Es ist so eine Sache mit Pionierleistungen. Sie mögen zwar den Weg für eine nachfolgende Generation ebnen, doch scheitern sie dabei selbst oftmals. Ob der Kinect-Mech-Titel „Steel Battalion: Heavy Armor“ dieses Schicksal unweigerlich mit anderen Wegbereitern teilt, oder sich bereits als Referenztitel für zukünftige bewegungsgesteuerte Core-Games erweist, erfahrt ihr in diesem Review.
Zurück in die Zukunft
In einer nicht allzu fernen Zukunft hat ein Computervirus unsere Gesellschaft an den Rand ihrer Zerstörung gebracht und läutete eine posttechnologische, apokalyptische Ära ein. Doch nicht genug damit, dass die Erdenbewohner nun ohne ihre geliebten elektronischen Begleiter auskommen müssen, überzieht eine fremde Macht die Vereinigten Staaten der Zukunft auch noch mit Krieg. Dieser wird auf beiden Seiten mit mächtigen Mechs geführt und versetzt die Spieler in ein weltkriegsähnliches Szenario, das bewusst auf Elemente aus den vergangenen Weltkriegen zurückgreift und somit Historisches mit Futuristischem zu einem eigentlich gelungenen Mix verbindet.
Kinect-Frust
In besagtem Krieg steuert der Spieler einen dieser gewaltigen Mechs. Als erster Core-Titel greift „Steel Battalion: Heavy Armor“ dabei als zentrales Gameplay-Element auf den Kinect-Bewegungssensor zurück. Eine Pionierleistung, für die man sich noch lange an diesen Titel erinnern wird, doch leider auch das größte Manko des Spiels. Denn die Erkennung der Gesten, die das Kriegsgerät auf Touren bringen soll, funktioniert nur sehr mangelhaft und sorgt so bereits in den ersten Missionen für einen hohen Frustpegel, der sich im Lauf des Spiels zu regelrechtem Zorn hochschaukelt. Denn einerseits will „Steel Battalion: Heavy Armor“ die Hektik des Krieges vermitteln, andererseits ist man als Spieler meist einfach nicht in der Lange dementsprechend zügig auf akute Gefahrensituationen zu reagieren, da es die Bewegungssteuerung nicht zulässt.
Einen weiteren Trailer und atmosphärische Details gibt's auf der nächsten Seite.
Und wenn sich Hebel erst nach mehrmaligen Versuchen bewegen lassen, zum hundertsten Mal eine Konsole vorklappt, obwohl man eigentlich den Turbo aktivieren will, oder man wiederholt den qualvollen Erstickungstod stirbt, weil sich der Lüftungsmechanismus nicht betätigen lässt, dann ist es mit dem Spielspaß einfach nicht weit her. So versetzt das Spiel trotz guter atmosphärischer Arbeit derart in Rage, dass man wider besseren Wissens den Kinect-Sensor zum Fenster hinaus befördern möchte.
Grafik und Sound
„Steel Battalion: Heavy Armor“ versteht es an und für sich sehr gut, das Chaos und in gewisser Weise auch das Retro-Flair dieses Krieges in Bild und Ton umzusetzen. Die englische Sprachausgabe ist solide und authentisch, die Soundeffekte untermalen die oft hektischen Szenerien und die musikalische Begleitung hält sich gekonnt minimalistisch im Hintergrund. Grafisch hat man hingegen sicher schon besseres gesehen, dennoch bewegt sich der Mech-Titel hier im soliden oberen Mittelfeld. Trotz kleinerer Schwächen können besonders die oft hektische Kameraführung und das begrenzte Sichtfeld die beengende Stimmung im Vertical Tank gut einfangen. Mächtige Explosionen und knackiges Mündungsfeuer tun optisch und akustisch ihr übriges zu einer stimmungsvollen Spielumgebung.
Lärm, Rauch und Panik
Die so vermittelte Atmosphäre ist auch die größte Stärke des Spiels. Denn die Enge im Mech, den man sich zudem mit drei Kameraden teilen muss, und die Hektik außerhalb sorgen nicht nur einmal für eine erhöhte Pulsfrequenz, die sich aber eben leider auch wegen der Hilflosigkeit bei den Steuerelementen weiter erhöht.
Gegen die Erwartungen verfügt „Steel Battalion: Heavy Armor“ bereits zum Release über einen Mehrspielermodus, der es zwei eingeschworenen Kameraden online ermöglicht gemeinsam in die Schlacht zu ziehen. Doch auch dieses Feature kann das Spiel, dem es einfach an wichtigsten mangelt – nämlich Spaß am Spiel – nicht mehr retten.
Zusammenfassung und Wertung findet ihr auf der nächsten Seite.
Leider teilt „Steel Battalion: Heavy Armor“ das Schicksal vieler Pionierleistungen. Es wird uns in Erinnerung bleiben, weil es eben der ersten Core-Titel war, der die Kinect als zentrales Steuerelement einzubauen versuchte. Doch muss dieser gewagte Schritt vorerst als gescheiterte angesehen werden, denn zu fehlerbehaftet ist die Umsetzung und zu frustrierend die hilflose Herumfuchtelei, während dem eigenen Mech die Geschoße um die Ohren fliegen. Während das Spiel optisch und akustisch durchaus zu überzeugen vermag, scheitert es somit eben genau dort, wo man Fehler nur schwerlich verzeihen kann. Denn trotz der guten Atmosphäre und der gelungenen Settings kommt einfach kein Spaß beim Spielen auf und gepaart mit dem stetig steigenden Frustlevel bleibt dem Spieler so nur der Weg zum Power Off-Button.
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