Der Kult-Anime Dragonball Z aus den 90ern ist hierzulande einer der populärsten aller Zeiten. Nach bereits unzähligen Games möchte man meinen, dass man dieses Franchise in Sachen Beat’em Ups bereits ausgelutscht hat. Warum es sich dennoch lohnt, nicht nur als Fan der Serie bei der neusten Veröffentlichung „Dragonball Z: Ultimate Tenkaichi“ zuzugreifen, lesen Sie im folgenden Review.
Von A bis Z
Wie jetzt? Story bei einem Beat’em Up? Die kann ja nur seicht sein und in die Hose gehen! Glaubte ich zumindest. Ich wurde jedoch eines besseren belehrt. Die Geschichte der Dragonball Z-Saga wird hier nicht nur skizziert wie beispielsweise bei „Bleach: Soul Resurrección“, sondern ist der Kern des Spiels.
Zu Beginn kämpfen Sie noch als Bardock, Son Gokus echter Vater, und müssen mitansehen, wie ihr geliebter Heimatplanet zerstört wird, während Ihr Sohn, mittels Raumkapsel Richtung Erde ab düst. Dort wird er von Son Gohan entdeckt und aufgezogen. Zwar wird nicht erzählt, was in den Jahren der Dragonball-Saga geschieht, das ist jedoch auch nicht nötig, da das Spiel sich ja, wie der Titel verrät, um die Dragonball Z- Saga dreht. Sie können mit „Dragonball Z: Ultimate Tenkaichi“ die gesamte Saga von Anfang bis zum Ende durchleben.
Dabei wurde nicht nur Wert auf die wichtigen Hauptkämpfe gelegt, sondern man hat auch die Chance kleinere Kämpfe wie zum Beispiel Son Gohan, Krillin und Vegeta gegen Rikuum auf Namek spielen. Es fällt wirklich kein Aspekt der Originalserie unter den Tisch. Zwischen den Kämpfen gibt es originale Szenen aus dem Anime, Dialoge und für die Teile der Geschichte, die selbst dort noch nicht vorkommen, auch noch durchs Bild laufende Texte, die selbst kleinste Details noch erläutern. Zwar hätte man das Durchlauftempo dieser Texte erheblich beschleunigen können, aber das stört nur am Rande.
Die richtige Geschichte des Spiels fängt da an, wo auch die Serie startet: Mit der Ankunft des Saiyajin Radditz, der nur getötet werden kann, indem sich auch Son Goku opfert. Vor Radditz überraschendem Tod warnt dieser noch vor seiner Rache, die in einem Jahr durch zwei seiner Artgenossen über die Erde kommen werde, viel mächtiger noch als er es je sein könnte. So beschließt Son Goku im Jenseits bei Meister Kajo ein Spezialtraining bei zehnfacher Erdschwerkraft abzuhalten, während Piccolo Son Gokus Sohn (Son Gohan) entführt, um in einem speziellem Training seine schlummernden Kräfte zu entfesseln.
Ein Jahr ist schnell vergangen und Vegeta und Nappa, zwei bösartige Saiyajins treffen auf der Erde ein mit der Absicht, sie dem Erdboden gleich zu machen. Mutig stellen sich Die Z-Kämpfer, darunter Piccolo, Kirillin und Son Gohan den beiden Eindringlingen, jedoch sind sie zu schwach. Wird es Son Goku gelingen, rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein, um seine geliebten Freunde zu retten und die Erde vor ihrer Vernichtung zu bewahren?
Es ist selten heutzutage ein Beat’em Up zu finden, wo es nicht bereits reichen würde unentwegt einen Knopf zu drücken, um zu gewinnen. Dies ist bei „Dragonball Z: Ultimate Tenkaichi“ glücklicherweise nicht der Fall.
In einem tollen und sehr ausführlichen Tutorial (bis auf die Erklärung zum Kombobrecher), werden Sie langsam und genau an die umfangreiche Steuerung herangeführt und dabei feststellen, dass diese ganz einfach ist. Die Kämpfe laufen in zwei verschiedenen Ebenen ab: Nahkampf- und Explosions-Reichweite.
In der Nahkampf-Reichweite erinnert das Spiel an ein typisches Beat’em Up. Die Kamera befindet sich seitlich neben den kämpfenden Charakteren, wobei Sie sich trotzdem in alle Richtungen bewegen können. Das Gute am Gameplay ist, das dies nicht lange so bleibt. Sobald Sie eine Schlagkombo loslassen und den Gegner damit treffen, haben Sie eine 50:50-Chance, durch Drücken eines von zwei Knöpfen den Gegner so richtig zu peinigen und die Kombo zu verlängern.
