Am 2. November dieses Jahres ist es soweit und Nathan Drake bricht wieder einmal zu einer Schatzsuche auf. Ob dieses ähnlich erfolgreich ist, wie die Ausflüge in den Dschungel oder die hohen Berge des Himalaya, erfahren Sie im folgenden Review.
Background
Die „Uncharted“-Reihe, die Fans in der ganzen Welt hat und obendrein einer der besten und erfolgreichsten PlayStation 3 exklusiven Franchises ist, wird von Naugthy Dog entwickelt. Mit dem Action-Adventure „Uncharted 2: Among Thieves“, das im Oktober 2009 erschien, gelang dem Studio ein wahrlich großer Wurf. Das Spiel wurde bis April dieses Jahres schon über 4,55 Millionen Mal verkauft und ist damit das bislang schnellstverkaufte First Party Spiel für die PlayStation 3. Mit einem Metascore von 96 Punkten (Maximum liegt bei 100) ist der Titel auch eines der bestbewertesten Spiele der letzten Jahre.
Wie auch schon bei den letzten Abenteuern von Schatzjäger Nathan Drake, erwartet Sie auch dieses Mal wieder eine spannende Geschichte, die gleich mal fulminant eingeleitet wird. Nathan und sein Lehrmeister Victor Sullivan treffen sich in der Anfangssequenz mit einem dubiosen Geschäftsmann. Im Hinterzimmer einer Bar zeigt Nathan einen Ring her, den er um den Hals trägt und sein Gegenüber streckt ihm dafür einen Koffer voll Geld entgegen. Beide untersuchen die Tauschobjekte genauestens und dem alten Fuchs Drake fällt gleich auf, dass es sich hier um Falschgeld handelt. Mit dem Falschgeldvorwurf konfrontiert, flüchtet der Geschäftmann, der seinen Handlanger die „Aufräumarbeit“ überlässt. Dieser Kampf wird auch gleich ausgiebig für die Steuerungserklärung genutzt. Sie lernen Nahkampfangriffe, Konter und vieles mehr. Dabei helfen Sie auch ihrem Freund Sully öfter aus der Patsche. Oft wird auch die Umgebung in den Kampf mit eingebunden, wodurch die Kämpfe noch spektakulärer erscheinen.
Nachdem die ersten Gegner überwältigt wurden, taucht auf einmal ein Bär von einem Mann auf, der mit Nathan im wahrsten Sinne des Wortes Schlitten fährt. Er vermöbelt Nathan in der Toilette nach allen Regeln der Kunst, ehe Sie ihm mit der Klowasserabdeckung eine überbraten. Da war das Porzellan wohl härter als sein Kopf. Nathan torkelt leicht benommen aus dem Stillen Örtchen, um auf die Straße zu rennen und den Geschäftsmann, der den Ring mitgenommen, dingfest zu machen. Leider werden die beiden in einen Hinterhalt gelockt und mit einem sauberen Bauchschuss erledigt. Das kann doch nicht wirklich das Ende von Drake und Sully sein?!
Szenenwechsel: Auf einmal befinden wir uns 20 Jahre in der Vergangenheit und Sie steuern Nathan, wie er als kleiner Bub ein Museum besucht. In diesem Museum jagt der kleine Schatzsucher damals wie heute einem Schatz nach. Das Objekt seiner Begierde ist der Ring, der ihm in der Zukunft gestohlen wird. Insofern weiß man schon jetzt, dass der junge Natha, wohl schon damals ein glückliches Händchen gehabt hat. Im Verlauf dieser Rückblende lernen Sie auch Victor Sullivan kennen und somit erfährt man auch etwas über deren gemeinsame Vergangenheit.
Im weiteren Verlauf kristallisiert sich eine Jagd nach einem gigantischen Schatz heraus. Nathan, Sullivan und auch die überaus attraktive Chloe Frazer ist wieder mit an Bord. Wird es Nathan und seinen Freunden gelingen den Schatz vor den Bösewichten zu finden? Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten, da sonst das fast filmreife Abenteuer nicht mehr so spannend ist, wenn Sie es selbst erleben.
Gameplay: Alles beim Alten?
