Das Tanzspiel „Dance Central“ war bekanntlich ein echtes Highlight im Launch-Lineup von Kinect für Xbox 360. Kein Wunder, dass nun der Nachfolger erscheint. „Dance Central 2“ lockt Tanzfreunde dabei mit neuen Features wie direkten Duellen. Ob das wirklich rockt, erfahren Sie in unserem Review.
Tanzfieber
Große Story? Nein, einfaches Prinzip: Zu aktuellen Hits oder Klassikern richtig abtanzen. Wobei richtig bedeutet: Mit den passenden Moves zum jeweiligen Song, die ein virtueller Coach vorgibt. Ach ja, und das dank Kinect ganz ohne Controller – den hätten Sie ja auch im nächsten Club nicht dabei. Ein Erfolgsrezept, das allein, zu zweit oder auch auf Parties Tanzspaß verspricht, wie dieser Lifestyle-Trailer andeutet:
Schon „Dance Central“ war ein gutes Spiel (unser Review zum nachlesen!), kein Wunder also, dass das Gameplay in Grundzügen gleich geblieben ist und Sie auf Wunsch gleich wieder mit einer schweren Tanzperformance loslegen dürfen. Für weniger selbstbewusste gibt es freilich wieder die Option, die moves zum gewählten Song erst einzustudieren.
In der Tanzschule zeigt sich, dass die Entwickler im Detail sehr wohl nachgebessert haben. Wenn Sie jeden Song zum Üben erst mal Schritt für Schritt durchgehen, müssen Sie nicht mehr befürchten, bei Problemmoves zur Zeitlupen-Performance gezwungen zu werden. Dafür können Sie sich jetzt mit eben jenen Moves, die Sie einfach nicht recht hinbekommen, gezielt eingehender beschäftigen. Das Erlernen wird also flüssiger und birgt weniger Frustpotenzial für weniger begabte Tänzer.
Wer wiederum im ersten Teil einen Kampagnenmodus vermisst hat, darf sich ebenfalls über eine Neuerung in „Dance Central 2“ freuen. Bei der Crew-Herausforderung gilt es, erst einmal mit einfachen Moves die aus dem ersten Teil bekannte Emilia und ihren Partner zu überzeugen, um in weiterer Folge noch auf andere Tänzerpaarungen zu treffen und herausforderndere Performances bieten zu müssen. Nicht nötig, um einfach Tanzspaß zu haben – aber sicher nett für Spieler, die auch eine Story mit rotem Faden wollen.
Das Spiel wird mit über 40 Songs geliefert, wobei der Schwerpunkt doch recht deutlich auf Charthits des neuen Jahrtausends liegt. Zwar gibt es ein paar ein paar Klassiker wie Donna Summers „Hot Stuff“, 70er- oder 80er-Fans werden mit der Auswahl aber wohl nicht wirklich glücklich sein. Grund zur Freude haben dafür Besitzer des Originals: Sie können ihre alten Songs, ob nun die 32 mitgelieferten oder zusätzliche Downloads, in den neuen Titel übertragen. Klar zudem: Neue DLCs werden folgen, dem Spiel liegt sogar ein Gutschein über 240 MSPs bei, um die eigene Playlist zu erweitern.
Apropos Playlist: Ein wenig haben die Macher offenbar doch bei der Tanzspiel-Konkurrenz gespickt, die wie beispielsweise die „Just Dance“-Reihe schon länger auf Fitness-Modi setzt. Nun hat auch „Dance Central 2“ eine Antwort darauf, der Spielmodus bietet neben einem Kalorienzähler auch die Möglichkeit, eigene Fitness-Playlists abzuspeichern.
Look und Groove
Ich geb ja zu, das ist nur eine mäßig kreative Art den Punkt Grafik und Sound zu umschreiben. Aber es passt irgendwie, denn im Prinzip hatte Harmonix ja schon im Vorgänger einen guten Look für das Spiel gefunden. Dementsprechend hat sich auch hier nicht viel geändert, ein wenig nachgebessert bei den Texturen vielleicht, ein paar neue Umgebungen, das war's. Tanztrainer mit unterschiedlichen Looks und die Beatbox als Punktestandsanzeige haben sich einfach bewährt. In einem Punkt ist aber noch Luft nach oben: Ob und wie gut die Armbewegungen passen, darüber gibt das etwas zarte Einfärben der Vortänzer-Arme etwas zu wenig Aufschluss.