In der Explosions-Reichweite sieht die Sache ganz anders aus. Hier gilt es den Gegner mit Distanzangriffen wie Ki-Schüssen und dergleichen zu treffen und gegebenenfalls gegnerischen Schüssen auszuweichen. Dazu fixiert sich die Kamera hinter ihrem Charakter und Sie können sich wieder frei in alle Richtungen bewegen, wobei hier erwähnt werden muss, dass Sie nur auf eine sehr geringe Höhe steigen können. Landen Sie eine Kombo aus der Distanz los, wird diese automatisch mit einer Nahkampf-Kombo erweitert und richtet mehr Schaden an.
Während des Kampfes können Sie eigentlich immer zwischen den beiden Kampfmodi wechseln, eigentlich deshalb, weil der Knopf häufig etwas länger braucht, bis er tatsächlich funktioniert.
Darüber hinaus ist es möglich, bekannte Spezialangriffe wie das Kamehame Ha oder die Genkidama zu entfesseln, wenn Sie Ihre Geist-Anzeige mit genügend Treffern aufgefüllt haben. Wenn die Gegner ihrerseits Spezialangriffe auf Sie loslassen, können Sie diese abwehren, ihnen ausweichen oder selbst eine Attacke starten. Zwei der Möglichkeiten enden in einem Mini-Spiel, das Ihr Durchhaltevermögen im Knöpfe-Dauerdrücken testet oder Ihre Reaktion.
Zwischen den Kämpfen können Sie sich frei auf der Landkarte bewegen und zum Beispiel Dragonballs sammeln oder an einem Kampfturnier teilnehmen. Häufig kommt es auch zu Verfolgungsjagden, bei denen es gilt, schnell auszuweichen oder schnell eine Knopfkombination zu drücken, um nicht abgefangen zu werden – wobei Sie teils auch in die Rolle des Jagenden schlüpfen. Endgegener-Kämpfe sind häufig auch mit Reaktions- und Kombinationstests gespickt.
Trotz dieser Abwechslung ist das Spiel dennoch ein Beat’em Up und wird nach ungefähr einer Stunde fade. Dies soll nicht bedeuten, dass das Spiel langweilig ist, sondern nur dass Sie sicherlich regelmäßige Pausen brauchen, trotz der offensichtlichen Abwechslung.
Erwähnenswert ist zu guter Letzt auch der Helden-Modus, wo Sie sich ihren eigenen Dragonball Z-Charakter zusammenstellen und in einem Parallel-Universum auf Dragonball-Jagd gehen können, um sich einen Wunsch zu erfüllen. In diesem Modus bestreiten Sie zwar dieselben Kämpfe, müssen jedoch auch Trainer finden, die Sie mittels Powerups stärker machen. Somit können Sie Ihr ganz persönliches Dragonball-Abenteuer durchleben und immer stärker werden.
„Dragonball Z: Ultimate Tenkaichi“ ist bis dato der optisch überzeugendste Dragonball-Teil der Videospielgeschichte. Die Cel-Shading-Grafik ist sehr gut umgesetzt. Die Charaktere sind wirklich gestochen scharf und herausragend animiert. Die Zwischensequenzen sind in Original-Anime-Stil und fügen sich in perfekter Harmonie ins restliche Spiel ein. Obwohl der zerstörbare Hintergrund ein Highlight ist, besonders wenn Sie mittels Spezialangriffen Schweizer Käse aus der Landschaft machen, ist es umso frustrierender, dass die Krater einfach wieder verschwinden. Die grafischen Effekte machen dieses Manko jedoch beinahe wieder wett. Hier und da hat sich auch der Fehlerteufel eingeschlichen und es fehlt in einer Sequenz einmal ein Teil der Rüstung, doch prompt ist er plötzlich wieder da, oder ein Charakter hat schon fertig gesprochen und der Mund bewegt sich noch weiter.
Das Spiel wartet mit dem japanischen Original-Song der Dragonball Z-Reihe auf und auch die üblichen Soundtrack-Titel sind durchaus gut gelungen. Die Synchronisation ist teils schlecht abgestimmt, aber wenigstens nicht gefühllos eingesprochen. Die Soundeffekte sind ebenso wie die optischen Effekte sehr gut gelungen und runden das audiovisuelle Erlebnis gekonnt ab.
Kamehame Ha mit nur einem Knopfdruck!
Die Steuerung des Spiels ist auf jeden Fall toll geworden, hat aber auch ihre Schattenseite, und das nicht zu kurz. Im Nahkampf-Modus können Sie schnelle Angriffe mit X ausführen und harte Schläge mit Y austeilen. Das führt zu einem Zusammenstoß, bei dem Sie eine 50:50-Chance haben, diesen durch das Drücken des richtigen Knopfes zu gewinnen. Hier stoßen wir auch schon auf das erste Problem: Auch, wenn sie hundert Mal einen Knopf wählen kann es sein, dass der andere genommen wird – warum, weiß keiner! Das ist auf jeden Fall nervig, aber man kann darüber hinweg sehen.
