Jung, gefährlich, blutig: Die Dhampirin Rayne versucht, in „BloodRayne: Betrayal“ lebend durch den blutigen Titel zu kommen. Wir haben uns durch die Horden der Gegner geschnetzelt und haben überlebt, um die Geschichte zu erzählen...
Charakter und Story
Ein Dhampir ist gemäß der Folklore Südosteuropas und in Vampirromanen das Kind eines Vampirvaters und einer menschlichen Mutter. Seltener ist in fiktionalen Geschichten auch das Umgekehrte möglich. Einem Dhampir wird nachgesagt, dass er die einmalige Fähigkeit besitze, Vampire auch dann zu sehen, wenn sie unsichtbar sind und besonders geeignet sei, sie zu töten. Meist besitzen Dhampire die Vorteile der Vampirkräfte und weniger Schwächen als gewöhnliche Vampire, etwa gegenüber dem Tageslicht, jedoch zieht ihre Existenz auch zahlreiche übliche Nachteile wie den vampirtypischen Blutdurst nach sich. Rayne hat diesbezüglich nicht gerdae Glück gehabt, sie ist mit dem Blutdurst und mit der Schwäche gegenüber Tageslicht geschlagen. Sie wurde von den Vampirjägern der Brimstone Society für eine letzte Mission rekrutiert, um mit einem mysteriösen neuen Kollegen ein übles Vampir-Massaker zu verhindern. Klingt gut? Sehen Sie hier einen Trailer!
Hier erwartet Sie im Franchise von Rayne nichts Neues: Feinste Splatter-Action, die sich im 2D-Universum von links nach rechts zieht. Die Protagonistin hat einiges drauf, so können Sie ähnlich wie Chun-Li aus „Street Fighter IV“ einbeinig auf den Gesichtern der feindlichen Vampire herumtanzen, mittels Revolver einfach mal eine Reihe Gegner auf einmal erledigen oder die guten, alten Armklingen in Blut baden. Je nachdem, ob Sie sich in der Angriffskombination ducken oder dabei springen, verändert Rayne ihren Angriffsstil, und im Prinzip steht dem Buttonmashing-Fest nichts mehr im Wege.
Damit es aber kein reines Kampfspiel wird, hat Way Forward mit knackigen Levels vorgesorgt. Es gilt, von links nach rechts durch die teils düsteren Stages zu springen, auf weitflächigeren Ebenen Wellen an Gegnern zu erlegen und anschließend Brunnen in Blut zu tauchen, die als Checkpoints fungieren. Sterben werden Sie in „BloodRayne: Betrayal“ häufig, da es nicht nur die gegnerischen Vampire, sondern auch die Umgebungen teils ganz schön faustdick hinter den Ohren haben. Explodierende Fallen, Revolverhelden, die Ihre Sprünge aus sicherer Entfernung unterbrechen oder fliegende Kreaturen, die Sie von oben herab zermürben: Geschenkt wird Ihnen in diesem Titel nichts. Nach etwa sechs Stunden Gratwanderung zwischen Motivation und Frustration sehen Sie den Abspann des Titels, und um es gleich vorwegzunehmen: Der Wiederspielwert ist unerwartet hoch...
Ein schräger Mix zwischen „Dishwasher“, „Castlevania“ und „Shank“ würde die optische Aufmachung am ehesten beschreiben. Das Erlebnis fängt nach einer netten Cutscene relativ bunt an, bevor Sie die ersten Schwarz-Weiß-Passagen hinter sich bringen, und mit Farben wurde bei manchen Teilen bestimmt nicht gespart. Blut fließt zwar generell in rauen Mengen, so richtig splatter-like allerdings nur, wenn Sie die Feinde im Nahkampf enthaupten oder selbst das Zeitliche segnen. Das Spiel lässt Sie an diversen Passagen auch gerne hängen, so ist es bei zugebauten Levels nicht rasch ersichtlich, wo Sie weiterspringen müssen, und manche Säulen stehen im Vordergrund, andere im Hintergrund. Hier hätte eine subtile optische Maßnahme, was nun vorne und was hinten steht, Wunder bewirkt.
Gelbes Licht (sprich: Sonne) tut Ihrer Heldin nicht gut, und im Eifer des Gefechts übersieht man den gelben Strahl doch zu gerne, was wiederum wertvolle Lebensenergie kostet. Das Vampir-Franchise hat eben seinen ganz eigenen Stil, und „BloodRayne: Betrayal“ bleibt diesem in allen Dingen treu. Auch beim Sound: Manchmal hektische Elektro-Tunes treffen auf die kampfüblichen Effekte wie Schmerzensschreie, Klingen, welche durch Fleisch schneiden und Todesflüche. Die Sounddichte ist bemerkenswert hoch, doch sogar dem geneigten Gamer kann dies beizeiten zu viel werden.
Hier hat „BloodRayne: Betrayal“ die Nase vorn: An der Steuerung liegt es nicht, dass das Game so richtig schwer ist. Durch einfache Tastendrucke auf die Angriffstaste vollführen Sie die mächtigsten Kombinationen, in Verbindung mit Sprung und Ducken können Sie sogar dem Großteil der feindlichen Angriffe ausweichen. Mittels Sprint dürfen Sie sich auch mal schnell aus dem Staub machen, bevor Sie mit einer aufgeladenen Attacke den nächstgelegenen Angreifer in Scheiben schneiden!
Einzig und allein die Sprungeinlagen fühlen sich teils etwas ungelenk an, so müssen Sie etwa Mario-like an einer Wand entlang hüpfen, was sich aber niemals so gut anfühlt und auch nicht so leicht funktioniert. Auch das Blutsaugen ist so eine Sache: Es ist zum Aufladen der Lebensenergie von Rayne gedacht, aber Sie können es erst einsetzen, nachdem der Gegner getroffen wurde und kurz betäubt ist. Werden Sie währenddessen von einem anderen Gegner getroffen, müssen Sie das Prozedere von vorne beginnen...
Atmosphäre
Stimmungsvoll, düster, blutig: Fans der Vampirspiel-Reihe werden auch „BloodRayne: Betrayal“ sofort in ihr Herz schließen. Der gewohnt hohe Schwierigkeitsgrad schließt auch in diesem Teil wieder die Neulinge relativ schnell aus, da diese vermutlich schon im dritten bis vierten Level das Handtuch werfen werden - zu frustrierend das Gameplay, zu steil die Lernkurve, welche diesen Namen ohnehin kaum verdient. Wenn Sie auf blutige Abenteuer stehen, machen Sie mit „BloodRayne: Betrayal“ nichts falsch, doch Vorsicht: Das Spiel nimmt keine Gefangenen. Ist es zu schwer, sind Sie zu schwach...
„BloodRayne: Betrayal“ ist nicht für jedermann geeignet: Es treibt zwar die Tradition der Serie gelungen voran, aber lässt dennoch die Neulinge - wieder einmal - außen vor. Die Stimmung im Spiel stimmt, doch es gibt einige Fehler, die frustrieren können, und auch die Story verliert im Spielverlaufs an Bedeutung. Schade eigentlich, da sich „BloodRayne: Betrayal“ doch sehr bemüht, dem Erbe seiner Vorgänger gerecht zu werden. Es reicht nicht ganz aus, um ein ganz großer Hit zu werden, aber vielleicht schafft es ja der nächste Teil...
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