Die Fans der Vorgänger werden auch von „Uncharted 3: Drake’s Deception“ keinesfalls enttäuscht sein. Das Gameplay übernahm viele Stärken der Vorgänger und merzt manche Schwachstellen aus. In Teil 2 war der Einstieg mit der Szene des Zugs am Abgrund legendär und absolut fesselnd. Danach flaute der Einstieg etwas ab. Vor allem die „Hide and Seek“-Mission im Museum im Stile von Sam Fisher nervte viele Spieler. Der Einstieg ist nun auch behutsam, aber doch etwas straffer und vor allem bleibt man ständig gefesselt, wie bei einem guten Film. Man will einfach den Controller nie aus der Hand legen, weil ständig ein Quicktime-Event kommen könnte, sodass man pausenlos unter Spannung steht. Man lebt das Spiel richtig mit und das schon im Einstieg, der nur kleine Teile der Story offenbart hat.
Die Klettereinlagen sowie Rätsel sind wieder dabei. Gut, dass Nathan ein Tagebuch hat, in dem er oft einige spannende und wichtige Notizen stehen hat. So ist man bei den Rätseln nicht ganz auf sich alleine gestellt und immerhin steht ja auch Sully hilfreich zur Seite. Von dem alten Haudegen hat Nathan immerhin alles gelernt, was man als Schatzsucher und „Schatzausborger“ wissen muss. Bei den Kämpfen heißt es wieder in Deckung gehen und gezielte Manöver planen. Mit der typischen Bruce-Willis-Manier kommen Sie hier nicht weit. Die Kämpfe sind zwar bei weitem nicht so taktisch wie bei „Deus Ex: Human Revolution“, aber man sollte auf keine Fall ohne Deckung herumrennen und glauben man könne alles alleine regeln. Oft helfen einem auch Sully und ein noch nicht genannter Charakter aus, die für KI-Mitspieler ganz routiniert aggieren.
Die Steuerung ist vor allem für Shooterfans Gewöhnungssache, denn beispielsweise wirft man bei „Uncharted 3“ Granaten mit der L2 Taste, zum Nachladen dient die R2 Taste. Diese Umstellung geht aber leicht von der Hand und ist für Fans der Vorgänger absolut kein Hindernis. Auch die Nahkämpfe, die teilweise einfach essenziell sind, wurden nicht entfernt, wodurch gleich noch mehr „Uncharted“-Feeling aufkommt. Szenen, in denen man einen Feind an einer Häuserkante hängend in den Abgrund reißt, sind auch schon altbekannt. Das vermittelt in Teil 3 an allen Ecken und Enden wieder etwas „Uncharted“-Flair zu bringen, was wirklich gut gelungen ist.
Wie es sich für einen Schatzsucher gehört, hält man ständig die Augen nach kleinen Kostbarkeiten offen. Es ist zwar etwas fragwürdig, warum antike Schätze und Münzen einfach so mitten in einer Stadt am Boden liegen und von der Bevölkerung nicht angerührt werden, aber dennoch ist es ein Element, das einfach zur „Uncharted“-Reihe gehört.
Alles in allem spielt sich der Titel wie auch „Uncharted 2: Among Thieves“, wobei einige kleine Modifikationen vorgenommen wurden. So wurde das Waffensystem ein wenig überarbeitet und auch die Optik hat nochmals einen Schritt nach vorne gemacht. So und nicht anderes muss eine Fortsetzung eines Erfolgstitels aussehen – Altbewährtes übernehmen und sinnvoll sowie gezielt erweitern. Schade ist hingegen, dass die Story in rund 8-10 Stunden aus ist und auch keine DLCs für eine Verlängerung angedacht sind.
Grafisch reizt der Titel die Möglichkeiten der PlayStation 3 voll aus. Die Darstellung der Charaktere ist noch um ein Stück realistischer und authentischer als in Teil 2, wobei das leider nicht auf alle Charaktere zutrifft. Katherine Marlowe sieht im Vergleich zu Nathan beispielsweise etwas detailarm aus, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Auch die bombastischen Effekte aus Teil 2 wurden nochmals verbessert. Licht- und Schattenwechsel wirken noch besser und ich habe noch nie so eine authentische Abbildung von Wasser in einem Videospiel gesehen. Einfach nur beeindruckend.
