Dass „The Elder Scrolls V: Skyrim“ in nahezu allen Aspekten hielt, was es im Vorfeld versprochen hatte, steht mittlerweile außer Frage. Dennoch wollen wir der Vollständigkeit halber auch noch einen Blick auf die PC-Version des Rollenspiels des Jahres werfen. Begleiten Sie uns daher in der folgenden Review noch einmal in die Welt am Himmelsrand.
Ein rüdes Erwachen
Wo bin ich? Was ist geschehen? Langsam lichtet sich der schummrige Nebel vor den Augen und ich kann einige Gesichter erkennen. Ich bin auf einem Wagen. Gefesselt. Mein Gegenüber spricht vom Krieg um die Provinz Himmelsrand, einem Hinterhalt der Kaiserlichen und der darauffolgenden Gefangennahme. Der Karren auf dem wir sitzen bringt uns in ein Dorf. Zahlreiche Rebellen werden hier von Soldaten bewacht. Wir werden vor einen Hauptmann geführt, der die Namen der Gefangenen verliest. „Und wer seid Ihr?“ richtet sich der Uniformierte schließlich an mich.
Inhaltlich entspricht dieser Anfang selbstverständlich den Konsolenversionen, doch meine Güte, wie geil – entschuldigen Sie bitte diesen Ausdruck – sieht diese Sequenz am PC aus! Ließ das bisher Gesehene eigentlich schon keine Wünsche mehr offen, so setzt das sich nun bietende Bild dem Ganzen noch die Krone auf. Traumhaft gestaltete Umgebung, klare Texturen, satte, aber dennoch realistische Farben, herrliche Kontraste. Obwohl ich bereits auf der Xbox 360 ausgiebig spielen durfte, machten die ersten Minuten trotz der Wiederholung gleich wieder Lust auf mehr.
Die PC-Version verblüfft weiter! Wie? Das lesen Sie auf der nächsten Seite.
Auch bei der Charaktererstellung zeigt sich die vorliegende Version des Rollenspielknallers „The Elder Scrolls V: Skyrim“ von ihrer besten Seite. Noch detaillierter und mit deutlicheren Unterschieden zwischen den einzelnen Einstellungen begeistert die ins Spielgeschehen eingebundene Heldengenerierung. In Fülle und Aufbau ist sie hingegen deckungsgleich mit den umfangreichen Inhalten der Konsolenversionen.
Bereits dort glänzte die Charaktererstellung durch eine unglaubliche Vielzahl an Optionen. Zehn Rassen, zahlreiche Einstellungen zu Gesicht, Hautfarbe, Haar und Bart lassen eigentlich keine Wünsche offen. Alle Möglichkeiten hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, aber man könnte bereits an diesem Punkt eine Stunde oder mehr zubringen, um den Helden nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Wie es sich gehört, kommt das Wichtigste am Schluss, nämlich die Namensgebung.
Der kaiserliche Soldat, der sich mir nun wieder zeigt, findet meinen Namen nicht auf seiner Liste. Dennoch werde ich als Rebell in die Schlange der Hinzurichtenden eingereiht und mein Kopf landet alsbald auf dem Hackstock des Henkers. Als das Beil bereits auf meinen Hals zuzurasen droht, rauscht wie aus dem nichts ein riesiger Drache über das Dorf und Panik bricht aus. So beginnt die epische Reise des Helden, auf der er das Mysterium seiner Herkunft lüftet, sich als mächtiges Drachenblut entpuppt und die alte Kunst der Schreie auf seiner Reise durch eine atemberaubende Kulisse meistert.
Alles über Kampf und Magie erfahren Sie auf der folgenden Seite!
Relativ bald im Spiel wird man vor die Wahl gestellt, welchen Weg man – zumindest zu Beginn – beschreiten will. Den des Magiers, den des Kriegers oder den des Diebes. Anlass für diese Entscheidung sind drei Monolithen am Wegesrand, die den Helden je nach Vorliebe mit einem Segen versehen, der Sie das Gewählte schneller erlernen lässt. Diese Wahl ist nicht endgültig, lässt sich jederzeit ändern und wird später um weitere Segen ergänzt.
Durch die separate Zuweisung der verschiedenen Waffen und Zaubersprüche zur jeweiligen Hand stehen dem Spieler zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten zur Verfügung. So können Sie mit Hilfe des Talentsystems ihren eigenen Kampfstil pflegen und verbessern. Das Elder-Scrolls-Mantra „Du bist, was du spielst“ wurde hier so kompromisslos umgesetzt wie in keinem Teil davor. Ob Sie beispielsweise als Krieger nun lieber mit zwei Einhandwaffen, einer mächtigen Zweihandwaffe oder mit Schwert und Schild kämpfen, bleibt ganz ihren persönlichen Vorlieben überlassen. Selbiges gilt natürlich auch für diverse Zaubersprüche oder dem Kampf mit dem Bogen.
Wie es in einem guten Rollenspiel sein muss, sind der Ausgestaltung nach den Neigungen des Spielers sehr wenig Grenzen gesetzt. Das Talentsystem ist derart umfangreich, dass viele individuelle Kombinationen möglich sind. Trotz dieser Optionsfülle bleibt der Kampf selber sehr überschaubar. Durch die Schnellbelegung verschiedener Gegenstände, Zauber und Rufe behält man stets die Übersicht und hat die passenden Fähigkeiten und Items immer rasch parat.
