“Persona 2: Innocent Sin” ist in Japan ein Fixstern am Rollenspiel-Himmel und entstammt der „Shin Megami Tensei“-Familie, einer genialen Spielserie aus den Schmieden von Atlus und Ghostlight. Dabei ist das Spiel ein Remake des bereits 1999 in Japan für die PSOne erschienen Titels, und ein Sequel zu „Persona 2: Eternal Punishment“. Ob das Spiel, wie bereits andere „Shin Megami Tensei“-Titel zuvor, die meisten westlichen RPGs in den Schatten stellt lesen Sie im folgenden Review.
Fama crescit eundo.
Das pflegte bereits Vergil zu sagen und bedeutet: „Das Gerücht wächst indem es sich verbreitet.“ Genau diese Gerüchte spielen auch in „P2: Innocent Sin“ eine tragende Rolle. Zuvor jedoch noch ein wenig allgemeines über die populäre „Shin Megami Tensei“-Reihe.
Diese Serie ist in Japan unglaublich beliebt, im Westen aber eher unbekannt, allenfalls ein Geheimtipp für RPG-Fans. Ich selbst kenne sieben Spiele dieser Serie, eines besser als das andere. Die zwei großen Stränge des Gemeinschaftsprojekts zwischen Atlus und Ghostlight sind einerseits die „Persona“-Reihe und andererseits die „Digital Devil Saga“-Reihe. Doch auch Einzelreleases wie „Shin Megami Tensei: Lucifer’s Call“ waren nicht weniger gut gelungen.
Jedes dieser Spiele hat einen unvergleichlichen eigenen Charme und ein unvergessliches Gameplay, nicht zu vergleichen mit modernen RPGs (zum Glück). Außerdem haben die Spiele einen unglaublichen Umfang und eine Wahnsinns-Story.
Worum es in „Persona 2: Innocent Sin“ geht, erfahren Sie auf der nächsten Seite.
„P2: Innocent Sin“ erzählt von der Stadt Sumaru City, einer frei erfundenen Großstadt im modernen Japan. Alles dreht sich dabei um den Hauptprotagonisten Tatsuya Suou, einem sehr beliebten, jedoch etwas gefühlskalten Schüler der Seven Sisters High School. War es früher ein Privileg auf diese hoch angesehene Schule zu gehen, scheint nun das Gegenteil der Fall zu sein. Es verbreitet sich das Gerücht, das Schulemblem sei verflucht und das Gesicht eines jeden Trägers werde schrecklich entstellt. Plötzlich kommen vereinzelt Schüler in die Schule, ihr Gesicht einbandagiert und das Gerücht scheint wahr geworden zu sein. Angst macht sich in der Schule breit, als immer mehr Schüler Opfer dieses Fluchs werden und es stellt sich heraus, dass auch andere Gerüchte plötzlich wahr werden.
Außerdem macht plötzlich die Geschichte die Runde, dass, wenn man seine eigene Telefonnummer wählt, der Joker auftaucht und einem einen Wunsch erfüllt. Wer keinen nennen will oder hat, wird in eine leere Hülle verwandelt, jegliche Erinnerung an die Person ausgellöscht. Durch eine Verkettung unglücklicher Ereignisse treffen auch Tatsuya, seine Schulkollegin Lisa und der narzisstische Eikichi gemeinsam mit anderen auf den Joker. Bevor dieser sie töten kann, entfesseln die drei eine unglaubliche innere Macht und erwecken ihre Personas. Mit ihrer Hilfe wollen sie das Rätsel rund um die Gerüchte und den Joker lösen und ein einzigartiger Kampf um Sumaru City entbrennt. Dabei erinnern die Dialoge oft an Animes und sind sehr unterhaltsam und humorvoll gestaltet.
Einziges Manko in Sachen Story ist der Vergleich zu den folgenden „Persona“-Teilen. Zwar ist die Story des Spiels wirklich genial, jedoch ist Sie in den Nachfolgern „Persona 3“ und „Persona 4“ viel besser inszeniert. Was jedoch gleich geblieben ist, sind die tollen Charaktere. Sie sind lustig, haben Persönlichkeit und jeder eine interessante Vergangenheit, außerdem sind Sie genial designt.
