Vor kurzem hielt mit „X-Men: Destiny” neuerlich ein Spiel mit großem Comic-Namen Einzug in die Geschäftsregale. Wir haben den Mutantentitel für Sie getestet und präsentieren Ihnen im Folgenden unsre Review der Wii-Version.
Leider keine Ausnahme
Nachdem dieses Jahr mit „Captain America: Supersoldier“ und „Transformers: Stealth Edition“ bereits zwei Top-Franchises auf der Wii in den Sand gesetzt wurden, nimmt „X-Men: Destiny“ diese Tradition beherzt auf und setzt sie fort. Bereits das Introvideo der abgespeckten Großkonsolenversion beleidigt das Auge und stellt den Spieler erstmals vor die Wahl, ob man sich das Ganze nicht doch lieber sparen will. Aber sehen Sie selbst:
Angesiedelt im ewigen Zwist von Mutanten und Menschen, wird sich der Held seiner Fähigkeiten bewusst. Als Mutant wird er zum Gejagten und muss sich im Laufe seines Werdegangs mehrfach zwischen den X-Men und der Brotherhood entscheiden. Aber erst ein paar Worte zur Entstehung des Helden. Nachdem man aus drei Charakteren einen ausgewählt hat, wird man vor die große Entscheidung gestellt. Man muss nämlich aus drei fix und fertigen Superkraftpaketen wählen.
Sie haben richtig gelesen, es gibt genau drei mögliche „Mutationen“ zur Auswahl. Entweder entscheiden Sie sich für Energieprojektion, Dichtekontrolle oder Schattenmaterie. Keine Sorge, man muss sich darüber nicht allzu sehr den Kopf zerbrechen, denn am Gameplay ändert die Entscheidung, abgesehen von den grafischen Veränderungen, ohnehin nichts. Im Laufe des Spiels können Sie ihre Superkräfte erweitern, im Endeffekt kommt man aber mit den Standartattacken auch ganz gut zurecht.
Während Sie sich nun durch schlauchartige Levels dreschen und dabei die immer gleichen Gegner auf die Bretter schicken, werden Sie gelegentlich vor die Wahl gestellt, ob Sie nun der finsteren Brotherhood helfen wollen, oder sich den X-Men anschließen. Seien Sie aber beruhigt, auch diese Entscheidungen nehmen so gut wie keinen Einfluss auf den weiteren Spielverlauf. Sie können sich beim nächsten Mal gefahrlos für die andere Seite entscheiden.
Wenn man an X-Men denkt, dann kommen einen zum einen großartig gezeichnete Comics und zum anderen gut gemachte Filme in den Sinn. Schlagen Sie sich diese beiden Gedanken aus dem Kopf. „X-Men: Destiny“ orientiert sich weder an ersterem noch an zweiterem. Wenn man die gezeichneten Bilder der Dialogsequenzen sieht, fühlt man sich mehr an Concept Art oder Platzhalter erinnert, als an das fertige Produkt. Zu bemängeln ist auch die Spielgrafik als solche. Ewig gleiche Gegner, keine Mundanimationen beim Sprechen und liebloses Leveldesign machen aus einer großartigen Franchise ein Spiel zum Abgewöhnen.
Der Sound hingegen zählt noch zu den gelungeneren Aspekten des Spiels. Die Dialoge und Videosequenzen sind allesamt gesprochen, wenn auch in Englisch und ohne deutsche Untertitel. Ja, der Spielsound versucht noch das Beste aus einem ansonsten verkorksten Spiel zu machen. Zu retten vermag diese Tatsache „X-Men: Destiny“ trotz alledem nicht.
Steuerung
In gewohnter Manier mit Nunchuck und Controller bewaffnet, gibt die Steuerung an sich wenig Grund zur Klage. Für das lustlose Gameplay kann sie denkbar wenig. Aber Macken gibt es auch hier, denn die Kameraführung, die zum Teil via Cursor, zum Teil automatisch abgewickelt wird, lässt einen manchmal ziemlich im Stich. Zum einen kann man weder nach oben noch nach unten schauen, zum anderen verliert man seinen Helden recht häufig aus den Augen, wenn die Kamera automatisch folgt.
Obwohl man nahezu alle bekannten Mutanten aus den Comics antrifft, wächst die Enttäuschung von Begegnung zu Begegnung. Die Charaktere erinnern dabei nur sehr entfernt an ihre Vorbilder in Papier- oder Filmform. Die schlauchartigen Levels und die konsequenzfreien Entscheidungen entlang des Weges tun ihr übriges, um so gar keine Stimmung aufkommen zu lassen. Dass die Mundbewegungen nicht animiert sind und die Dialoge in den meisten Fällen ohnehin nur von unbewegten Bildern begleitet werden, setzt dem Ganzen dann nur noch das sprichwörtliche i-Pünktchen auf.
Als Fan der Comics und der Filme kann ich an dieser Stelle nur meine zu tiefst empfundene Enttäuschung äußern. Warum derartige Spielsünden veröffentlicht werden, ist und bleibt mir ein Rätsel. Da gibt es zahllose Künstler, die sich jahrzehntelang abmühen, um qualitativ anspruchsvolle Comics zu produzieren und dann kredenzt man der Weltöffentlichkeit mit „X-Men: Destiny“ derart anspruchslose Unterhaltung. Mein Rat kurz und knapp: Hände weg! Und um dennoch positiv zu schließen: Immerhin der Sound war gut.
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