Es empfiehlt sich von Beginn an auf einer höheren Schwierigkeitsstufe zu spielen, da sich ansonsten der Kampf stellenweise etwas eintönig gestaltet. Erst, wenn die Gegner einen fordern, ist man auch genötigt, auf ein weiter gestecktes Repertoire an Skills zurückzugreifen und so in den vollen Genuss des Kampfsystems zu kommen. Die durch Slow Motion-Sequenzen dargebotenen Critical Hits sind dabei flüssiger und noch schöner anzusehen als auf der Konsole. Auch für die Kämpfe mit den Drachen empfiehlt es sich, die Schwierigkeitsstufe zu erhöhen, da man sonst vom schnellen Ableben der geschuppten Ungetüme bitter enttäuscht wird und sich selbst um die Erfahrung eines epischen Kampfes gegen ein mächtiges Wesen bringt. Positiv fallen darüber hinaus auch die Schreie auf, die inhaltlich einen bedeutenden Aspekt des Spiels ausmachen. Sie sorgen mit satten Soundeffekten und gelungener Animation für mehr Action und Abwechslungsreichtum im Kampf.
Genug gekämpft? Dann folgen Sie mir auf die nächste Seite und in die Welt am Himmelsrand!
Mit „The Elder Scrolls V: Skyrim“ ist es wie mit gutem Rotwein. Kenner und Genießer lassen sich Zeit und zelebrieren den Konsum in aller Ruhe, mit dem gebotenen Respekt. Ähnlich verhält es sich mit diesem Titel. Um sein volles Bouquet entfalten zu können, braucht es Zeit. Vorhänge vorziehen, eine Flasche Wein entkorken, auf einer gemütlichen Couch Platz nehmen und sich für die nächsten Stunden – oder besser Monate – nichts vornehmen. So sollten die Vorbereitungen für das Erlebnis „The Elder Scrolls V: Skyrim“ aussehen.
Gerade zu Beginn kann es durchaus sein, dass dreißig Minuten nichts Weltbewegendes passiert und Sie einfach durch die Provinz Himmelsrand streifen, auf der Suche nach Abenteuer. Und genau in diesen Momenten stößt man auf die prägenden Stärken dieses Spiels. Zum einen die Weitläufigkeit, zum anderen die malerische Aufbereitung der Provinz Himmelsrand. Wolkenumhangene Berggipfel, reißende Flüsse, ruhige Ströme, beschauliche Dörfer, verwunschene Wälder und schneebedeckte Ebenen machen die stellenweise langen Wege zu einem Augenschmaus der besonderen Art. Die kleineren grafischen Fehler, die in den Konsolenversionen noch zu finden waren, wurden mittlerweile größtenteils behoben und so bietet sich ein bildgewaltiger grafischer Genuss, wie man ihn in dieser Form nur selten präsentiert bekommt.
Jedoch ist Rotwein eben nicht jedermanns Sache, um bei der Metapher zu bleiben. Obwohl Liebhabern edler Tropfen hier ein wahrlich großartiger Jahrgang geboten wird, wird so manch anderer enttäuscht sein vom hier kredenzten. Denn wer geballte Action, volle Questlogs und das Metzeln durch Gegnerhorden schätzt, wird bei „The Elder Scrolls V: Skyrim“ nur begrenzt auf seine Kosten kommen. Die Handlung verdichtet sich zwar mit Fortdauer des Spiels, doch gerade zu Beginn besteht das Gameplay zum Großteil aus Laufen, Staunen und Eintauchen in die Spielwelt.
Ihren Teil zum Gesamtkunstwerk trägt natürlich auch die akustische Gewandung des Spiels bei. Geschmetterte Chöre, angeheizte Streitgespräche, Gebrüll, Geschrei und epische Hintergrundmusik sorgen für einen mehr als gelungenen Ohrenschmaus. Obwohl die ein oder andere Synchronstimme etwas zu oft vorkommt und hier einige Sprecher mehr nicht verkehrt gewesen wären, liefert die deutsche Sprachausgabe insgesamt wenig Grund zur Klage.
Letzte Statements zum Spiel und eine Zusammenfassung finden Sie auf der nächsten Seite!
Die Abkehr von Altbekanntem wie der Haltbarkeit von Gegenständen, die Konzentration von acht auf drei Hauptattribute und die klare Bekenntnis zur komfortablen Regelentschlackung werden so manchem Traditionalisten sauer aufstoßen, jedoch verbleibt für den leidenschaftlichen Eskapisten hierbei kein fahler Beigeschmack, sondern die Erkenntnis der wahren Qualitäten des Spiels. Denn hinter kolportierten 300 Stunden Gameplay verbirgt sich ein raues Rollenspieljuwel, das seiner Erkundung harrt.
Nach ausgiebigen Streifzügen durch die PC-Version der Provinz Himmelsrand musste ich die Aussage, „The Elder Scrolls V: Skyrim“ sei nicht perfekt, nochmals ernsthaft überdenken. Denn mit einer derart grandiosen grafischen Darbietung stört selbst die anfänglich von mir kritisierte Langatmigkeit nicht mehr und ich zog mit enormer Freude stundenlang durch die herrlichen Landschaften. Selbst die Steuerung mit Maus und Tastatur geht ebenso geschmeidig von der Hand wie mit dem Analog-Controller, der natürlich auch am PC voll unterstützt wird.
Die Konsequenz: „The Elder Scrolls V: Skyrim“ lässt in der PC-Version das Herz eines jeden Rollenspielers noch höher schlagen und die ohnehin schon spärlichen Kritikpunkte verschwinden zur Gänze. Ein unglaublicher Immersionsgrad, zahlreiche Augenöffner, die zu einem kurzen – oder längerem – Verweilen und Genießen einladen, sowie eine märchenhafte Geschichte um einen auserwählten Drachentöter sorgen diesen Winter für Rollenspielgenuss der Extraklasse.
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