Realismus und Adrenalin pur: Wenn Sie diese Schlagworte hören, kann „F1 2011“ nicht mehr weit sein. Die Neuauflage des offiziellen Formel 1-Rennspiels ist mit einigen Verbesserungen ausgestattet und legt nun eine Bestzeit nach der anderen hin. Auch in Ihr Wohnzimmer?
Story
“F1 2011“ ist ein offizielles Lizenzprodukt, daher sind auch alle 19 Original-Strecken, sowie Teams und Fahrer der Formel 1 mit von der Partie. Die Teambesetzung ist leider nicht auf dem neuesten Stand. So fährt Nick Heidfeld weiterhin bei Renault und Bruno Senna ist gar nicht erst im Spiel. Wir hoffen, dass Codemasters dieses Manko in Zukunft mit kleinen Updates zwischendurch behebt (ohne dafür DLC-Gebühr zu verlangen).
Als Einstieg in den Rennzirkus empfehlen wir entweder das Testgelände oder einen einzelnen Grand Prix. So haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fähigkeiten zu trainieren, ohne sich gleich den Leistungsdruck der Karriere aufzuhalsen. Schließlich können Sie bei diesen Vorbereitungsrennen Ihren Fahrer und damit den Boliden frei wählen. Auf dem Testgelände geht es darum, vorgegebene Rundenzeiten zu schlagen und sich so Medaillen zu sichern. Die nötigen Zeiten sind angenehm herausfordernd und gerade die Gold-Rekorde dürften Rennexperten an die Leistungsgrenzen bringen. Doch ein Trailer sagt mehr als tausend Worte, deswegen haben wir hier ein Gameplay-Video für Sie!
Grundsätzlich unterscheidet sich „F1 2011“ von seinem Vorgänger kaum. Gleich beim Starten wird klar: Die Ambitionen sind im Karriere-Modus denkbar hoch gesteckt! In Form einer Pressekonferenz treten Sie vor die Öffentlichkeit, und die Antworten, die Sie der Presse geben, beeinflussen den Start Ihrer Karriere. Doch wenn Sie nun an ein Menü in Tabellenform denken, sind Sie schief gewickelt: Vollkommen natürlich aus der Egoperspektive sitzen Sie der Fachpresse gegenüber, und mit den Sticks dürfen Sie im Saal herumschauen. Wenn Sie etwa die Antwort „Ich will mich mit den Besten messen“ geben, wird der Schwierigkeitsgrad gleich auf Experte gestellt. Das ist Ihr Grundstock für den Karriere-Modus. Doch keine Sorge, auch Einzelrennen stehen auf dem Programm, der Mehrspieler-Modus oder auch die allseits bekannten Zeitrennen sind mit von der Partie.
Nachdem Sie (immer aus der Egoperspektive!) Ihre Entscheidungen getroffen, mit Ihrer Pressedame gesprochen und sogar schon die ersten Einstellungen vorgenommen haben, geht es darum, sich zu entscheiden: Nur ein Rennen fahren, ein kurzes Rennwochenende vornehmen oder ein langes zu probieren? Sie können zwischen den einzelnen Rennsituationen immer aufhören, zu spielen, das Game merkt sich, wo Sie waren. Sehr genial: Wenn Sie wieder einsteigen, gibt es ein Interview, das Sie dezent darauf hinweist, auf welchem Kurs Sie gerade spielen und wie das Qualifying abgelaufen ist – natürlich müssen Sie dann möglichst pressegerecht antworten. Oft ist es einfach besser, das Lächeln aufzusetzen und stumm abzunicken, als einen Frontalangriff gegen die Presse oder andere Piloten zu starten. Auch das ist in der Karriere möglich, obwohl „F1 2011“ hier ein wenig Spaßbremse spielt und die Karriere gleich auf fünf Jahre begrenzt mit dem Ziel, Sie als Weltmeister zu sehen. Naja.
Auf der Strecke tut sich wie bei jeder Sportumsetzung hinlänglich Bekanntes, so sind die Flaggensignale allesamt integriert, der Boxenfunk wurde noch stärker in Ihr Fahrerlebnis einbezogen, und das Wetter macht Ihnen immer wieder mal einen Strich durch die Rechnung. Boxenstopps und eine konstante Fahrweise – leider eine Schwäche des Redakteurs – sind somit ein Muss, und an dieser Stelle muss ein Lob ausgesprochen werden: Während auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad ein Sieg vom letzten Startplatz weg zwar knifflig, aber nicht unmöglich ist, wird mit einem Hochschrauben der Einstellungen das Fahrerlebnis immer intensiver und realistischer. Nicht selten bedeutet dann ein unnötiger Dreher wegen dem berühmten „Wer bremst, verliert“-Fehldenken den Verlust von Punkten, und im schlimmsten Fall ist sogar die WM gefährdet.
