Die „Aliens“ greifen wieder an, dieses Mal am Nintendo DS. Wir haben uns im neuesten Teil der Videospielreihe der außerirdischen Bedrohung gestellt. Kultiger Kampf oder reiner Lizenz-Krampf? Diese Frage beantwortet unser Review.
Background
Seit der Veröffentlictung des SciFi-Horrorfilms „Aliens“ 1979 ist die Marke allgegenwärtig. Neben zahlreichen Filmen rund um die scheinbar unausrottbaren Biester eroberten sie auch die PCs und Konsolen. SEGA sicherte sich die „Aliens“-Lizenz für den Videospielsektor und daher erscheinen in regelmäßigen Abständen neue Ableger der Reihe. Der neueste Ableger trägt den Namen „Aliens: Infestation“ und erschien exklusiv für den Nintendo DS.
Hier muss man gleich vorweg ganz klar sagen, das “Aliens: Infestations” alles andere als billiger Lizenzmüll ist. Die Spieleschmiede WayForward Technologies wurde mit der Aufgabe betraut einen “Aliens”-Ableger für das Nintendo DS zu entwickeln. Wie schon bei zahlreichen anderen NiDS-Spielen stellte der Entwickler auch hier unter Beweis, das er mit dem Handheld aus dem Hause Nintendo wirklich umgehen kann. Es gibt zwar ein paar Punkte, die noch besser sein könnten, aber an sich ist “Aliens: Infestation” meiner Meinung nach einer der letzten großen Titel für den Nintendo DS und vermutlich der letzte gute Action-Titel.
Story & Setting
Ähnlich wie bei den Filmen ist die Story seicht – sagte ich seicht? – ich meine wirklich seicht. Der Vergleich zu einem hauchdünnen Blatt Papier liegt wohl nahe, aber dennoch erwartet man sich als Käufer eines „Aliens“-Spiels auch nicht mehr. Wichtig ist, ob die Action passt und das tut sie definitiv. Doch jetzt starten wir einmal ganz gemütlich.
Mittlerweile wird es um 19:00 Uhr ja schon richtig dunkel und somit bleibt mehr Zeit für Zockerabende bei früh einkehrendem Mondschein. Perfekt passt dafür ein „Aliens“-Spiel, bei dem man normalerweise mehr als nur einmal wieder richtig munter wird. Bei „Aliens: Infestations“ musste ich auch diese beklemmende Stimmung des Zockens im dunklen Zimmer erzeugen um den vollen Angstfaktor zu entfesseln. Da man aber gleich auf der Verpackung das „Ab 12 Jahren freigegeben“ USK-Logo sieht, kann man sich denken, dass nicht viel Überlebensangst aufkommen wird. Leider hat die USK mit der Einschätzung des Titels recht gehabt, was die Fans der Filme und früherer „Aliens“-Spiele nicht gerade erfreuen wird. Das Setting ist cool, die Aliens sind, wie gewohnt wieselflink und die Marines sind quasi auf sich alleine gestellt.
Los geht’s mit vier tapferen Marines, die dem typischen „Aliens“-Klischee entsprechen. Harte Knochen geben sich die Klinke mit blutigen Anfängern, aber wirklich tiefgründige Charaktere sucht man vergebens. Bewaffnet sind alle mit der gleichen Ausrüstung, wovon die Pulse-Rifle wohl die wichtigste Waffe am Anfang ist. In einer 2D-Open World bewegen sie sich durch die Levels, um den Aliens so richtig einzuheizen.
Auf dem Weg durchs Schiff gilt es Liftkarten zu sammeln, Feinde (ua. auch Kampfroboter und Söldner) zu besiegen und die Belegschaft kräftig aufzustocken. Wie kann man das verstehen? Im Prinzip steht jeder Marine für ein Leben. Wenn ein Kämpfer keine Lebensenergie mehr hat, ist er für immer und ewig tot. Nur in den seltesten Fällen wird er von den Luftschachtbiestern verschleppt. In diesem Fall haben Sie ein wenig Zeit, um den Marine aus den Fängen der Aliens zu befreien. Doch keine Sorge, sie müssen nicht mit den vier Kämpfern vom Anfang das komplette Spiel durchspielen, denn im Spielverlauf werden Sie vereinzelt Marines finden, die sich Ihnen anschließen und Ihnen ein Leben verschaffen.
