Ein mysteriöser Neben überzieht das Örtchen Kingsmouth mit allen erdenklichen Schrecken und genau in diesem gottverlassenen Dorf am Meer beginnt eine packende Reise durch eine faszinierende Welt hinter der Fassade der Normalität – durch „The Secret World“.
Ein holpriger Beginn
Wie es sich für ein anständiges MMORPG gehört beginnt „The Secret World“ mit der Erschaffung des eigenen Helden. Entsprechend den drei Fraktionen stehen dem Spieler hier auch nur drei Charakterslots zur Verfügung. Doch uns reicht für den Anfang ohnehin vorerst einer. Nun steht die Entscheidung an, ob man als Dragon, Templer oder Illuminatus durch die Spielwelt schreiten will. Die Eigenheiten dabei liegen mehr in der Hintergrundgeschichte als in den tatsächlichen Fertigkeiten, somit kann man an dieser Stelle ganz nach den eigenen Vorlieben entscheiden. Im Anschluss erhält der Held sein Aussehen und schließlich einen Namen verpasst. Die Auswahl an Gestaltungselementen ist angemessen, aber überschaubar.
Von Bäumen und Zombies
Nach dem Betreten der Spielwelt durchlebt man eine kurze Einführung in die jeweilige Fraktion und erwählt sich nach kurzem Training seine bevorzugte Waffe oder Magierichtung. Die Alternativen sind auch hier überschaubar, dennoch sollte jeder Spieler fündig werden und eine seinen Vorlieben entsprechende Variante vorfinden. Danach geht es über den imposanten Weltenbaum nach Kingsmouth. Dieser wächst in der hohlen Erde, ermöglicht das schnelle Reisen zu fernen Orten und stellt somit das Portalsystem von „The Secret World“ dar. Nach diesem kurzen ersten Ausflug hinter die Fassade der realen Welt, kommen wir in dem kleinen verfluchten Örtchen an und ein seltsamer Cowboy klärt uns erstmals über die Vorkommnisse in Kingsmouth auf.
Ebendieser ist es auch, der uns eine erste Aufgabe stellt. Wir töten für ihn einige Zombies, erhalten im Handumdrehen eine Folgequest und erreichen mit dem Abschluss der kurzen Questreihe das letzte Bollwerk der Bewohner Kingsmouths. Rund um das Sheriffsbüro haben sich einige Mutige zusammengeschlossen und leisten der voranschreitenden Dunkelheit Widerstand. In den folgenden Stunden lernt man Bewohner, Stadt und Feinde kennen, während man zahlreiche Quests, Rätsel und Erkundungsaufgaben abarbeitet. Was anfangs noch etwas zäh von der Hand geht, entführt mit der Zeit in eine spannende Welt voller Mysterien und Enigmen. Zwischen Hinweisen auf eine dunkle Vergangenheit des Orts lernt man verschiede NPCs kennen, die mal mutig kämpfend, mal verzweifelnd den Weg des Helden säumen. Später eröffnet sich dem Spieler natürlich ein weltumspannendes Ereignis, dass ihn auch an andere Schauplätze entführt.
Details zum Gameplay gibt's auf der nächsten Seite.
Ein kleiner Schwachpunkt im Spiel ist wohl das Gameplay beziehungsweise die Steuerung. Zwar lässt sich diese zum Glück nahezu gänzlich individualisieren, doch bleibt auch dann immer noch ein etwas holpriger Eindruck. Die Kombos sind eher statisch und in der Folge fehlt in den Kämpfen etwas die Dynamik. Hat man die Abläufe verinnerlicht werden diese zwar etwas flüssiger, doch gänzlich überzeugen kann dieser Aspekt des Spiels leider nicht.
„The Secret World“ bietet zwar alle klassischen MMORPG-Inhalte, wie PvP, Dungeons und andere Multiplayerinhalte, doch im Endeffekt ist man die meiste Zeit alleine unterwegs. Davon profitieren zwar die Story und somit auch die Atmosphäre, doch man hat eben oft das Gefühl alleine in einer Welt voll anderer Spieler zu sein. Das ist zwar nicht wirklich schlimm, da es die Multiplayerinhalte, ja dennoch gibt, doch man sollte sich dessen bewusst sein, dass man von „The Secret World“ nicht gerade dazu animiert wird etwas mit anderen zu unternehmen.
Ein schweigsamer Typ
Auf der Reise um den Globus begegnet man zahlreichen NPCs, die atmosphärisch stimmig diverse Geschichten zum Besten geben. Doch unangenehm fällt dabei auf, dass unser eigener Held leider so gar nicht reden will. Diese Tatsache tut zwar der Stimmung an sich keinen Abbruch, enthält dem eigenen Helden damit aber eine Facette vor. Ein stummer Held verhindert in der Regel ein tieferes Eintauchen in den Charakter und wäre gerade in einem atmosphärisch großartigen Spiel, wie es „The Secret World“ ist eine hervorragende Bereicherung gewesen.
Atmosphäre
Hier liegt ganz klar die Stärke von Funcoms Verschwörungs-MMORPG. Denn je weiter man in die geheime Welt eintaucht, umso fesselnder sind die Ereignisse, die sich in ihr abspielen. Nach einem etwas schwachen Start findet man sich so recht schnell in einer spannenden Symbiose von Mystik, Horror, Action und Verschwörung wieder. Auch wenn dabei der Multiplayeraspekt ein wenig auf der Strecke bleibt, haben die Autoren hier ganze Arbeit geleistet und ein dichtes atmosphärisches Netz gesponnen, in dem man sich als Spieler nur zu gern verfängt.
Zusammenfassung und Wertung gibt's auf der nächsten Seite.
„The Secret World“ mag vielleicht nicht in allen Aspekten ein klassisches MMORPG sein – und das ist auch gut so – doch finden begeisterte Online-Rollenspieler dennoch zahlreiche Elemente vor, die sie an das Spiel fesseln werden. Auch wenn die ersten Stunden vielleicht etwas zäh von der Hand gehen, eröffnet sich im Lauf der Zeit eine fantastische Welt, die in nahezu allen Belangen zum Verweilen einlädt. Wer aber viel Wert auf eine umfangreiche Multiplayerausgestaltung legt, sollte sich doch nach einem anderen Spiel umsehen. Jene, die jedoch bereits in „World of Warcraft“ oder „Star Wars: The Old Republic“ lieber alleine unterwegs waren, sind hier bestens aufgehoben und erleben ein atmosphärisches Setting und eine packende Story.
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