Mit 70 Stunden Spielzeit, der von Fans geforderten Fraktion der Untoten und einer von Ekaterina Stadnikova verfassten Story versucht „Disciples III: Resurrection“ die Verfehlungen des Vorgängers wett zu machen und die düstere TBS-Reihe wieder auf Kurs zu bringen. Ob dies gelingt, lesen Sie in unserer Review.
Story
Zehn Jahre lang lebten die Menschen in ihrem Reich in Wohlstand und der Imperator Ferre I. herrschte mit harter Hand. Er belohnte treue Vasallen und züchtigte die, die ihm missfielen. Einige bezweifelten jedoch insgeheim sein Anrecht auf den Thron. Und finstere Wolken im Osten ließen großes Leid erahnen.
So beginnt der ersten Akt von „Disciples III: Ressurection“. Für die Story des neuesten Ablegers der Reihe zeichnet Ekaterina Stadnikova verantwortlich, die bereits die Romane aus der Welt von „Disciple“ zu Papier brachte. Inhaltlich befasst sich der Titel mit der Fraktion der Untoten, die man als Spieler zu Glanz und Glorie führen soll. Wie auch in den Vorgängern liegt in der erzählerischen Qualität eine der Stärken des Spiels. Selbst als Neuling taucht man Dank des ausführlichen Intros rasch in die Story ein. „Disciples III: Ressurection“ verbindet bekannte Fanatsy-Elemente, wie Untote, Elfen und Werwölfe, mit einer eigenständigen und gut erzählte Geschichte aus der umfangreichen Welt von „Disciples“.
Gameplay
Spätestens hier wird klar, warum das Spiel den Titel „Disciples III: Ressurection“ trägt und nicht „Disciples IV“. Am Gameplay an sich hat sich nämlich kaum etwas geändert. Natürlich spielt man nun mit den Untoten eine komplett neue Fraktion, dennoch bleibt ansonsten alles beim Alten. Als Neuling vermisst man zu Beginn eine Art Tutorial, wird man in diesen Belangen doch sehr uninformiert in Richtung Spielwelt entlassen.
Für Kenner der Vorgänger sicher kein Problem, für Neueinsteiger bedeutet dies: User Interface-Erkundung statt Action. Da aber auch in den verschiedenen Menüs auf tiefergehende Erklärungen verzichtet wird, bleibt man recht ahnungslos und macht sich so einfach auf den Weg in Richtung angezeigtes Missionsziel. Dabei stößt man im Minutentakt auf diverse Gegner. Die einzelnen Kämpfe werden jeweils von einem Ladescreen eingeleitet, die den Spielfluss doch etwas stört. Die damit einhergehenden kurzen schwarzen Bildschirmsekunden versetzten mich anfangs noch in Absturzschrecken, später nimmt man sie kaum noch wahr.
Wer rundenbasierende Kämpfe mag, wird hier in allen Belangen bedient. Man macht kaum zwei Schritte und schon stolpert man in den nächsten Kampf. Die Gegnerauswahl ist dabei recht breit gefächert und sorgt zumindest in dieser Hinsicht für Abwechslung. Generell führt man vier Kämpfer ins Feld, von denen einer den Nahkampfpart übernimmt und die anderen zurückbleiben und diverse Zauber wirken.
Gut gefällt dabei, dass der Werwolf als Melee die Fernkämpfer wirklich abdecken kann. Sprich versucht ein Gegner an ihm vorbeizulaufen, kann er unabhängig davon, ob er gerade an der Reihe wäre, dem Vorbeieilenden einen Passierschlag versetzen und ihn so an sich binden. Dies ist nicht unwichtig, da die Zaubernden, abgesehen vom Anführer, über eher begrenzte Hitpoints verfügen.
Das Kampfsystem an sich ist leicht zu begreifen und macht bis zu einem gewissen Grad auch Spaß. Dass man jedoch in den ersten 30 Minuten des Spiels gleich in derartig hoher Frequenz mit Gegnern konfrontiert wird, tut dem Spaßfaktor doch einen Abbruch. Gerade für Neulinge wäre hier eine kurze Phase des Kennenlernens und Erkundens wünschenswert gewesen. Im Folgenden können Sie sich selbst ein Bild machen, denn es folgt ein ausführlicher Gameplay-Trailer:
Nachdem das Intro sehr gut gesprochen war, hatte ich mich auf eine ebensolche Fortsetzung im Spiel gefreut. Leider bleiben gesprochene Passagen während des Gameplays aus und man muss sich mit dem Lesen der Dialoge begnügen. Dafür erfahren die Kampfsequenzen eine umso buntere Beschallung, denn hier wird gebrüllt, gerufen und geschrien was das Zeug hält. Die Hintergrundmusik ist gut gewählt und sorgt während der Bau- und Erkundungsphasen für düsteres Rollenspielflair.
Grafisch belässt man es im Großen und Ganzen bei der ohnehin recht ansehnlichen Gestaltung des Vorgängers und setzt nur wenige eigene Akzente. Ein weiterer Grund, warum es sich um einen Ableger des dritten Teils handelt und nicht um einen eigenständigen vierten Teil. „Disciples III: Resurrection“ bleibt der düsteren Stimmung treu und setzt auf die altbewährte Spielwelt. Natürlich verfügen die Eigenheiten der Untoten über eine eigene Gestaltung, diese folgt aber dem Konzept der Vorgänger.
Steuerung
Wie bereits erwähnt bleibt ein Tutorium für Einsteiger aus, daher werden solche eine Weile brauchen, um sich in den diversen Inventars und Untermenüs zurechtzufinden. Für Kenner der Reihe gilt ähnliches wie bei der grafischen Aufbereitung, auch hier bleibt alles beim Alten. In bester TBS-Manier erledigt man 95% der Aktionen mit der Maus und bedient sich der Tastatur nur in den seltensten Fällen. Die Kämpfe laufen etwas intuitiver ab als beim Vorgänger, somit sollten auch Neueinsteiger keinerlei Probleme in den Kampfsequenzen haben.
Der aus den Vorgängern bekannte Mehrspielermodus ist ebenfalls wieder dabei. In diesem können Sie auf vorgefertigten Karten mit maximal zwei Mitspielern abwechselnd um die Wette eifern. Dabei kann jeder Mitspieler nur eine der drei Fraktionen wählen. Somit bleiben Kämpfe à la Imperium vs. Imperium aus.
Atmosphäre
Abgesehen von den fehlenden Voiceovers und der etwas zu dichten Kampffolge zu beginn liegen die Stärken von „Disciples III: Resurrection“ ganz klar im Erzählerischen und in der Atmosphäre. Hiermit versucht man kleinere technische Gebrechen, die bereits aus dem Vorgänger bekannt sind, zu kaschieren. Akustisch und optisch kommt man als Freund der Reihe in bekannte Genüsse und auch Neulinge wird die umfangreiche Welt erfreuen.
In einigen Belangen kann „Disciples III: Resurrection“ sich durchaus positiv vom weniger gelungenen direkten Vorgänger abheben. Was bleibt, sind kleinere technische Wehwehchen. So empfiehlt es sich beispielsweise nicht, das Spiel zu minimieren, denn hier besteht eine Tendenz zum Einfrieren oder Aufhängen. Die Stärken des Spiels liegen mit Sicherheit in der erzählerischen Aufbereitung. Alles in allem macht Entwickler Akella mit diesem Titel wieder einen Schritt in die richtige Richtung. Wenn man die technischen Probleme in der Zukunft auch noch in den Griff bekommt, steht einem wirklich großartigen „Disciples IV“ nichts mehr im Weg.
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