Zum Sound gibt’s eigentlich nicht viel zu sagen, außer, dass er sich mit einem vollwertigen Heimkino-System oder zumindest angeschlossenen Lautsprechern natürlich besser macht als nur mit dem integrierten Lautsprecher eines modernen Flachbildschirms. Das liegt einfach in der Natur der Sache, wenn's ums Tanzen etwa zu Lady Gags „Born This Way“ oder Gnarls Barkleys „Run“ geht. Oh, doch, eines wäre da noch einer Erwähnung wert: Auch die deutschen Synchronstimmen für die Tanztrainer können durchaus überzeugen.
Einfach tanzen
Das Steuerprinzip ist das gleiche wie beim Vorgänger: Einfach tanzen, der Kinect-Sensor und die Software besorgen den Rest. Das hat schon voriges Jahr gut funktioniert und bewährt sich auch bei „Dance Central 2“ wieder bestens. So muss ein Kinect-Tanzspiel aussehen: Egal, ob Arm- oder Beinbewegung, die Erfassung ist ziemlich genau. Etwas präziser ginge freilich immer noch, so erkennt das Spiel definitiv nicht, ob man dem Sensor Handfläche oder Handrücken zuwendet. Den Effekt, dass spiegelverkehrt ausgeführte Moves fallweise als perfekt gelten, haben wir aber nicht mehr beobachtet. Da hat Harmonix sich wohl die leise Kritik zu Herzen genommen. Bleibt eigentlich nur noch die Frage an Microsoft: Wann klappt das mit der Kinect-Sprachsteuerung nochmal endlich auch bei uns?
Eine kleine Schwäche des Vorgängers war der Multiplayer, denn wenngleich abwechselnd tanzen nett ist, macht es gemeinsam – wirklich gleichzeitig – doch mehr Spaß. Genau das macht „Dance Central 2“ nun möglich, wie dieser US-Werbespot zeigt:
Natürlich können zwei Spieler einfach gleichzeitig an der perfekten Performance arbeiten. Das ist gut als Hop-in-Hop-out-Modus umgesetzt: Wer zu müde ist, geht einfach, der andere spielt in Ruhe weiter. Nicht nur das, wenn eine einsame Spielerin zum Tanz bittet, kann man auch jederzeit dazu stoßen. Einfach hinstellen und kurz die Hand heben, um dem Spiel anzuzeigen, dass man wirklich tanzen statt nur zusehen will, schon wechselt das Spiel auf Koop. Für Spieler, die auf der Konsole gespeichert sind, funktioniert dabei auch die Gesichtserkennung zur Identifizierung.
Doch bedeutet Multiplayer nicht notwendiger Weise nur, gleichzeitig die selben Moves zu vollführen. Denn im Tanzduell steht phasenweise nur ein Spieler im Rampenlicht und kann sich in dieser Phase ein Punktepolster holen. Zudem gibt es Abschnitte, in denen die Spieler beliebig aus vier vorgegebenen Moves wählen und versuchen, ihre Moves vor dem Duellgegner perfekt wiederzugeben. Ob nun Duell oder doch Koop: Zu zweit tanzen macht jedenfalls mehr Spaß, egal, ob man sich nun zum König des Dancefloors oder nur zum Affen macht.
Blow the Roof
Große Einstiegshürden gab's schon im Original nicht, mit der verbesserten Tanzschule sind auch die letzten beseitigt. Außerdem gibt’s für jeden Tracks mit einem passenden Schwierigkeitsgrad, sodass eigentlich jeder mit nur einem winzigen Hauch Musik im Blut ohne Probleme seinen Rhythmus und die Laune am Tanzen finden wird. Gerade im Multiplayer macht das Spiel dabei natürlich noch mehr Laune als der Vorgänger – denn mal ehrlich, wer tanzt schon gern alleine? Der tolle Hop-in-Hop-out-Koop ist da einfach ideal, auch in größerer Runde.
Schon „Dance Central“ hat vieles richtig gemacht, also musste Harmonix eigentlich nur noch Details verbessern. Das haben die Entwickler gemacht, einen gelungenen Koop-Modus, Tanzduelle sowie eine Art Kampagnenmodus nachgelegt und damit genau dort den Hebel angesetzt, wo es vor einem Jahr berechtigte Kritik gab. Das Ergebnis ist „Dance Central 2“: Ein Spiel, das den ohnehin guten Vorgänger auf die nächste Stufe hebt. Okay, die Songauswahl wird manchen zu modern sein – aber wenn das mal zum eigentlich größten Kritikpunkt wird, ist das ein verdammt gutes Zeichen.
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