Häschen sind klein, niedlich, flausching und all das, oder? Oder!, zumindest, wenn es um die Rabbids geht. Die greifen in „Rabbids Alive & Kicking“ wieder an, nach der Weltherrschaft, und überhaupt. Mithilfe des Bewegungssensors Kinect gilt es diesmal, sie in die Flucht zu schlagen. Spaßiger Kampf oder hopsender Krampf? Das erfahren Sie in unsrem Review.
Wer ist dieser Rayman?
Alles begann mit einem Kerl namens Rayman, der … wen juckt's? Die durchgeknallten Rabbids sind zwar als seine Gegner in „Rayman Raving Rabbids“ erstmals auf der Bildfläche und damit den TV-Bildschirmen aufgetaucht, haben sich aber 2009 von dem extremitätenlosen Kerl emanzipiert und sorgen seither auch ohne ihn ganz gut für Chaos und Laune. Ach ja, und sie wollen die Weltherrschaft an sich reißen. Da, sehen Sie selbst:
Wie der Titel „Rabbids Alive & Kicking“ schon andeutet, sind die Rabbids sehr lebendig. Das mit dem Treten aber bezieht sich auch auf Sie: Im neuesten Serienableger dürfen Sie nämlich per Kinect-Steuerung den durchgeknallten Hasen wortwörtlich in den Allerwertesten treten, ihnen so richtig eine verpassen und generell der Rabbid-Bedrohung mit vollem Körpereinsatz entgegen treten. Sie wissen ja, da kommt eine Invasion:
Wer jetzt einen Story-Modus wittert, in dem es gilt, einen auf Elmer Fudd zu machen und Hasen zu jagen, liegt – komplett daneben. Sie können aber in einem Modus einfach mit ihrem persönlichen Rabbid anstellen, wonach Ihnen so der Sinn steht. Einen Football-Helm aufsetzen und ihn dann so richtig schön wegkicken zum Beispiel. Viele Gegenstände wie die süße Herzchenbrille oder den weitgehend sinnlos in der Gegend liegenden Besen müssen sie freilich erst mit Klopapierdollar kaufen. Die gibt’s als Belohnung im eigentlichen Spiel.
Dort entpuppt sich „Rabbids Alive & Kicking“ wieder einmal als Minispielesammlung, die freilich eine breiten gefächerten Mischung aus Aktivitäten. Das recht offensichtlichen Rabbids ein paar hinter die Löffel geben ist dabei nur die Spitze des Eisbergs, mal gilt es, ihnen die Taucherbrillen vollzuspritzen, mal, in geschrumpfter Form den Verdauungstrakt eines Rabbids in widernatürlicher Richtung zu durchrutschen. Manche Minispiele – zum Beispiel hinter dem Duschvorhang Shilouetten machen, um Rabbids zu vertreiben – sind dabei schon eher etwas für Kontorsionisten.
Auch Puzzlefans kommen nicht zu kurz, immerhin gibt es auch vage „Lemmings“-ähnliche Level, in denen Sie Rabbids unter Einsammeln von Bonusmarkern sicher ans Ziel geleiten müssen. Sicher? Naja, nur, bis der Container voll Rabbids am Ende des Minispiels in den Schnetzler gekippt wird … Ebenfalls vertreten sind, man glaubt es kaum, Denkspiele. In einem anderen Minispiel wiederum gilt es, eine Box voll Hasen-Biestern in Stücke zu schneiden. Da stehen Sie allein allerdings dumm da ...
So lautet bei „Rabbids Alive & Kicking“ ganz eindeutig die Devise, denn ein Teil der Minispiele hat noch nicht mal einen Singleplayer-Modus. Manche erfordern genau zwei Spieler, die kooperativ an die Sache herangehen – das Box-Zersägen beispielsweise. Einige andere Mini-Games wiederum bieten die Möglichkeit, sich ein Duell zu liefern oder sind so flexibel gehalten, dass auch drei oder vier Spieler aktiv teilnehmen können. Welche Spielerzahlen welches Minispiel unterstützt, zeigt ihnen erfreulicher Weise schon die Auswahl an.
Mehr leider nicht. Ob ein Zwei-Spieler-Modus kooperativ oder Duell ist, müssen Sie schon nachsehen – vielleicht gibt es ja sogar beide Optionen. Bei drei bis vier Spieler haben Sie es leichter, da steht wenigstens fest, dass ein Koop-Modus auf Sie warten. Dennoch würde ich mir etwas aussagekräftigere Beschreibungen wünschen, um in jeder Situation möglichst schnell ein passendes Minispiel zu finden. Und damit meine ich nicht: Lass das Game zufällig wählen – da riskiere ich, aus der großen Auswahl ausgerechnet etwas vorgesetzt zu bekommen, das mir nicht gefällt.
