Neue Grafik, neue Physik, neues Handling und vieles mehr. Das verspricht uns zumindest das Handbuch zu „SBK Generations“ und daher sind wir schon gespannt, ob wir mit Vollgas in die Zielgerade einfahren oder mit einer Vollbremsung vom motorisierten Bock steigen? Erfahren Sie in diesem Review auch mehr über die italienische Arbeitsphilosophie von Milestone Studios.
Und jährlich grüßt das Murmeltier
Nicht nur Sportarten wie Fußball, Eishockey oder Formel 1 erscheinen einmal jährlich in Form eines lizensierten Sportspiels, auch die Superbikes kommen alle Jahre wieder. Und bevor wir auf die Einzelheiten des Titels eingehen, sehen wir uns zuerst einmal den offiziellen Trailer zu „SBK Generations“ an:
4 Jahre Superbike
Bisher war es immer so, dass man sich in den „SBK“-Titeln in das aktuelle Jahr stürzen konnte, um dort die Konkurrenz so richtig aufzumischen. Das schien den Entwicklern dieses Jahr zu wenig zu sein und so gibt es die letzten drei Jahre plus Fahrer, Teams und Strecken des Jahres 2012. Der Spielmodus „SBK Generation“, der auch als Namensgeber für das gesamte Spiel herhalten darf, führt den Spieler dabei in die verschiedenen Klassen. So versucht sich der Newcomer in der Superstock 1000, der Supersport und der Superbike Klasse einen Namen zu machen.
Als nur leider vier Jahre andauernder Karrieremodus gehört es natürlich auch dazu das Leben eines echten Rennfahrers zu leben. So gibt es zwar nicht so ein gewaltiges Drumherum mit Social Media und Marketingverträgen wie bei „NBA 2K13“, aber es gilt auch nicht nur stur die Qualifikation und das Rennen zu fahren. Als richtiger Profi muss man sich mit seiner Maschine identifizieren können, um das Optimum für jedes Training, Qualifying und Rennen herauszuholen. Hilfe bekommt man dabei von seiner Boxencrew, die je nach Team unterschiedliche Erfahrungs- und Leistungswerte hat. Ist man mit seinem Setup unzufrieden, bespricht man das Problem mit dem Mechaniker und erklärt ihm genau was dieser verändern soll und warum. Da diese Änderungs- und Reparaturarbeiten nicht von einer Sekunde auf die nächste erledigt werden, werden dem Spieler die Minuten von seiner Fahrzeit abgezogen. Daher sollte man wirklich die beiden Trainings zur optimalen Einstellung des Bikes nützen, da die Zeit in der Qualifikation einfach viel zu wertvoll ist, um sie mit Änderungen zu vergeuden. Neben den technischen Details, die mit dem Mechaniker geklärt werden, muss der Spieler im Falle des Falles auch noch neue Verträge mit interessierten Teams unterschreiben. Hier ist das Interesse natürlich an den Erfolg als Rennfahrer gekoppelt und nur wer richtig schnell ist, darf sich in einem Topteam einnisten.
Aus alt mach neu!
Wem die Vier-Jahres-Karriere zu langwierig ist, der kann sich auch für den allseits bekannten „SBK Experience“ Modus entscheiden und eine Herausforderung nach der anderen bestreiten. Da diese Variante auch bereits ein Teil der Vorgängertitel war, könnte man behaupten, dass das Hauptaugenmerk auf der vier Jahres Kampagne liegt und man den Rest einfach mit Hilfe des „Copy Paste“-Styles übertragen hat. Dieser kleine Vorwurf beginnt bereits bei den augenscheinlichsten Dingen wie der Grafik und dem Sound. Die Zeiten, in denen auf Motorradstrecken rund um den Kurs nicht viel los war, sollten eigentlich schon längst vorbei sein, aber Milestone Studios scheint sich nicht viel um optische Weiterentwicklung kümmern zu wollen. Auch wenn die dynamischen Rennstrecken den nassen Kurs dort am Schnellsten trocknen lassen, wo die meisten Rennfahrer fahren und sich der Reifenabrieb auf der Ideallinie zu sammeln beginnt, so sieht die grafische Performance im Gesamtüberblick doch sehr ernüchternd aus. In der Soundabteilung kam man anscheinend auch nicht über das Mittelmaß hinaus und präsentiert dem Spieler nun eine schlichte und geräuscharme Soundkulisse.