Gerade der Boxenfunk muss nochmals hervorgehoben werden: Im neuesten Teil geben die Boxenmitglieder regelmäßig Auskunft, wie es an der Wetterfront aussieht, in welchem Zustand sich die Straße gerade befindet und wie es dem eigenen Teamkollegen geht. Auch die Stimmung – dazu später mehr – ist eine Wucht, vor allem, wenn Sie im zweiten Rennen den ersten Sieg einfahren, nachdem Sie im ersten Rennen gerade mal 16. geworden sind. Apropos Platzierungen: In „F1 2011“ gibt Ihnen Ihr Team im Karriere-Modus immer Vorgaben, welche Platzierung es im Qualifying sowie im Rennen zu schaffen gilt. Das sorgt für Motivation, und den zweiten Fahrer regelmäßig alt aussehen zu lassen, gefällt sogar dem Anti-Racer.
Gleich vorweg: Ja, es wurde beim Menü-Design einiges von „Colin Mc Rae DiRT“ sowie dem direkten Vorgänger „F1 2010“ abgeschaut. Die flüssigen Einblendungen während der – etwas langen – Ladezeiten sind nicht neu, sehen aber dennoch sehr gut aus, passen zu den modernen High-Tech-Umgebungen und stören so das Gesamtbild überhaupt nicht! Nebenbei erfahren Sie auch etwas über Ihre eigene Leistung, etwa die Anzahl der Top 10-Platzierungen, dem erreichten Highspeed oder die gewonnenen Grand Prix. Es mag anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, dass Sie kein Menümonster vor sich haben, aber aus spieltechnischer Sicht gefällt diese Umsetzung wirklich gut.
Ansonsten bleibt zu sagen, dass die Boliden sehr ordentlich aussehen und auch das Schadensmodell klasse funktioniert, einzig und allein die Texturen bei manchen Umgebungen und auch die Kleidung der Boxenleute sieht ab und zu etwas schwammig aus. Auch die Schatten sind à la „Gran Turismo 5“ extrem verpixelt, doch wer achtet schon auf die Schatten, wenn er oder sie mit über 300 km/h unterwegs ist? Im Regen fahren hat noch nie so klasse ausgesehen, und die erschwerten Bedingungen werden Ihnen die Schweißperlen auf die Stirn treiben...
An der Soundfront gefällt uns „F1 2011“ ebenfalls recht gut, allerdings gibt es hier Licht und Schatten: Während beim Fahren jeder Tropfen und jeder Belag seine eigenen Töne verursacht und auch die Boxenfunker sehr überzeugend klingen, sind die Journalistinnen und Journalisten nicht ganz so toll vertont worden. Da sich aber der Großteil des Geschehens auf der Strecke abspielt, fällt dieser Punkt eher weniger ins Gewicht. So bleibt kein Zweifel offen, dass Sie mit „F1 2011“ das beste Spiel seiner Art erwartet – wenngleich hier tatsächlich noch viel Luft nach oben ist.
Realismus wird in „F1 2011“ groß geschrieben, und neben Gas und Bremse benötigen Sie nur die Lenkung und die Kameraeinstellung. Spielen Sie nicht gerade auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad, schlägt die Physik gnadenlos zu: Kaum schalten Sie einmal die Traktionskontrolle und die ABS-Funktion ab – ein Irrsinn, wenn Sie mit 300 km/h und mehr unterwegs sind –, haben Sie den größten Spaß an der Freude und tanzen schon mal Walzer mit Ihrem Boliden.
Überhaupt ist „F1 2011“ eher ein Spiel für Fortgeschrittene. Der Einstieg ist aufgrund fehlender echter Übungsmodi (außer Einzel-Grand Prix) nicht ganz einfach. Daher sollten Sie – falls Sie Fan von Arcade sind – auf jede Fahrhilfe zurückgreifen, die Ihnen angeboten wird. Mit Traktionskontrolle und einer dynamischen Hilfslinie fährt es sich deutlich gemütlicher, wenngleich noch immer nicht leicht. Codemasters bietet Ihnen entweder eine Handvoll vorgefertigter Schwierigkeitsgrade an oder auch die freie Auswahl über die kleinen elektronischen Helfer. Auf maximaler Simulationsstufe sind die PS-Monster der Formel 1 echte Asphalt-Diven und brechen bei minimalen Fahrfehlern schneller aus, als Ihnen lieb ist. Doch genau hier liegt die Herausforderung bei „F1 2011“.