Sollte das Leben ziemlich knapp sein, haben Sie nur zwei Chancen. Zum einen können Sie einen Speicherraum aufsuchen und zum anderen können Sie sich auf die Suche nach Medipacks machen, doch diese sind nur sehr schwer zu finden. Somit entsteht schon ein permanentes Angstgefühl, weil man die Kämper auch nur in den Speicherräumen austauschen kann. Somit weiß man schon: Mit wenig Leben wird man kaum mehr das nächste Level erreichen. Man nimmt die überlebenden Marines auch in das nächste Level mit, also ist es oft ratsam noch kurz einen Runde zu drehen, um vielleicht noch den einen oder anderen versprengten Mitstreiter zu finden.
Das Kämpfen ist neben der Erkundung das zweite große Spielelement und das Kampfsystem hat leider einige Schwächen. Zum einen wäre da die Option sich an eine Kiste anzulehnen und aus der Deckung zu feuern. Das klingt nicht schlecht, doch dank einer unterirdischen Gegner-KI braucht man nur den Deckung-Attacke-Rhythmus eines Gegners erkennen und dann kann man ihn ohne Munitionverschwendung mit einer Minimalanzahl von Kugeln plätten. Dem Gegner ist es egal, sich aus der Deckung mitten in einen Kugelhagel zu erheben.
Zum anderen sind die Aliens einfach viel zu schnell. Vor allem die Königinnen kommen einem gewaltig nah und dank fehlender Nahkampfattacken bleibt nur die Flucht. Meistens ist das allerdings nicht möglich, weil das Gebiet abgegrenzt ist und so steht man dem übermächtigen Wesen bis zum bitteren Ende gegenüber. Gut, dass wir mehr als ein „Leben“ haben, ansonsten würde das wohl zum Frusthighlight des Spiels werden. Ich persönlich habe es nicht geschafft, auch nur eine Königin ohne zumindest einmal sterben zu besiegen.
Upgrades & MinimapDamit man sich in den 2D-Open World-Levels zurechtfindet, benötigt man eine Karte. Diese gilt es allerdings ähnlich wie bei den alten „Zelda“-Spielen erst im Level zu finden. Hat man diese Karte, kann man Leuchtfackeln werfen und somit wichtige Punkte auf der Minimap markieren. Das Umschalten zwischen Minimap und Inventar ist allerdings nicht gerade intuitiv und funktioniert nicht so reibungslos, wie es sollte.
Weiters erhält man im Spielverlauf ein Schweißgerät, mit dem sich Türen öffnen lassen oder beispielsweise eine Helmlampe, die für den nötigen Weitblick sorgt. Auch die Waffen können mit speziellen Upgrades bis Stufe 3 verbessert werden, wodurch doch etwas mehr Tiefgang erzeugt wird.
Grafik und Sound
Optisch ist der Titel ein Hammer, anders kann ich es nicht beschreiben. Ich habe schon viele, sogar sehr viele Nintendo DS-Spiele mit 2D-Setting gesehen, aber an die Qualität von „Aliens: Infestations“ kommen nicht viele heran. Die Charaktere, die alle etwas zu sagen haben, wie auch die Bewegungsanimationen sind wirklich gelungen. Beim Erscheinungsbild der Marines haben sich die Entwickler ebenfalls alle Mühe gegeben. Das Leveldesign hätte etwas abwechlsungsreicher sein können, aber im großen und ganzen gibt’s hier nicht viel zu meckern.
Steuerung
Die Steuerung ist passend für diese Art von Spiel, dennoch hätte man die Geschwindigkeit der Aliens berücksichtigen müssen. Besonders im Kampf gegen eine Königin hat man aufgrund der fummeligen Steuerung arge Probleme die Oberhand zu behalten. Auch das Umschalten zwischen Minimap beziehungsweise Inventar funktioniert nicht reibungslos und die Waffenauswahl ist ebenfalls nicht wirklich elegant gelöst. Im Kampf hat man einfach nicht die Zeit auf den Bildschirm zu drücken, um die gewünschte Waffe zu wählen.
Die Story ist seicht und die Aliens wieselflink. Permanente Angst, das letzte Leben zu verlieren, macht sich breit und die typischen 08/15-Marines fehlen auch nicht, insofern kann man nur von einer gelungenen Atmosphäre sprechen.
„Aliens: Infestation“ ist meiner Meinung nach einer der letzten guten Actiontitel für den Nintendo DS. Das Setting und die Optik sind klasse. Auch der Mix aus Erkunden und Kampf ist gut gelungen, dennoch gibt’s ein paar Problemchen, die vor allem die Steuerung sowie das Kampfsystem betreffen. Wenn man damit zurecht kommt, steht einem actiongeladenen „Aliens“-Abenteuer nichts mehr im Wege.
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