Die Steuerung besteht aus zwei Tasten: Gas geben und bremsen. Natürlich bekommt man auch die Chance selbst die Gänge durchzuschalten und sein Fahrergewicht nach vorne oder hinten zu verlagern, aber mit den automatischen Einstellungen kann man sich besser auf die Streckenführung und die Ideallinie kümmern. Hier hat das Spiel nämlich seine einzige wirkliche Stärke und zwar das gelungene Gameplay. Als Nicht-Motorradfahrer kann ich natürlich kein Urteil darüber abgeben, wie realistisch das Motorradverhalten ist, ich kann nur sagen, dass es viel Spaß macht mit der Maschine über die Strecken zu heizen und sich dabei spannende Zweikämpfe mit seinen Gegnern zu liefern. Und hier hört sich das Positive leider auch schon wieder auf, denn die KI ist einfach furchtbar. Die Gegner fahren alle die gleiche Linie, es gibt keine Ausbrecher und keine wirklich coolen Überholmanöver. Die KI fährt auf ihren imaginären Gleisen den Kurs ab und sorgt dabei für wenig spannende Szenen. Zumindest ist dieser Atmosphärenbruch ein Anreiz darauf, so schnell wie möglich den ersten Platz zu übernehmen, um sich das Trauerspiel auf den hinteren Plätzen zu ersparen.
Im Mehrspieler-Modus kann man sich in einem „Schnellen Spiel“ oder einem „Benutzerdefinierten Spiel“ mit bis zu 16 menschlichen Mitstreitern messen. Dabei gibt es die Wahl zwischen einem schnellen Rennen und einer Meisterschaft. Die Tatsache, dass man keinen Splitscreen für spaßige Couchkämpfe eingeplant hat, lässt die Wertung des Spiels weiter nach unten sinken. Nach wie vor stellt man sich die Frage, was man wohl gegen einen Splitscreen-Multiplayer hat? Wahrscheinlich geht es einfach um das Geld – natürlich –, denn wer will schon zwei lachende Gesichter sehen, von denen eines nicht einmal einen Kopie kaufen musste und dennoch spielen kann?
Atmosphäre
Der Generations-Modus sorgt mit seinen lizensierten Teams, Fahrern und den Originalstrecken für das meiste Benzin im Blut. Auch die Idee mit der Box und die Gespräche mit dem Mechaniker sind für die Atmosphäre des Spiels halbwegs förderlich. Leider vermiesen viele negative Faktoren die Stimmung und lassen das Spiel in den Entertainment-Durchschnitt abgleiten.
Zusammenfassung und Wertung gibt’s auf der nächsten Seite.
„SBK Generations“ kann vier Jahre Superbike-Historie und Gegenwart aufwarten und bringt auf Grund der durchgehend lizensierten Teams und Rennfahrer ein wenig Realismus in das Spiel. Dieser positiven Ansammlung stehen Dinge wie eine fehlende Rennkursatmosphäre, eine bescheidene Grafik und Soundkulisse, sowie einer langweiligen KI gegenüber. Ganz nach dem Motto „Besser gut aus der Vergangenheit geklaut, als innovative neue Dinge entwickelt“ scheinen sich die Entwickler für diesen Titel nicht wirklich viel angetan zu haben. Und auch wenn man die Spieler mit einer Trophäe belohnt, weil sie sich den Titel gekauft haben oder zumindest zum ersten Mal spielen, so lenkt dies nicht von der extrem veralteten Gestaltung der „SBK“-Franchise ab.
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