Der 3DS ist wohl der Handheld der Remakes. Etwa ein halbes Jahr nach Release gibt es gefühlt deutlich mehr Neuversionen von alten Spielen, als tatsächlich neue Titel. Nintendo bewies aber bereits im Sommer mit „The Legend of Zelda: Ocarina of Time", dass sich ein Remake durchaus lohnen kann – doch wie sieht es mit „Star Fox 64 3D" aus?
„Wir brauchen eure Hilfe, Star Fox!“
Was wäre Science Fiction ohne einen verrückten Wissenschaftler? Im Lylat-System ist Andross eben dieser und versucht die Herrschaft an sich zu reißen. General Pepper und die Armee von Corneria können aber nur geringfügig Widerstand leisten. Höchste Zeit für das „Star Fox“-Team einzugreifen! In der Rolle des Teamleiters Fox McCloud reisen Sie zusammen mit Ihren Kampfgefährten Slippy Toad, Peppy Hare und Falco Lombardi quer durch das Lylat-System, um sich Andross' Schergen in den Weg zu stellen. Die Story ist bei diesem Action-Spiel allerdings nur Nebensache, ohne besondere Höhen, Tiefen oder gar Wendungen.
Zunächst müssen Sie sich für einen Schwierigkeitsgrad entscheiden. „Nintendo 3DS“ gilt hier als Synonym für leicht, während „Nintendo 64“ als schwer zählt. Nach einem Tutorial, das Sie an den Umgang mit dem Arwing, dem Kampfschiff der Crew, vertraut macht, geht es direkt ins Gefecht. Ihr Arwing bewegt sich in der Regel auf eine vorgegeben Route vorwärts. Ihr Ziel ist es, der Route zum Endgegner hin zu folgen, möglichst viele Feinde abzuschießen und manchmal auch zusätzliche Missionsziele zu erfüllen. In manchen Missionen oder Missionsabschnitten können Sie auch selbst die Flugrichtung bestimmen. Die Vernichtung der Gegner bleibt dabei jedoch das oberste Ziel.
Nach sieben Missionen müssen Sie Andross besiegen. Doch besteht das Shoot 'em Up tatsächlich nur aus acht Missionen? Nein. Insgesamt gibt es 16 Missionen, die in drei Routen (leicht, mittel und schwer) aufgeteilt sind. Je nachdem, wie Sie sich in den Missionen schlagen, folgen Sie der Route auf der Karte oder aber wechseln auf eine andere. Somit können Sie auf vielen verschiedenen Wegen nach Venom, der Basis von Andross, gelangen.
Für Abwechslung sorgen aber auch die anderen Vehikel im Spiel. In zwei Missionen können Sie den Landmaster, einen futuristischen Panzer, befehligen und in einer Mission die Blue Marine, ein U-Boot, das eine unbegrenzte Anzahl an Torpedos verschießen kann. Sehr schade ist es jedoch, dass es im Vergleich zum Original keine neuen Missionen gibt, wo man z.B. erneut das U-Boot einsetzen würde.
Für jedes Durchspielen erhalten Sie einen Highscore. Im Arcade Modus können Sie jedoch auch einen Highscore für einzelne Missionen sammeln. Haben Sie genügend Abschüsse erzielt, bekommen Sie entsprechende Medaillen. Dies ist aber nicht mit dem Medaillensystem z.B. in „Resident Evil: The Mercenaries 3D“ vergleichbar, da lediglich die Zahl der Abschüsse zählt und keine besonderen Manöver oder Sonstiges.
3DS vs. N64
Wie es sich für ein richtiges Remake gehört, wurde der Weltraumshooter grafisch deutlich aufgewertet. Doch sind nicht nur die Texturen nun schöner anzusehen, manche Level wirken teilweise gänzlich neu. Mir persönlich haben vor allem die Wassereffekte auf dem Planeten Zoness gefallen.
Doch wie macht sich der 3D-Effekt? Er wurde sehr gut eingebaut. Die Flugmissionen im Weltall sind hier ein besonderes Schmankerl – zum einen hat man ein extremes Tiefengefühl, zum anderen wirkt es manchmal tatsächlich so, als ob einem etwas entgegen fliegt.
Die Veränderungen im Sound sind dagegen etwas unterschwelliger. Manche Melodien kommen qualitativ der N64-Version recht nahe, andere wiederum wurden mit deutlich mehr Pepp versehen. Sowohl Kennern als auch Neulingen wird ein atmosphärischer Soundtrack geboten.