Man erkennt sogar Schrammen und Gefühlsregungen im Gesicht des taffen Abenteurers. Die Schauplätze sind abwechslungs- und detailreich, wodurch „Uncharted 3: Drake’s Deception“ gepaart mit seiner mitreißenden Erzählweise für eine fantastische Atmosphäre sorgt. Genauso klasse sind wieder die Videosequenzen, die in ausreichender Menge enthalten sind und ihren Teil zur kinoreifen Inszenierung beitragen.
Soundtechnisch gibt’s ebenfalls wirklich nichts zu meckern. Die Soundkulisse ist spitzenklasse und auch die Vertonung lässt keine Wünsche offen. Nur wenn man sich ganz extrem konzentriert, fallen gelegentliche Lippenasynchronitäten auf, aber das ist wiederum Jammern auf hohem Niveau. Die Wahl der Stimmen und der Synchronsprecher überzeugt voll und ganz, wodurch sich ein weiteres Puzzleteil in die umwerfende Atmosphäre einfügt.
Die Steuerung wird in den ersten Minuten des Spiel gut erklärt und für Fans der Vorgänger ist sowieso nichts Neues dabei. Die Tastenbelegung ist zwar nicht Shooter-typisch, aber das wissen die Fans und die Multiplayer-Beta-Tester ohnehin schon. Wie schon erwähnt ist es anfangs doch etwas verwirrend, beim Nachladen auf R2 statt aufs Viereck zu drücken oder mit L2 statt mit R2 Granaten zu werfen. Doch funktioniert die Steuerung über weite Strecken sehr gut, was besonders bei den Kletter und Springpassagen zum Vorschein kommt. Nur in sehr wenigen Fällen stürzt man aufgrund von fehlerhafter Steuerungserkennung ab. Hier kommt es mir vor als würde das System dem Spieler ein wenig unter die Arme greifen. Die Steuerung bietet hingegen keine Innovation oder speziellen Features, um in die höchsten Bewertungssphären vorzudrinken.
Neben dem Singleplayer-Modus können Sie den Titel auch im Multiplayer-Modus spielen. Das war schon beim Vorgänger der Fall und ist spätestens seit der Multiplayer-Beta bis zu jedem PS3-Spieler durchgedrungen. Der Mehrspielermodus gliedert sich in zwei Bereiche. Zum einen kann man lokal im Zwei-Spieler-Koop antreten und zugleich Nathan und Sully steuern und zum anderen gibt es den Online-Multiplayer-Modus, wie er schon in der Beta getestet wurden konnte. Für den Online-Mehrspielermodus wurde auch Kartenmaterial aus der Einzelspieler-Kampagne recycelt aber es wurden auch schon DLCs für den Mehrspielermodus angekündigt, die ein langanhaltendes Spielvergnügen gewährleisten sollen. Mehr über den Mehrspielermodus erfahren Sie im folgenden Preview.
Atmosphäre
Wie schon mehrmals im Bericht erwähnt, vereinen sich viele kleine die Atmosphäre-Puzzleteile zu einem in Summe fantastischen Gesamtbild. Die Sound- und Grafikeffekte wären nur halb so toll ohne eine gute Story oder die Quicktime-Events, die den Spieler ständig angespannt halten. Jedes kleine Details trägt das Seine zum Gesamtwerk bei, wodurch eine überwältigende Atmosphäre geschaffen wird.
Ich dachte nach „Uncharted 2: Among Thieves“: So und nicht anders muss ein Action-Adventure auf der PlayStation 3 aussehen. Nachfolgende Spiele dieses Genres hatten bei mir einen schweren Stand, wurden immer mit „Uncharted 2“ verglichen. Seit dem Release von „Among Thieves“ konnte mich kein Action-Adventure derart überzeugen, bis ich jetzt „Uncharted 3: Drake’s Deception“ ins Laufwerk gelegt habe. Der Erfolgsvorgänger wird noch übertroffen und somit habe ich nun einen neuen Referenztitel für ein nahezu perfektes Action-Adventure auf der PlayStation 3. Die Atmosphäre, die Effekte und die Story sind überwältigend. Mit einem überarbeiteten und ausgeweiteten Mehrspielermodus haben die Entwickler noch ein Kritikpunkt des Vorgängers ausgemerzt. Ergebnis: ein Meilenstein in der PS3-Videospielgeschichte.
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