Sie haben mehr als vier Rabbids-Fans versammelt? Auch kein Problem, dafür gibt es das Party-Spiel für bis zu 16 Personen. Hier rotiert, wer gerade mit wem vor den Sensor soll, um an – teils vom Spielgefühl her wieder völlig neuen – Aktivitäten teilzunehmen. Im Prinzip können Sie auch schon zu dritt eine Party starten. Sinnvoller sind schon freilich fünf oder mehr, damit keiner zu oft ran muss. Außerdem reichen bei höchstens vier Spielern ja die normalen Minispiele aus – und drei sind vielleicht einer zu viel, aber eigentlich zu wenig für eine echte Party.
In Teilen is „Rabbids Alive & Kicking“ ein Augmented Reality-Spiel. Das bedeutet, dass der oder die Spieler sich und ihre Umgebung bei manchen Minispielen auf dem Bildschirm sehen und wie sie auf virtuellen Rabbids herumtramplen. Okay, die Kinect-Kamera bildet vielleicht nicht die lebendigsten Farben ab, irgendwie cool ist es trotzdem, mal so richtig mittendrin im Spiel zu sein.
Weniger gefällt da, dass die Texturen der virtuellen Welt teils in manchen Minispielen recht detailarm sind – und nicht nur auf den Rabbids. Für die ein einfacher Comicstil, das lass ich mir noch einreden, aber ähnliches bei Gebäuden, Autos und mehr? Nach dem Intro bin ich von einem Teil der virtuellen Ingame-Umgebungen doch enttäuscht – umso mehr, wenn ich dann noch sehe, dass einige andere ja doch richtig gut wirken.
Der Sound ist ebenfalls so eine Sache, ein wenig Gedudel in Menüs, aber in den Minispielen gibt es nur Effekte. Das wäre an sich noch nicht so schlimm, da sie durchaus passen. Nur irgendwie fallen sie oft etwas zart aus, was gerade beim Kult-„Bwaaaah!“ etwas unbefriedigen ist.
Dank Kinect geht es bei den Rabbids mit mehr Körpereinsatz denn je zur Sache – dass ein Teil der Minigames an Kontorsionskunst erinnert, hab ich ja schon erwähnt. Positiv fällt auf, dass die Kinect-Verfolgung sichtlich genauer ausfällt, als das bei manch anderem Kinect-Titel der Fall war, am ehesten hakt es eigentlich bei der Menüführung. Dafür war in den Minispielen meist sehr gut nachvollziehbar, warum das Spiel z.B. ein Ziel als nicht getroffen wertet.
Wechselbad der Gefühle
Was die Atmosphäre betrifft, gleicht der Titel ein wenig einer Hochschaubahn mit seinen Höhen und Tiefen. Das fängt schon damit an, dass die Minispiel-Auswahl Frustpotenzial birgt. Scrollt man zu einem lustig klingenden Minispiel-Titel, stellt man womöglich fest: nicht für diese Spielerzahl. Das Mini-Game selbst würde genau Ihnen dabei womöglich richtig Spaß machen! Lassen Sie sich dagegen einfach ein zufälliges Minispiel passend zur Spielerzahl vorschlagen, kommt vielleicht eines, das Ihrer Runde nicht zusagt … Sortiermöglichkeiten für die Minispiel-Liste wären da ein echter Bringer.
Am meisten Laune machen aus meiner Sicht jedenfalls die AR-Minispiele, da man hier einfach mittendrin ist. Das kompensiert, dass es „Rabbids Alive & Kicking“ etwas an Soundkulisse mangelt. Desto mehr man nur der Spieler draußen vor dem Fernseher ist, desto stärker fällt nämlich auf, dass das kultige Rabbid-„Bwaaaah!“ ruhig satter ausfallen könnte und ein paar Effekte nicht reichen, um akustisch so richtig zu fesseln. Ähnliches gilt bei manchen Minispielen für die etwas detailarme Grafik. Dabei gibt es andere, die richtig gut aussehen – warum nicht durchgehen auf diesem Level? Hier wird das Potenzial zum echten Kracher verschenkt.
Ein Kinect-Partyspiel, dessen Stärke die relativ gute Bewegungserkennung ist – ich hätte das auch nicht für möglich gehalten, „Rabbids Alive & Kicking“ präsentiert sich aber so. Denn das grafische Niveau ist wechselhaft, der Sound schwächelt leicht. Dafür wundern Sie sich nur über ihre eigene Ungelenkigkeit, wenn sie einem Rabbid so richtig mit Schmackes eine verpassen wollen und kein Scheunentor treffen. Wenn Sie nicht auf Tanzen und somit „Dance Central 2“ stehen, ist dieser Titel jedenfalls das wohl beste Partyspiel für Kinect – es gibt nämlich für jeden das genau richtige Minispiel, sie müssen es nur finden.
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