleine Weiterentwicklung im Bezug auf das Gameplay. Es wirkt einfach realistischer als dessen Vorgänger und hat dennoch den traditionellen Kern der Serie bewahrt.
Grafik und Sound oder der Moment an dem meine Kinnlade den Boden berührte
Die erste Sequenz des Spiels zeigt bereits, wozu die aktuelle Konsolengeneration in Sachen Grafik fähig wäre. Die erste Cutscene ist so detailgenau und grafisch top, dass man zuerst glaubt einen Film anzusehen. Erst nach gut 30 Sekunden wird einem klar, dass das nicht echt ist, sondern animiert. Die grafische Weiterentwicklung ist schlichtweg gigantisch. Jedes Waffendisplay, die Rüstung von John, die Gegner, einfach alles ist immens detailliert und sieht viel erwachsener aus. Das geht soweit, dass John am Abzugfinger keine Panzerung und seine Rüstung kleinste Lackabsplitterungen und Beulen hat. Auch der Hintergrund hat diesen Detailreichtum zu spüren bekommen. Die Bäume, Geröllansammlungen, Grashalme und die technologischen Einrichtungen sehen um einige Klassen besser aus, als in den vorherigen Teilen. Das gesamte Spiel sieht atemberaubend und toll aus. Herausragend ist auch die Mimik der Charaktere, auch die von Cortana. Ihre Bewegungen wirken so real und echt, wie in kaum einem anderen Spiel.
Dazu kommt der typisch-epische Soundtrack der Serie, der einem die Nackenhaare zu Berge stehen lässt. Immer genau zum passenden Moment kommt das perfekte Musikstück und trägt die Emotionen des Spiels perfekt. Von motivierenden Passagen bis hin zu traurigen ist alles wundervoll harmonisch. Die Synchronisation ist hervorragend und sucht seinesgleichen. Ich kann mich nicht erinnern schon einmal so glaubwürdige Videospiel-Charaktere am Bildschirm gesehen zu haben. Die Soundeffekte sind der Wahnsinn und fügen das perfekte audio-visuelle Puzzle zusammen.
Steuerung
Die Steuerung des Spiels ist wie schon in den Vorgängern recht simpel gehalten. Effizienz steht im Vordergrund und so wurden auch neue Steuerungselemente wie der Ausrüstungsgegenstand einem einfachen Knopfdruck zugewiesen. So kann man in brenzligen Situationen per Knopfdruck blitzschnell ein Schild auspacken oder mit dem Jetpack in luftige Höhen verschwinden. Die Steuerung der Fahrzeuge war in den vorigen Teilen immer recht eigen und es brauchte Zeit bis man diese beherrschte. Meines Erachtens nach wurde diese im vierten Teil etwas benutzerfreundlicher gestaltet. Zwar funktioniert die Steuerung der Fahrzeuge noch gleich, doch es fühlt sich einfacher an. Man überschlägt sich seltener. Der Rest ist wie gehabt und macht irrsinnigen Spaß.
Leider wurde dem Multiplayer bei „Halo 4“ mehr Aufmerksamkeit zugemünzt als dem der Single-Kampagne. Die Möglichkeiten im Bereich Multiplayer scheinen schier endlos zu sein. Jedoch verlangen große Teile davon auch nach einer Xbox-Live-Goödmitgliedschaft. Aber auch zu Hause bietet das Spiel einen Koop-Spielmodus für bis zu vier Leute. Online wird diese Zahl dann auf 16 aufgestockt. Es gibt so genannte Spartan-Ops, die einer Handlung folgen und den Aufstieg der Menschheit zur aktiven Supermacht darstellen. Außerdem gibt es noch so genannte Kriegsspiele, in denen Spieler gegeneinander antreten können. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit euren Spartan zu individualisieren und aufzuwerten, neue Ausrüstungsgegenstände freizuschalten und ähnliches. Grenzenlose Multiplayer-Freiheit auf Kosten der so toll-beginnenden Single-Player-Kampagne – Schade!
Auf der nächsten Seite erfahrt ihr mehr über die Atmosphäre und findet zum Abschluss unsere Zusammenfassung!
“Halo” ist ohnehin bekannt für seine tolle Atmosphäre, doch dieser Teil weist die Vorgänger in Sachen Atmosphäre nochmals in die Schranken. Besonders die Beziehung zwischen Cortana und John 117 hebt das Spielerlebnis auf ein völlig neues Level. Man fühlt mit und verliert sich im Spiel. Cortanas trauriger Zerfall lässt garantiert kein Auge trocken. Dazu kommen die gewohnt utopischen Umgebungen und atemberaubenden Kulissen der Artefakte. Die unglaubliche Glaubwürdigkeit der Charaktere und deren Mimik intensiviert das Spielerlebnis ungemein und macht “Halo 4” zum atmosphärisch besten Teil der Serie. Die hohe Detailgenauigkeit der Charaktere, Feinde und Umgebungen ist schlichtweg beeindruckend. “Halo 4” wirkt einfach erwachsener als seine Vorgänger. Schade ist nur, dass das Spiel so abrupt endet – gefühlte 1.000 Fragen bleiben nach knapp 10 Stunden einfach offen.
Zusammenfassung
“Halo 4“ hat das Potential eines der besten Spiele aller Zeiten zu werden. Die Grafik ist mit das Beste, was die aktuelle Konsolengeneration zu bieten hat und unglaublich detailreich. Die Story ist atemberaubend und packend inszeniert. Die Emotionen die Cortanas mentaler Zerfall in einem auslösen sind in der Videospielgeschichte beinahe einzigartig, fesseln den Spieler vor dem Bildschirm und treiben jedem Gamer Tränen in die Augen. Das ohnehin bewährte Gameplay der Vorgänger wurde noch optimiert und um gezielte Kleinigkeiten erweitert, während das ganze Spiel reifer und erwachsener wirkt. Fakt ist, dass es einfach zu kurz ist – es bleiben viel zu viele Fragen unbeantwortet und wenn man glaubt jetzt geht’s erst so richtig los ist das Spiel in Wirklichkeit bereits zu Ende. Wird hier mir DLCs nachgeholfen? 343 Industries hat sich anscheinend viel zu sehr auf tolle Multiplayer-Action versteift und so musste die Kampagne darunter leiden. Trotzdem ist „Halo 4“ ein Muss für alle „Halo“-Fans und diese die es noch werden wollen.
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