Da der neueste Titel in der „Men of War”-Serie aufmarschiert, haben wir keine Mühen gescheut und uns durch den tiefen Dschungel Vietnams gekämpft, um Ihnen im Folgenden unsere Review zum Echtzeit-Taktikspiel präsentieren zu können. Ob „Men of War: Vietnam“ die Qualität der Vorgänger halten kann, erfahren Sie hier.
Story
„Men of War: Vietnam” verlagert wie der Name schon sagt seinen Handlungsschwerpunkt in den südostasiatischen Konflikt Ende der 60er Jahre. In der Szenerie des wohl bekanntesten Stellvertreterkrieges, während der Ära der ewigen Zwistigkeiten zwischen kommunistischem Osten und kapitalistischem Westen, ist der größte neue Verbündete und gleichzeitig der größte Feind die grüne Hölle des Dschungels. Während die meisten Aspekte des Spiels den Vorgängern ähneln, dominiert die geographische Lage das Gameplay. Neue Waffen, neue Maps und ein der damaligen Zeit entsprechender Rock and Roll-Soundtrack komplettieren die Neuerungen.
„Men of War: Vietnam” bietet mit zwei Kampagnen einen neuen Zugang. Hatten sich bisher Spiele, die sich mit dem Vietnamkrieg befassten, ausschließlich auf den US-amerikanischen Aspekt konzentriert, so bietet dieser Titel die Möglichkeit beide Seiten der Geschichte kennen zu lernen. Zum einen gibt es das Special Ops Team von Sergeant John Merrill, Machinegunner Jim Walsh, Sniper Sonny Armstrong, Grenadelauncher Operator Carl Dillan und Combatengineer Bill Kirby, die sich – mal auf sich gestellt, mal im großen Verband mit anderen Truppen – durch den Dschungel Vietnams kämpfen.
Zum anderen besteht die Möglichkeit, eine Kampagne auf Seiten der Nordvietnamesen zu spielen. Hier steuert man eine von russischen Militärberatern unterstützte Vietcong-Einheit. In beiden Kampagnen variieren die zur Verfügung stehenden Truppengrößen je nach Mission. So bietet „Men of War: Vietnam“ vom Kommandounternehmen bis zur ausgewachsenen Schlacht alles. Größtes Manko ist hierbei die Länge der jeweiligen Kampagne. Fünf Missionen pro Kampagne sind einfach zu wenig, auch wenn diese zum Teil brutal schwer sind und dementsprechend viel Zeit in Anspruch nehmen.
Die Vielfalt an taktischen Möglichkeiten ist hingegen verblüffend. So sind dem Spieler unzählige Mittel in die Hand gelegt, mit Hilfe derer man sich gegen den Feind stemmen kann. Da beispielsweise ein Kopfschuss tödlich sein und eine Granate auf kurze Entfernungen enormen Schaden anrichten kann, sollte man als Spieler auch gewillt sein, aus diesem reichhaltigen Repertoire zu schöpfen, denn ansonsten wird „Men of War: Vietnam“ schnell zu einer frustrierenden Angelegenheit.
Neben dem bereits erwähnten großartigen Soundtrack verfügt das Spiel über solide Soundeffekte. Wie auch bei der Grafik verlässt man sich hier auf altbewährtes und lässt sich auf wenig Experimente ein. Die Grafik gefällt, vermag einen aber nicht zu Ausrufen des Erstaunens hinreißen. Trotz dichtem Dschungel bleibt das Schlachtfeld stets überschaubar und die gewählten Settings lassen durchaus Dschungelflair aufkommen. Jede Menge spektakulärer Explosionen, immerhin befinden wir uns im Zeitalter des Napalm, runden das optische Erlebnis ab.
Steuerung
Da die größten Änderungen im Vergleich zu den Vorgängern auf Zeit und Ort begrenzt sind, werden sich alte Männer des Krieges sofort zurecht finden. Denn in Puncto Steuerung hat sich wenig bis nichts geändert. Die Steuerung von Panzern und anderen motorisierten Fahrzeugen geht ebenfalls leicht von der Hand und sollte den Spieler vor keine Probleme stellen.
Eine wichtige Neuerung ist der ausreichend Deckung bietende Dschungel. So kann und sollte man sich oft unentdeckt an feindliche Stellungen heranpirschen und den Überraschungsmoment nutzen. Natürlich gilt dies auch für den Feind. Zu beachten ist, dass durch das Dickicht auch die Trefferquote der eigenen Soldaten reduziert ist.
Die bereits oben erwähnte Fülle an Möglichkeiten mag Neulinge abschrecken, da man mangels Tutorium direkt ins Haifischbecken geworfen wird. So lernt man schnell, dass bloßes Laufen und Schießen in diesem Spiel nicht reicht. Auch die Kamerabewegung mittels Maus bereitet zu Beginn gern Kopfschmerzen, da sie etwas grob reagiert. Nach einer kurzen Phase des Einspielens oder vielmehr des Einsterbens gewöhnt man sich aber auch daran.
Der Multiplayer-Modus lässt ein wenig zu wünschen übrig. „Men of War: Vietnam“ bietet bis zu vier Spielern via Internet oder LAN die Möglichkeit, sämtliche Missionen des Spiels als Coop zu bestreiten. Da diese stellenweise sehr lang sind, sollte man sich mit verlässlichen Mitspielern umgeben.
Eine PVP-Variante vermisst man bis dato zur Gänze und dank einer nicht nachvollziehbaren Zuteilung muss man sehr lange auf ein Spiel warten. Hat man dann jedoch die richtigen Mitstreiter gefunden und die Wartezeit überbrückt, bietet die grüne Hölle Vietnams auch im Multiplayer-Modus ein solides Spielvergnügen.
Atmosphäre
Es gehört sicher nicht zu den leichtesten Aufgaben, den Vietnamkrieg authentisch auf den PC-Bildschirm zu bringen. Womit die 1C Company hier aber überzeugen kann, ist der gelungene, kontemporäre Soundtrack und die Vermittlung der vollen Brutalität, die dieser Krieg damals mit sich brachte. So kommt trotz einiger Schwächen, wie ungewollt komischer Synchronstimmen, einer verbesserungswürdigen Story und des teils beinharten Schwierigkeitsgrads, Vietnam-Stimmung auf – soweit man bei diesem Kapitel der Geschichte von Stimmung sprechen kann.
Zahlreiche neue Fahrzeuge, Geschütze und Waffen auf beiden Seiten, neue Maps und ein angepasster Soundtrack machen in Verbindung mit einem erprobten Gameplaykonzept „Men of War: Vietnam“ zu einer gelungenen Fortsetzung, die jedoch nicht ganz ohne Schwächen auskommt. Der Schwierigkeitsgrad ist ansprechend bis knallhart, jedoch stets bewältigbar, die taktischen Möglichkeiten vielfältig. Sieht man von der etwas wackligen Story, dem mäßig ausgefallenen Multiplayermodus und einigen weiteren kleineren Verfehlungen ab, so steht zahlreichen packenden Stunden am Ho Chi Minh Trail, im Mekongdelta oder bei Schlachtzügen nach Kambodscha und Laos nichts mehr im Wege.
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