Wie spielt sich's nun in Sumaru City? Das berichten wir auf der folgenden Seite.
Die „Persona“-Reihe stand schon immer für große Freiheit und Vielfalt beim Gameplay und dieser Teil ist keine Ausnahme.
Der Kern des Gameplays sind rundenbasierende Zufallskämpfe, die zugegeben häufiger vorkommen als der Durchschnitt bei RPGs. Dies hat jedoch den Grund, dass Sie nicht alle Gegner auch bekämpfen müssen. Sie müssen auch mit so manchen verhandeln. Zwar steigen Sie dabei kein Level, jedoch erhalten Sie Infos und können Gerüchte verbreiten und Tarot-Karten sammeln. Die essenziell für das Erschaffen neuer Personas sind, dazu gleich mehr.
Die Kämpfe laufen so ab, dass Sie entweder alle Charaktere (bis zu fünf gleichzeitig!) selbst steuern, oder den Auto-Modus aktivieren, so dass die Charaktere ihre vorige Aktion wiederholen, bis Sie sie wieder unterbrechen. Dabei können Sie entweder selbst angreifen, oder Ihre Persona beschwören, die Zaubersprüche und andere Angriffe im Repertoire hat. Die Attacken lassen sich auch unter den Charakteren fusionieren, um noch mehr Schaden anzurichten. Selbstverständlich können Sie auch Items verwenden und im Ernstfall aus dem Kampf fliehen. Haben Sie die Gegner besiegt, erhalten Sie Items und Erfahrungspunkte, die Ihnen beim Levelaufstieg helfen. Dabei können Sie zumindest auf Tatsuya selbst Fertigkeitspunkte verteilen.
Wie bereits erwähnt müssen und sollten Sie nicht alle Gegner töten. Ein ausgeglichenes Verhältnis aus Verhandlungen und Kämpfen sollte Ihr Ziel sein. Wenn Sie erfolgreich mit Dämonen verhandeln, können Sie wertvolle Tarot-Karten sammeln, die Sie benötigen, um bei Igor im Velvet Room neue Personas zu beschwören und ihrem Kader hinzuzufügen. Das Verhandeln jedoch verlangt nach einigem Geschick, da Sie die Dämonen auch verärgern oder einschüchtern können, so dass kein Pakt zu Stande kommt und sie entweder fliehen oder Sie angreifen. Schaffen Sie es jedoch sie glücklich oder interessiert zu machen, erhalten Sie Gegenstände, Karten oder können Infos und Gerüchte erhalten.
Genug gekämpft – was das Spiel noch bietet und wie das aussieht, auf der nächsten Seite.
Wenngleich die Kampbeschreibung vielleicht sehr umfangreich wirkt, sind sie trotzdem nur ein Teil des Spiels. Genauso wichtig sind das Erkunden sowie das Verbreiten von Gerüchten. Dafür können Sie sich frei in der Stadt bewegen und verschiedene Orte besuchen. Die Stadt ist in verschiedene Bezirke unterteilt, die nach und nach zugänglich sind. In jedem Bezirk gibt es eine Mall, in der Sie neue Waffen, Gegenstände und Rüstungen kaufen können, und einen Velvet Room zum vervielfältigen Ihrer Personas. So gilt es im gesamten Spiel in einem Netz aus Intrigen die Oberhand zu behalten und es zu bewerkstelligen, dass die Gerüchte, die Sie verbreiten, Ihnen zu Gute kommen.
Das Gameplay ist sehr abwechslungsreich gestaltet und außergewöhnlich, wie es Fans der Serie gewohnt sind. Neulinge werden es sehr interessant finden eine neue Art des Gameplays zu erleben.
Grafisch leicht verstaubt
Auch wenn das Spiel mit tollen Zwischensequenzen aufwartet und generell grafisch überarbeitet wurde, so hat die Grafik doch einiges an Luft nach oben, selbst für PSP-Verhältnisse. Die Kamera schwebt starr immer am selben Punkt, kann jedoch um 360 Grad geschwenkt werden. Die Charaktere sind sehr klein am Bildschirm und minimalst animiert. Dieses grafische Charakterdarstellung und Animation würde ich jedoch nicht als Minuspunkt abhaken, da es einen nostalgischen RPG-Charme hat und das Spiel ein Remake aus den 90ern ist.
