Der neueste Teil der „Ace Combat“-Reihe ist gelandet und verspricht, Spieler in verschiedenstem Fluggerät noch näher an die Action zu bringen. Doch startet der Titel mit den neuen Features richtig durch, oder ist es eine Bruchlandung? Das erfahren Sie in unsrem Review.
Aufruhr in Afrika
Die Story aus der Feder des New York Times-Bestsellerautors Jim DeFelice entführt in die nahe Zukunft, genauer gesagt ins Jahr 2015. William Bishop ist Anführer der Warwolf Squadron, Teil der 108th Task Force. Diese von der NATO geleitete Truppe mit russischer Unterstützung geht in Afrika gegen Rebellen vor. Letztere können aber mit einer neuen Superwaffe auftrumpfen. Was es damit genau auf sich hat, das gilt es im Laufe des Spiels zu ergründen – mit jeder Menge Luftkampf-Action. Zur Einstimmung hier ein Trailer:
Die erste Mission entführt einen nach Miami und fungiert zugleich als Anleitung, wie man sich im Kampfjet des Feindes erwehrt. Dabei präsentiert das Spiel auch gleich eine große Neuerung in „Ace Combat Assault Horizon“: den Close-Range Assault in Form des Dogfight Modes. Hat man sich einem gegnerischen Flieger nur genug genähert, kann man sich durch gleichzeitiges Drücken der Schultertasten an sein Hinterteil heften und ihm so ganz dicht auf die Pelle rücken. Um einfachen KI-Piloten den Garaus zu machen, ist das zwar nicht unbedingt nötig, den intelligenter gestalteten gegnerischen Assen wird man anders aber kaum beikommen.
Der Vorteil des neuen Flugmodus: Der Spieler bekommt wirklich das Gefühl, seinem Feind richtig dicht im Nacken zu sitzen. Blöd, dass das auch die Gegner versuchen können – aber Manöver plus passende Gegenmanöver ergeben, genau: mehr Action-Feeling. Dumm nur, dass die Gegner über Miami nicht und nicht weniger werden wollen und es irgendwann kommt, wie es kommen muss: Sie lernen auch gleich, wie man im Fall der Fälle den Schleudersitz betätigt.
Und sie erwachen, es war nur ein Alptraum, zurück zur eigentlichen Story in Afrika mit einer Überleitung, bei der Sie als MG-Schütze vom Helikopter aus Feinde niedermähen. Dann geht es in der Rolle von Bishop zum eigenen Team, einem gleich zu Beginn suspekt wirkenden russischen General und seinen teils deutlich sympathischer rüber kommenden Untergebenen, die ihnen in der ersten echten Mission gleich hilfreich zur Seite stehen. Auch hier erklärt das Spiel noch Details zu Handling der Flieger, grundsätzlich heißt es aber: Einfach mal das Gelernte umsetzen und das Dogfight-Feeling genießen.
In der zweiten Mission gilt es, einen der russischen Jungs nach dem Abschuss zu retten – ein leichtes Manko übrigens, dass die Story etwas zu oft durch Szenen vorangetrieben wird, die für den Spieler eigentlich ein teilweises Scheitern bei der vorigen Mission vermitteln. Jedenfalls, der Rettungsauftrag bedeutet den wirklich ersten größeren Kontakt mit der zweiten wichtigen Neuerung: Es gibt nicht nur Missionen im Jet. Hier gilt es, mit dem Kampfhubschrauber den Widerstand am Boden platt zu machen – was natürlich ein völlig anderes Spielgefühl bedeutet als der Dogfight zwischen den Wolken. Variatio delectat sagten schon die Römer, darauf setzt auch „Ace Combat Assault Horizon“: Mehr Abwechslung im Gameplay für bessere Unterhaltung.
Fast Kinoreif
In der Hitze des Gefechts hat man zwar kaum Zeit, die Grafik zu bewundern, dafür aber in den Zwischensequenzen. Die sind fast schon kinoreif, vom verschwitzten Gesicht des helden nach dem Alptraum bis zum fast schon greifbaren Wüstenstaub irgendwo in Afrika. Ein wenig irritieren mich aber Schultern und Arme der Charaktere, erste wirken teils unnatürlich breit, letztere bisweilen seltsam abgewinkelt. Dennoch, grafisch kann man nicht wirklich klagen: Auch die Umgebungen in den Missionen sehen stark aus. Nur ein wenig mehr sichtbare Auswirkungen von Fehlschüssen auf die Gegend wäre schön. Der Sound ist zwar keine Erleuchtung, doch gibt’s wenig Grund für Beschwerden, die Effekte passen, auch die deutschen Synchronsprecher machen ihre Sache gut.
