Wann wird der Jäger zum Gejagten? Ja, im neuen „Carnivores“-Teil vielleicht, wenn Sie sich mit übermächtigen Dinosauriern anlegen.
Jagen ist ein Urinstinkt des Menschen. Schon seit der Steinzeit hat sich der Mensch, meist der Mann, bewaffnet auf die Pirsch gemacht, um Beute zu erlegen, seine Familie und Nachkommen zu versorgen und seine Art zu beschützen. Gegen wilde Tiere, Außerirdische, Naturkatastrophen und sogar die eigene Spezies kämpft der Mensch seither. Und das nicht nur in der Realität, sondern sehr wohl auch virtuell in diversen, erfolgreichen Spielen.
Abstrus, aber gewaltfrei
So stehen Spielerinnen und Spieler schon seit Langem mit Lightguns oder schlichtweg dem Controller bewaffnet vor dem heimischen Fernseher und jagen mehr oder minder gefährliche und schön anmutende Pixelhaufen. Darunter nicht nur die Klassiker wie Rehe, sondern auch Bären, Elefanten, Dinosaurier, Echsen, Leguane … stop, Dinosaurier? Ja, seit 1998 gibt es die Serie „Carnivores“, die ursprünglich von Action Forms entwickelt wurde, und in der man auf die Jagd nach Dinosauriern geht.
Neu umgesetzt hat das Spielprinzip der Entwickler Tatem Games geinsam mit Publisher Beatshapers, 2010 zunächst mit dem ursprüngliche „Carnivores: Dinosaur Hunter“ zuerst für Apples iOS, dann auch für die PlayStation Minis. Jetzt haben sich die Entwickler daran gemacht, den Klassiker „Carnivores: Ice Age“ aus dem Jahr 2001 nicht nur für das iPad, sondern auch für die Minis-Plattform umzusetzen.
Aufgespießt
Sie starten im Hauptmenü und haben zuerst 50 Credits. Diese Credits vergeben Sie nacheinander auf eine der fünf Karten, die Dinosaurier, die Sie jagen wollen, und Ihre Ausrüstung. Je mehr Dinosaurier Sie dann erlegen, desto mehr Credits bekommen Sie gutgeschrieben und desto weiter können Sie im Spiel voranschreiten. Das Spielprinzip ist simpel, aber süchtigmachend, denn Sie wollen immer „nur noch zehn Punkte“, um den neuen Dino freizuschalten, den Sie dann wieder mit der neuen Waffe jagen gehen.
Mein erster Ausflug führt mich auf die sonnige Anfangsinsel, auf der ich – mit einer simplen Pistole und 20 Schuss bewaffnet – ein prähistorisches Rhinozeros jagen will. Auf eine Tarnung oder auch Betäubungsmunition verzichte ich, würde das doch nur meine Punkte prozentuell pro Abschuss schmälern. Die Minikarte zur Orientierung auf der Insel und für das Ausmachen der Tiere lasse ich aber eingeblendet, obwohl ich dadurch einen Punkteabzug erdulden muss.
Während ich also von meinem zufälligen Startpunkt aus in Richtung des nächsten Tieres wandere, achte ich darauf, dass ich immer gegen den Wind laufe, um nicht gerochen zu werden, und mich nicht zu schnell bewege. Ah, da ist es schon – mein Opfer! Es bewegt sich nur langsam, also perfekt für mich, der seit letztem Herbst das Spiel nicht mehr trainiert hat. Ich ziehe also die Waffe, zoome heran, verfolge die lahme Bestie und … drücke ab. Mist! Daneben! Ohje, es läuft und zieht einen weiten Bogen – wo ist es nur? Plötzlich höre ich Getrampel … und im nächsten Moment eine Art „Wiehern“, als die Kamera heraus schwenkt und mein Alter Ego im Spiel am Horn des Dinosauriers baumelt. Ein Neustart ist angesagt …
Punkte über Punkte
Das kratzt natürlich an meinem Ehrgeiz … und nach dem ersten Abschuss geht es gleich weiter. Aber: Vorsicht! Haben Sie ein Tier erlegt und somit Punkte gutgeschrieben, müssen Sie auch noch sicher von der Insel entkommen, um die Credits tatsächlich zu bekommen und den virtuellen Mehrtonner in den interaktiven Trophäen-Raum zu stellen. Interaktiv? Ja, denn bei jedem Abschuss werden Ihnen die Daten Ihrer Leistung im Spiel selbst eingeblendet. Im Trophäen-Raum können Sie diese dann nochmals abrufen. Mit welcher Waffe haben Sie das wie schwere Tier auf wie viele Meter entfernt erlegt?
Nach kurzer Zeit befinden Sie sich in einer Art Blutrausch, der Sie nicht mehr loslässt, weil die Balance zwischen Frustration und Erfolg sehr gut gelungen ist. So sind die Abschüsse von Beginn an nicht einfach, denn anfänglich gehen Sie vor allem auf die unschuldigen Schweine los, weil Sie leichte Beute wittern. Diese bringen jedoch keinerlei Punkte. Haben Sie aber dann einmal Ihr Punktekonto aufgefettet, verläuft die Kurve sehr schön nach oben. Sie können sich selbst an neue Gebiete oder neue Dinos wagen, neue Waffen austesten oder gemächlich mit dem bisherigen Equipment arbeiten. Übrigens: Blut gibt es im ganzen Spiel keines zu sehen, was den Titel auch für jüngere Spieler unbedenklich macht.
Grafik, Sound und Steuerung
Die Grafik wurde 1:1 aus der PC-Version von 2001 übernommen, bietet schöne Landschaften und detaillierte Texturen. Was vor allem im Gegensatz zu „Carnivores: Dinosaur Hunter“ auffällt, ist, dass die Dinosaurier klarer vom Hintergrund unterscheidbar sind und damit das Spiel einfacher geworden ist.
Die Musik versetzt Sie direkt in den Urwald, in eine Art Überlebenscamp á la „Robinson’s Requiem“. Wenn Sie dann auch noch den Ruf der gejagten Dinosaurier-Gattung durchführen, wissen Sie: Sie sind mittendrin statt nur dabei und müssen sich Ihre Punkte beinhart verdienen.
Die Steuerung wirkt auf den ersten Blick etwas überladen, wird aber schnell gewohnt. Das virtuelle Handbuch mit über 25 Seiten bietet einen guten Überblick, wobei generell die Hintergrundgeschichte fehlt.
Zusammenfassung
Okay, gehen wir mal davon aus, dass Sie den Vorgänger nicht kennen und dadurch nicht vorbelastet sind – warum sollten Sie sich dieses Spiel ansehen? Ja, ganz einfach: Es gibt keine bessere Jagdsimulation auf der PSP, vor allem zu diesem geringen Preis. Das Setting ist sehr einzigartig, die Motivationskurve gut gelungen und das Spiel ein Klassiker auf seinem Gebiet. Jeder, der etwas mit Jagd auf dem Hut hat, kann hier bedenkenlos zugreifen. Das Spiel wirkt noch dazu weit besser als der Vorgänger vor einem Jahr!
Die Vorteile für registrierte User auf GamingXP werden nach Abschluss der Beta-Phase noch weiter ausgebaut. Helfen Sie mit, das beste GamingXP aller Zeiten zu bauen!
Melde dich gleich jetzt für die Closed Beta des XP Clubs an! Es erwarten sich coole Community-Aktiväten und attraktive Preise! Hier geht's zum XP Club!