Als störend empfand ich jedoch die Kampf-Hintergründe, welche ein schrecklich aussehender Matsch aus Texturen sind. Das Charakterdesign ist typisch „Shin Megami Tensei“-Teilen und hervorragend. Jeder Charakter ist individuell und optisch perfekt auf seine Persönlichkeit abgestimmt. Eine dieser Figuren hat mehr Persönlichkeit als alle Charaktere aus „Final Fantasy XIII“ zusammen. Auch die Personas und die Dämonen sind sehr gut designt und selbst die Charaktere, die keine Hauptrolle spielen, bleiben im Gedächtnis.
Der Soundtrack ist zwar gut gelungen und passt ideal zum Spiel, ist alles in allem jedoch etwas dürftig. Die teilweise Synchronisation der Dialoge ist außerordentlich gut und emotionsgeladen eingesprochen. Die Soundeffekte erinnern stark an RPGs der 90er und gehen durchaus in Ordnung.
Als nächstes steuern wir auf die packende Atmosphäre zu.
Bei einem rundenbasierenden Kampfsystem und meist in zu lesenden Dialogen abgehaltenen Konversationen gibt es nicht wirklich viel über die Steuerung zu sagen.
Die Kamera ist frei schwenkbar, sodass Sie nichts übersehen und es liegt an Ihnen, Ihren Charakter zu bewegen, Sachen anzuklicken oder mit Personen zu sprechen. In den Kämpfen müssen Sie einzelne Befehle auswählen oder können mit einem Knopf auf Auto-Modus schalten, so dass die Akteure von selbst agieren.
Sie können überall das Menü aufrufen, Ihren Status begutachten, Sachen ausrüsten und immer und überall speichern.
Sumaru City in den Fängen von dunklen Intrigen
Das Spiel entfaltet erst nach und nach seine großartige Story und Sie müssen anfangs etwas geduldig sein. Zwar ist das Spiel nicht so atmosphärisch wie „Persona 3“ und „Persona 4“, diese Spiele als Maßstab für einen Vorgänger zu nehmen wäre aber auch nicht sonderlich fair.
Auf jeden Fall hat die Atmosphäre, auch wenn Sie erst nach und nach aufkommt, trotzdem das Potenzial Sie vollends zu absorbieren und nicht mehr loszulassen. Die Grafik ist zwar nicht auf dem neuesten Stand und der Soundtrack nicht herausragend, dennoch hat das Spiel einen klassischen Charme und einige typische „Persona“-Elemente, die Sie süchtig machen werden. Einen großen Beitrag dazu leistet der serientypische freie Handlungsspielraum und die Einzigartigkeit des Gerüchte-Elements im Spiel. Dazu kommt der Drang, möglichst viele Personas zu fusionieren, wobei dies in den folgenden Teilen auch besser gelöst wurde.
Auf alle Fälle ist „P2: Innocent Sin“ ein Spiel, welches Sie an den (Mini-)Bildschirm fesseln wird.
Vergleicht man „Persona 2: Innocent Sin“ mit dessen Nachfolgern „Persona 3“ und „Persona 4“, erkennt man zwar schon die tollen „Persona“-Ansätze im einzigartigen Gameplay und der tollen Inszenierung, trotzdem zieht es im direkten Vergleich klar den kürzeren. Dies ist jedoch nicht weiter schlimm, da es ja als Vorläufer im Original bereits 1999 veröffentlicht wurde. Obwohl die Grafik des Spiels auch noch anno 1999 ist, trägt dies zum Charme des Spieles bei und ist nur bedingt störend. Wer von „Final Fantasy XIII“ als Rollenspiel enttäuscht war, sollte einen Blick auf die „Persona“-Reihe wagen. Bei „P2: Innocent Sin“ bleibt Atlus den Rollenspielelementen wie rundenbasierenden Kämpfen, einer tollen und mitreißenden Story, einer frei begehbaren Welt und einer tollen Atmosphäre treu und zaubert RPG-Fans ein befriedigtes Lächeln auf die Lippen.
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