Himmel und Hölle
Die Steuerung von „Ace Combat Assault Horizon“ ist ein eigenes Kapitel. Im Kampfjet finden sich selbst Fluganfänger sicher schnell zurecht und haben bald den Bogen raus, wie sie zumindest 08/15-Gegner auch ohne Nahangriff ausschalten. Freilich verleitet der Dogfight Mode, ihn lieber einmal zu oft als einmal zu selten zu nutzen, denn leichter werden die Abschüsse damit allemal. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase geht mir, der ich nicht unbedingt ein Fliegerass bin, alles leicht von der Hand – nur Perfektion dauert etwas länger. Aber genau so soll es doch sein!
Leider sind Luftkämpfe wie gesagt nicht alles, und die Steuerung in anderen Bereich etwas anders. Gut, in der Rolle des Hubschrauber-MG-Schützen ist das größte Problem, dass einem das Spiel nicht verrät, dass die Schusstaste plötzlich RT satt A oder B ist. Als Hubschrauberpilot aber … zäh bis mühsam, wie man eigentlich ständig beide Steuerknüppel gleichzeitig bedienen, am besten noch Finger auf A und B zur Höhenregulierung haben und trotzdem noch irgendwie auf RT zum Schießen drücken soll. Mal abgesehen davon, dass die Doppelbelegung von RB für Spezialwaffen und als Teil der Ausweichrolle bei Feindbeschuss nur eines bringt, nämlich unnötig vergeudete Munition. Kurzum: die Hölle im Vergleich zur genialen Fliegersteuerung.
Bei „Ace Combat Assault Horizon“ kommen Koop wie PvP-Fans auf ihre Kosten, allerdings alles nur online. Das ist auch besser so – ich will gar nicht wissen, wie schwindelerregend ein Splitscreen-Modus wäre. Beim Koop macht man mit bis zu zwei Freunden Jagd auf den Feind in Missionen, die man allein schon geschafft hat. Vermeiden Sie in diesem Modus tunlichst, beim gemeinsamen Dogfight ihre Kameraden irrtümlich abzuschießen! Dafür gibt es andere Optionen wie ein klassischen Deathmatch, wo dann auch bis zu 16 Spieler aufeinander Jagd machen können.
Häng dich an ihn!
Gerade der Dogfight Mode ist wirklich gelungen und verleitet, sich unbedingt an den Feind hängen zu wollen, um ihn dank perfektem Manövrieren einfachn nur per MG aus den Lüften zu holen – auch, wenn Lenkraketen den Job so viel leichter machen. Da ist einfach dieser Ansporn, sich als wahres Fliegerass zu präsentieren – am besten, indem man das Kunststück auch noch an einem Gegner vollbringt, der gerade einem Mitglied der eigenen Staffel zu sehr auf die Pelle rückt. Okay, stellenweise wird es etwas hektisch mit etlichen Gegnern und Partnern auf engstem Raum – aber wenn's überstanden ist denkt man sich beim durchatmen doch: So muss es sein!
Tja, und dann kommt eine Hubschrauber-Mission. Steuerfrust heißt keine Lust. Punkt, aus.
Zusammenfassung
Ein Spiel zwischen Genie und Wahnsinn. „Ace Combat Assault Horizon“ hat mich mit dem actiongeladenen, doch einfachen Dogfight Mode im Flieger wirklich begeistert, da haben sich die Entwickler echt was tolles einfallen lassen. Leider haben sie sich aber auch eingebildet, dass es mehr Abwechslung beim Fluggerät braucht, ohne aber mit dem Helikopter ein nur annähernd so brillantes Spielerlebnis zu bieten. Trotz toller Optik somit insgesamt kein Top-Urteil – obwohl echte Fliegerasse bei den schwachen Passagen sicher bereitwillig die Zähne zusammen beißen werden, um dann wieder von der Kampfjet-Action zu erleben.
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