Sind Sie dennoch (oder deswegen) erfolgreich, können Sie jedenfalls zwischen zwei Arten von Kombos auswählen, die ungefähr den selben Schaden anrichten. Hier begegnen wir diesem Problem erneut. Sie haben während der Kombos immer wieder die Möglichkeit, mittels einer Richtungstaste und dem jeweiligen Schlagknopf verschiedene Attacken loszulassen, wobei auch hier wiederum der Zufall zu regieren scheint.
Im Allgemeinen läuft der Nahkampf aber wirklich spannend ab und macht richtig Spaß, auch wenn diese Probleme das Spiel an besagten Stellen etwas unreif erscheinen lassen. In der Explosions-Reichweite ist das einzige Manko, dass es kaum möglich ist, schnellen Schußattacken der Gegner auszuweichen, da bleibt nur mehr die Möglichkeit sie zu blocken. Dies kann recht nervig werden, wenn der Gegner nicht aufhört schnelle Schußkombos anzuwenden.
Spezialattacken wie das Kamehame Ha oder Gokus Genkidama können per Knopfdruck bei genügend Geist-Anzeige abgefeuert werden und benötigen keine unnötig schweren Tastenkombinationen wie bei den meisten anderen Beat’em Ups! Damit schlägt das Spiel eine tolle Richtung ein, die nur weiterzuempfehlen ist. Die Abwehr von Spezialattacken ist ebenfalls möglich, richtet aber Schaden an. Sie haben jedoch auch noch die Möglichkeit den Angriffen mit einem eigenen Angriff die Stirn zu bieten, was in einem Tastendrück-Wettbewerb endet und wirklich Spaß macht, da es an die Anime-Serie erinnert. Sie finden sich dann in einer Son-Gohan-gegen-Cell-artigen-Endkampf-Situation, in der es gilt, mehr Energie in den Angriff zu leiten als das Gegenüber. Die dritte Variante wäre das Ausweichen, das mit einem dreifachen Reaktionstest verbunden ist, der es unnötig risikoreich und schwer macht.
Sie können ein Turnier mit bis zu 16 Charakteren veranstalten, was zwar etwas Zeit beansprucht, sich aber auf jeden Fall auch auszahlt. Dragonball Z-Fans ist der Zeitaufwand sicher egal, wenn Sie die Möglichkeit haben, sich mit ihren Lieblingscharakteren untereinander zu messen. Online können bis zu acht Spieler teilnehmen und um den Sieg des Turniers kämpfen, dies auch ohne andauernde Unterbrechungen wie in der Anime-Serie.
291 Episoden komprimiert auf einer Disc
Sowohl richtige Fans der Serie als auch Neulinge werden auf Anhieb in die, am Maßstab eines Beat’em Ups gemessen toll erzählte, Story eintauchen und sich ins Dragonball Z-Universum hineingezogen fühlen. Durch die vielen Dialoge und Original-Anime-Sequenzen geht kaum etwas verloren und das tut der Atmosphäre gut. Wie bereits bei „Bleach: Soul Resurrección“ muss ich dennoch auf den Anime verweisen, um zu sehen, wie toll die Atmosphäre im Dragonball-Universum sein kann.
Die Hintergründe sind nah am Original, die Charaktere sowieso und die Synchronstimmen sind mit Gefühl gesprochen. Dazu kommt der passende Soundtrack mit dem Original Titel Song und tolle Cel-Shading-Grafik. Somit ist das Spiel ein Muss für alle Fans der Z-Serie und eine tolle Möglichkeit, alle 291 Folgen beinahe ohne Lücken in kurzer Zeit Revue passieren zu lassen und hautnah mitdabei zu sein!
Mit „Dragonball Z: Ultimate Tenkaichi“ kommt meiner Meinung das beste Dragonball-Beat’em Up auf den Markt. Optisch ist das Spiel hervorragend gelungen, das Gameplay ist für ein Beat’Em Up überraschend vielseitig. Alle Charaktere sind spielbar, der Multiplayer ist ebenfalls durchaus sehenswert und motivierend. Die Steuerung hat zwar ihre Macken, geht aber in Ordnung, sodass das Spiel lange Zeit Spaß macht. Die häufigen Ladezeiten sind auf jeden Fall auch noch ein Minuspunkt, da kann auch das Minispiel während diesen nicht darüber hinwegtäuschen. Das Beste: Das Spiel erzählt beinahe lückenlos die gesamte Dragonball Z-Geschichte, zeigt Original-Anime-Szenen und lässt Sie an fast allen Kämpfen teilhaben, und das sehr, sehr nah am Originalgeschehen.
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