1998 erschien der erste Teil von „Airline Tycoon“, in den Folgejahren gab es mehrfach in verschiedenen Varianten Neuauflagen. Doch erst jetzt, 13 Jahre später, ist es endlich soweit: Die Wirtschaftssimulation geht in die zweite Runde. Wir durften Kapitän spielen und freuen uns, Ihnen im Folgenden unsre Review präsentieren zu können.
Story
Wenn Sie immer schon in Niki Laudas Fußstapfen treten wollten und eine eigene Fluglinie leiten, um mit individuell gestalteten Maschinen vom Billigflieger zum weltmarktbeherrschenden Reiseunternehmer aufzusteigen, dann sind Sie bei „Airline Tycoon 2“ bestens aufgehoben. In drolliger Cartoongrafik beginnen Sie nur mit einem kleinen Büro am Flughafen und ein wenig Geld in den Taschen. Dies gilt es nun weise zu investieren. Eine Maschine gekauft, Personal und Ausstattung erworben und schon ist der erste Schritt zum globalen Player in der Flugbranche getan.
Zu sicher sollte man sich des Erfolges jedoch nicht sein, denn auch die Konkurrenz schläft nicht. Fiese Gegenspieler wie der schmierige Tuppolevsky und die schöne Natalie Childman streben ebenfalls nach Macht und Reichtum. Sie werden alles daran setzen, Sie aus dem Geschäft zu drängen. Dabei schrecken sie auch vor unlauteren Mitteln nicht zurück. Ihre Gegenspieler machen das Essen an Bord ungenießbar oder setzen den gefürchteten Ninja-Hamster in Ihren Flugzeugen aus. Gut, wenn Sie für solche Fälle vorgesorgt und in die Sicherheit investiert haben.
Gameplay
Nachdem man zu Beginn des Spiels aus vier vorgefertigten Charakteren den seinen auswählt, folgt der Einstieg in die Welt der Flughäfen und Jumbojets. In Form eines Tutorials erfährt man alles Wissenswerte rund um das Büro und den Flughafen. Im Hangar kann man beispielsweise Flugzeuge bestellen beziehungsweise bauen lassen. Hier wird man von einem kruden Ingenieur empfangen, der in groben Zügen Einstein gleicht.
Etliche anderen bekannten Gesichtern nachempfundene Gestalten warten im weiteren Verlauf auf den Spieler. Der für die optische Gestaltung Zuständige zeigt beispielsweise eine frappierende Ähnlichkeit mit einem gewissen Herrn Lagerfeld. Diese Promi-Verschnitte versuchen mit oft etwas zu bemühtem Humor den angehenden Fluglinienchef nach Kräften zu unterstützen.
Zu den Kernfeatures von „Air Tycoon 2“ zählen des Weiteren ein dynamisches Wirtschafts- und Reisesystem, Flughäfen in aller Welt, individuell gestaltbare Flugzeuge, ein 3D-Heimatflughafen, Sabotage-Features und unberechenbare Zufallsereignisse. Hier heißt es schnell reagieren, wenn der Papst zum Beispiel einen Sonderflug wünscht. Der Segen des Heiligen Vaters kann nur gut fürs Geschäft sein.
Grafik und Sound
Trotz bemühtem Comic-Outfit und in 3D gehaltenem Heimatflughafen hinkt „Air Tycoon 2“ seiner Zeit grafisch doch deutlich hinterher und erinnert so unfreiwillig sogar zu sehr an den Vorgänger. Die Charaktere sind zwar liebevoll gestaltet und auch die Flugzeuge gefallen mit ihren bauchigen Stil, dennoch vermag das Spiel den Retro-Hauch nicht so recht abzulegen. Dem Spielerlebnis tut dies zwar über weite Strecken keinen Abbruch, nichts desto trotz wäre hier noch etwas mehr herauszuholen gewesen.
Sehr gut gefallen hingegen die Synchronsprecher, die hervorragende Arbeit leisten. Trotz der manchmal etwas platten Witze bleibt hier die Qualität stets hoch. Das Spiel versucht durch manchmal erzwungen wirkende Pointen an Humor zuzulegen und erreicht dabei stellenweise genau das Gegenteil. Schade eigentlich, da die Charaktere an sich sehr gut gelungen sind. Die Hintergrundmusik gibt davon abgesehen wenig Grund zur Klage und hinterlegt die Wirtschaftssimulation mit einem passenden Easy Listening-Soundtrack.
Durch die gelungenen Charaktere, die fiesen Widersacher und die „prominenten“ Zulieferer hält „Airline Tycoon 2“ auf dieser Ebene eine ansehnlich hohe Qualität und erfreut den Spieler darüber hinaus mit dem ein oder anderen Schmunzeln. Mit der 3D-Umgebung am Heimatflughafen und dem heimeligen Büro ist auch für ein angenehmes Spielambiente gesorgt. Die Zufallsereignisse und etwaige Sabotageaktionen sorgen dabei noch für die nötige Abwechslung. So macht Wirtschaft auch ein klein wenig Spaß, auch wenn die bereits erwähnte niedrige Latte in Sachen Humor auf die Dauer doch nervt.
Alles in allem ist dem Gespann B.Alive und Kalypso Media mit „Airline Tycoon 2“ eine würdige Fortsetzung des Fluglinienklassikers gelungen. Trotz Abstrichen in Sachen Grafik und Humor, über den sich ja bekanntlich auch streiten lässt, bietet die Wirtschaftssimulation unterhaltsame Kurzweil im Comic-Format. Positiv auffallen konnten die Synchronsprecher, das übersichtliche und dabei witzig chaotische Büro und die liebevoll gestalteten Charaktere. In diesem Sinne: Many happy Landings, mit besten Fliegergrüßen, ihr Testpilot.
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