Es wird wieder gerobbt, geschlichen, still und heimlich der Nahkampfangriff ausgeführt und vor allem auch „gesnipert“. Auf der Suche nach dem besten Sniperplatz stürzen wir uns in „Sniper Elite V2“ und damit auch in den 2. Weltkrieg.
2. Weltkrieg mal anders
2. Weltkrieg? „Nicht schon wieder…“, werden sich Einige an dieser Stelle denken. Wir zuerst auch, doch dann entpuppen sich Story und Szenario doch als neue spannende Idee. Lange Zeit forschten die Deutschen nach neuen Waffen für den Krieg. Unter anderem entstand dabei die V2-Rakete. Nun ist 1945 und Russen sowie Amerikaner beginnen einen letzten Ansturm auf Berlin. Beide haben das Ziel das nationalsozialistische Deutschland zu stürzen, aber beide machen auch schon Pläne für zukünftige Unternehmungen, die wir heute als den Kalten Krieg kennen. So versuchen beide Seiten die wichtigsten deutschen Wissenschaftler lebendig auf ihre Seite zu holen und für ihre Zwecke einzusetzen. Mittendrin ein Scharfschütze der Alliierten. Sein Ziel: Die fünf wichtigsten Personen des V2-Programms zu finden und sie um keinen Preis in die Hände der Russen fallen zu lassen.
Name ist Programm
Klar, das ganze Gameplay dreht sich nur um eins – Snipern. Das klingt ein bisschen eintönig, ist es aber nicht, denn das Spiel setzt die Sniper-Missionen toll in Szene. Auch die Ballistik-Physik der Kugeln ist auf hohen Schwierigkeitsgraden gut gemacht und glaubhaft. Außerdem gibt es bei besonders weit entfernten und schwierigen Schüssen eine Killcam à la CSI. Man sieht das Skelett und die Organe des getroffenen und auch die entstandenen Verletzungen sowie den Kugeleintritt. Das Spiel wechselt immer wieder zwischen actionlastigen und offenen Kämpfen und leisen Schleichszenen, wodurch es nie eintönig wird und man sich immer anderen Aufgaben entgegenstellt. Für die leisen Stellen kann man leise Nahkampfangriffe starten, die schallgedämpfte Pistole verwenden oder auch auf Stolperfallen setzen, die beim Auslösen explodieren. Für die offenen Passagen trägt der Held immer ein Maschinengewehr und natürlich ein Scharfschützengewehr mit sich rum. Dabei kann man, wenn der Puls des Scharfschützen niedrig genug ist, während dem Snipern für kurze Zeit in eine Fokus-Time schalten, in der sich alles ein wenig langsamer bewegt. Diese Fähigkeit ist taktisch gut einsetzbar und wirklich schön in Szene gesetzt.
Grafik und Sound
Die Grafik ist teilweise braun in braun und etwas detailarm. Trotzdem schafft es das Spiel auf einem Niveau zu bleiben, wovon man aber kaum gestört wird, wenn man einmal in den Spielfluss eingetaucht ist. Trotz allem hätte man wohl für ein bisschen mehr Abwechslung sorgen können, denn leider sehen manche Häuser und Straßen zu ähnlich aus. Zumindest die Orte sind sehr verschieden gewählt, unter anderem sieht man im Spiel, eine strategisch wichtige Brücke aus 300 Metern Entfernung. Selbiges gilt auch für einen Flugzeughangar oder eine Kirche, von der aus man einen perfekten Überblick über das ganze Schlachtfeld erhält. Der Sound des Spiels ist hingegen recht ordentlich, denn die Schüsse und die gesamte Soundkulisse klingen realistisch. Manchmal gibt es aber kleine Aussetzer, wenn man einen 50 Meter entfernten Deutschen schreien hört, als würde er gerade neben einem stehen und einem ins Ohr brüllen.
Steuerung
Die Steuerung beim Schießen, sei es mit Pistole, Maschinen- oder Scharfschützengewehr geht gut von der Hand und ist schnell erlernt. Das Fadenkreuz beim Snipern wackelt naturgemäß und die ballistischen Eigenschaften der Kugel sind auch mit ein zu berechnen. Was sich am Anfang vielleicht noch ein wenig kompliziert oder ungewohnt anfühlt, ist bald vergessen und es schlägt um in fordernden und gut gemachten Realismus.
Der Multiplayer ist eine nette Draufgabe zum normalen Singleplayer. Man kann mit einem anderen Freund nochmals die Kampagne durchspielen und sich gegenseitig unterstützen. Weiters gibt es noch die Modi Abschusssumme (feindliche Wellen überleben), Bombardierung (aus Gebiet fliehen) und Überwachung. Besonders Überwachung ist ein spannender Modus, da hier ein Spieler der Scharfschütze ist und der andere ein Agent. Dieser verfügt nur über Maschinenpistole und Fernglas, mit dem man dem Scharfschützen Feinde markieren kann. Durch Rückendeckung des Scharfschützen muss der Agent von einem Ziel zum anderen gelangen. Das spielt sich wirklich sehr toll, da man taktisch agieren muss, und sorgt auch für Abwechslung vom normalen Sniper-Alltag.
Details zur Atmosphäre und die Zusammenfassung findet ihr auf der nächsten Seite.
Atmosphärisch macht „Sniper Elite V2“ einiges richtig. Man hat oft wirklich das Gefühl, dass man sich in diesem großen Krieg befindet und doch ganz alleine seiner eigenen geheimen Mission nachgeht. Vor allem bei den „lautlosen“ Passagen kommt viel Spannung auf, da wenn man einen Fehler macht, alle Feinde alarmiert sind und sich die Mission deutlich erschwert. Auch die Zwischensequenzen sind gut gemacht und spiegeln den 2. Weltkrieg mit all seinen Schrecken wieder.
Zusammenfassung
Zusammengefasst ist „Sniper Elite V2“ ein gut gelungener Snipertitel geworden. Natürlich gibt es im Spiel auch Schleichpassagen, aber trotzdem ist „Sniper Elite V2“ ein sehr actionlastiges Game. So beeindrucken vor allem die gute Atmosphäre, das gelungene Gameplay und ein netter Multiplayer. Nur bei der Grafik und beim Sound muss man ein paar Abstriche machen. Wem das Konzept eines actionreichen Sniperspiels gut gefällt, der kann sich „Sniper Elite V2“ mit gutem Gewissen zu Gemüte führen, da auch der Preis mit rund 34 Euro fair bemessen ist.
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