„Jagged Alliance: Back in Action“ versucht der kultigen Reihe neues Leben einzuhauchen, scheut sich dabei aber nicht klassische Elemente durch Neues zu ersetzen. Ob der Neuling seinen Vorgängern gerecht wird erfahren Sie in unserer Review.
Story
Details zur Story finden Sie in unserer ausführlichen Preview. An dieser Stelle wollen wir uns daher auf Gameplay und Aufmachung des neuesten Teils der legendären „Jagged Alliance“-Reihe widmen. Dazu zur Einstimmung hier ein Gameplay-Trailer, der viele der Neuerungen zeigt.
Plan & Go
Die auffälligste Änderung ist die Umstellung vom altbekannten rundenbasierenden Kampfsystem zu Echtzeitaction mit Plan & Go-Feature. Es gibt also keine Aktionspunkte mehr, sondern Zeit ist nun die einzige Währung, die der Spieler benötigt. Prinzipiell passiert alles gleichzeitig, einzig die Möglichkeit zum Anhalten des Spiels und zum Planen der Spielzüge zeugt noch in Ansätzen von der Mechanik der Vorgänger. Mit der Leertaste lässt sich ein gesondertes Interface aufrufen, in dem man nun seine Manöver bis ins Detail planen kann.
Abgespeckter Strategiemodus
Während das Plan & Go-Feature zumindest gefällt, leidet die Weltkarte beziehungsweise der Strategiemodus unter zahlreichen Vereinfachungen. Er wurde vieler altbekannter Funktionen aus den Vorgängern, wie Training und Genesung, beraubt und dient nun hauptsächlich zur Bewegung von Map zu Map. Generell fand im Spiel bis zu einem gewissen Grad eine Beschneidung der taktischen Möglichkeiten statt. Dadurch, dass Gegner nun ab dem Start der jeweiligen Mission angezeigt werden, bleibt ein wichtiger Spannungsfaktor aus. Und auch, wenn die Entwickler mit dementsprechend hohem Schaden der Gegner den Schwierigkeitsgrad auf einem gehobenen Niveau halten, bleibt der gewisse Reiz des Entdeckens und Entdecktwerdens aus.
Details zu KI, Grafik und Sound sowie die Zusammenfassung finden Sie auf der nächsten Seite
Die Folge der Mischung aus strategischem Kahlschlag und teils überproportionalen Gegnerschaden ist eine stellenweise frustrierende Hilflosigkeit. Dank der Autosave-Funktion vor jedem Kampf hat man nach einem Scheitern zwar schnell die Möglichkeit zu einem neuen Versuch, Erfüllung in Sachen Strategie wird man jedoch nicht finden. Die Wirtschaftssimulation, die im Hintergrund mitläuft, hat hingegen einen angenehmen Schwierigkeitsgrad und ist besonders zu Beginn des Spiels knifflig. Nach dem Anheuern der Söldner bleibt einem kaum genug, um in weiterer Folge Munition oder Waffen zu kaufen. Nach den ersten Missionen stellt sich langsam Besserung im Budget ein und es lässt sich angenehm wirtschaften.
Wie sich bereits während der Preview abgezeichnet hat, agiert die KI stellenweise sehr dumm. Gegner laufen wie aufgeschreckte Hühner überall hin, nur nicht zur Verstärkung oder zu den Söldnern des Spielers. Besonders mit Truppen, die sich auf einem Dach verbergen, haben diverse Wachposten so ihre liebe Not. Aber bereits so einfache Sachen wie das Öffnen einer Tür werden zum Kabarett, wenn sich drei Söldner gegenseitig im Weg stehen – das Chaos ist perfekt, wenn noch eine Gruppe Kinder zwischen den modernen Kriegern umhertollt.
Grafik und Sound
Grafisch vermag „Jagged Alliance: Back in Action“ keine Preise gewinnen, jedoch ist die Gestaltung konsistent. Man könnte sagen, die optische Aufbereitung verbreiten einen Hauch Nostalgie und verbeugt sich so vor den Vorgängern. Den verwöhnten Gamer von heute mag dies jedoch nicht aus seinem Versteck zu locken. Der Sound hingegen gefällt und reagiert stimmig auf die Vorkommnisse im Spiel. Ein Sprachausgabe für die E-Mails im Menü wäre noch schön gewesen, ansonsten hat die Soundabteilung gute Arbeit geleistet.
Alles in allem ist „Jagged Alliance: Back in Action“ ein gelungener Mix aus Action und ein wenig Strategie. Doch in Anbetracht des Erbes, das der Titel anzutreten hat, muss man sagen, dass der jüngste Teil der kultigen Reihe seinen Vorgängern nicht das Wasser reichen kann. Leider wurde das Spiel an den falschen Stellen einer Schlankheitskur unterzogen. Die teilweise übermächtigen NPCs tragen zudem nicht zur Spannung bei, sondern sorgen eher für Frust. Davon abgesehen kommt man vor allem im fortgeschrittenen Spielverlauf in Sachen Action voll auf seine Kosten. Wer einmal Abstand von all den fotorealistischen Shootern nehmen, aber nicht auf Maschinengewehrfeuer verzichten will, ist bei „Jagged Alliance: Back in Action“ doch gut aufgehoben.
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