Ähnlich ist es mit der Synchronisation. „Star Fox 64 3D" bietet eine deutsche Sprachausgabe, die überwiegend stimmig ist. Die Sprecher wurden überraschend gut ausgesucht, wobei bei manchen Charakteren etwas andere Stimmen noch besser gewesen wären.
Wer eine andere Sprache hören möchte, muss gleich die gesamten Einstellungen im 3DS-System ändern. Etwas unverständlich ist es auch, dass die Fantasie-Muttersprache der Protagonisten, das Lylatanisch, in der 3DS-Version nicht vorkommt. Auch, wer sich nach den englischen Originalstimmen sehnt, wird enttäuscht. Manche Synchronsprecher sind zwar wieder dabei, manche Charaktere bekamen aber eine neue Stimme.
Die Steuerung ist relativ simpel belegt. Sie können Ihr Fahrzeug beschleunigen, bremsen, Laserschüsse oder Bomben abfeuern. Die Schultertasten werden für die Ausweichmanöver genutzt, das Schiebepad für die generelle Bewegung. Außerdem können Sie die Bewegungssteuerung des 3DS nutzen. Zusätzlich zum Schiebepad müssen Sie dann Ihren 3DS entsprechend lenken, um auf die Feind zu zielen. Wer die Motion Control nutzt, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass diese mit dem 3D-Effekt nicht unbedingt kompatibel ist. Mir hat es indes sehr zugesagt, dass der Spieler zumindest begrenzt die Bedienung anpassen kann.
Der Mehrspieler-Modus von „Star Fox 64 3D“ bietet die selbst erklärenden Varianten Überleben, Punkte-Schlacht und Zeit-Schlacht. Diese lassen sich begrenzt auch noch einstellen, z.B. welche der vier Karten und ob normale oder spezielle Items verwendet werden sollen. Ich empfehle den Einsatz von speziellen Items zumindest einmal auszuprobieren, da diese für einen gewissen „Mario Kart"-Charme sorgen.
Sie können gegen CPU-Gegner alleine antreten oder aber gegen drei weitere Menschen. Diese müssen sich jedoch in Ihrer Nähe befinden, da es keinen Online-Modus gibt. Es ist zwar gut, dass die „Download Play"-Funktion eingebaut wurde (von vier Spielern benötigt also lediglich eine Person das Modul), dennoch sehr fragwürdig von Nintendo, warum keine Online-Funktion eingebaut wurde.
Dafür nimmt beim Mehrspieler-Gefecht die Innenkamera des 3DS bei allen Teilnehmern Bilder auf, sodass man z.B. die Reaktion nach einem Abschuss direkt auf dem Bildschirm sieht. Da sich die Mitspieler in unmittelbarer Nähe befinden müssen, bleibt es aber eher ein Gimmick. Insgesamt wirkt der Mehrspieler-Modus somit doch eher schlicht.
Die Entwickler haben gut dafür gesorgt, dass die Musik stets zum Spielgeschehen passt. Manche Spielabschnitte wirken etwas düster, was sehr stimmig ist. Schade ist jedoch, dass aus der Story nicht wirklich viel heraus geholt wurde. Diese bleibt leider auf einem 08/15-Niveau, obwohl es durchaus Momente gibt, die Potenzial für etwas mehr Spannung gehabt hätten. Die kurzen Briefings mit General Pepper am Anfang einer jeden Mission sind zwar eine nette Idee, aufgrund der Schlichtheit aber eher überflüssig. „Star Fox 64 3D“ ist zwar ein Shoot' em' Up-Titel, weswegen der Fokus mehr auf dem Gameplay liegt, dennoch ist das schade.
Zusammenfassung
Wie bereits vor 14 Jahren bietet „Star Fox 64 3D" tolle, kurzweilige Action. Die Grafik ist schön, der 3D-Effekt wurde sehr gut eingebaut und der Arcade-Modus ist eine sinnvolle Neuerung. Action-Fans, die die N64-Version nicht kennen, können also zugreifen. Veteranen dagegen sollten sich den Kauf nochmal überlegen, da es für sie nicht wirklich etwas Neues geben wird. Der Multiplayer stellt zwar kein großen Kaufanreiz dar, dafür bietet er zu wenig. Solo-Weltraumrettern bekommen jedoch gute, wenngleich etwas kurze Action für zwischendurch bzw. unterwegs geboten.
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