Fans dürfen sich hier mit der Fahrphysik der Boliden auseinander setzen. Bei maximaler Simulationsstufe haben unzählige Faktoren Einfluss auf deren Verhalten: Fahren Sie etwa mit einem vollen Tank, verlängert sich der Bremsweg vor Kurven und der Wagen ist eine Spur langsamer auf den Geraden. Wagen Sie einen Abstecher ins Kiesbett, sammeln sich Steinchen in den Reifen und der Wagen liegt alles andere als gut auf der Straße, bis Sie eine halbe Runde abgespult haben und der Reifen wieder sauber ist. Sogar das Safety Car ist erstmals mit von der Partie, und das gefällt außerordentlich gut. Nur die Strafen werden teils sehr leicht vergeben, da muss noch am Balancing gefeilt werden.
Über LAN, Splitscreen oder Internet dürfen Sie sich mit Fahrern aus aller Welt messen, und hier gibt es endlich Neues zu vermelden: Der neue Online-Championship steht ganz klar im Mittelpunkt. Denn hier treten Sie gemeinsam an und kämpfen als Team um Punkte. Aber auch hier gilt: Die Nummer Eins bekommt früher die Upgrades und ist somit im Vorteil, da das Team diesen Fahrer stärker unterstützt. Ein spannender Modus, der sicherlich seine Freunde finden wird! Weniger aufregend der Splitscreen-Modus für zwei Spieler: Hier wurde die Grafikqualität zugunsten der Spielbarkeit herunter geschraubt. So sieht das Spiel immer noch ordentlich aus, aber eben doch nicht ganz so hübsch wie im Singleplayer. Besser jedoch als „F1 2010“, das weder Online-Championship noch einen Splitscreen hatte. Cooler Einfall!
Atmosphäre
Die Karriere bildet den Mittelpunkt des Spiels. Hier starten Sie als Newcomer in der Formel 1 bei einem relativ schwachen Team. Über das Meistern von durch die Teamleitung auferlegte Aufgaben sammeln Sie sogenannte Rufpunkte. Diese entscheiden nicht nur darüber, wann Sie Angebote von besseren Teams bekommen, nein, auch der Konkurrenzkampf im eigenen Lager entbrennt. Denn nur die Nummer Eins erhält frühzeitig Upgrades und wird von der Crew bevorzugt behandelt. Die Karriere geht leider – wie vorhin schon erwähnt – nur über fünf Jahre. Gerade Core-Gamern erscheint diese Zeit ein wenig zu kurz, alle anderen sind aber mit den rund 100 Rennen plus Qualifying und Training gut bedient.
Die Karriere bietet insgesamt gute Leistung fürs Geld, auch wenn ein wenig die typische F1-Atmosphäre fehlte. Die Interviews nach den Rennen sind ziemlich öde, der Teamkollege ist nur ein Fahrer wie jeder andere und generell könnte man noch so viel mehr im Karriere-Modus erwarten: Sogar nach dem ersten Sieg gibt es keine Pressekonferenz, sondern nur den gleichen Journalisten, der fragt, wie gut Sie sich gerade fühlen. Naja.
Trotz der makellosen Präsentation der Rennen, klasse Wiederholungsfunktionen, guten gegnerischen Fahrer und der Vielzahl an Verbesserungen ist auch „F1 2011“ nicht ganz perfekt. Die Stimmung reißt nach den Rennen immer ab, obwohl es Befragungen durch Journalisten gibt. Schön, dass es Strafen und das Safety Car gibt, doch manchmal ist total unverständlich, warum man eine Zehn-Sekunden-Strafe erhalten hat. Abgesehen von Potenzial nach oben gilt nur eins: Wenn Sie ein Fan der Formel 1 sind und genügend Freizeit übrig haben, gibt es für Sie keinen Grund, sich „F1 2011“ nicht anzusehen. Die Authentizität sowie die Atmosphäre rund um Sie als Piloten sind wirklich gelungen, und so fällt die Wahl wohl immer auf das lange Rennwochenende. Wenn Sie nach einer Stunde beginnen, sich selbst zu verfluchen, hat sich der Kauf gelohnt ...
Die Vorteile für registrierte User auf GamingXP werden nach Abschluss der Beta-Phase noch weiter ausgebaut. Helfen Sie mit, das beste GamingXP aller Zeiten zu bauen!
Melde dich gleich jetzt für die Closed Beta des XP Clubs an! Es erwarten sich coole Community-Aktiväten und attraktive Preise! Hier geht's zum XP Club!