Einer der einflussreichsten Titel für die Xbox 360 geht in die dritte Runde. „Gears of War 3“ ist eines der Games für die man sich glatt eigens eine Xbox 360 zulegt. Die Gründe dafür lesen Sie im folgenden Review. Let the war begin!
Story
Für „Gears of War“-Neulinge bietet der dritte Teil als idealen Einstieg einen Rückblick auf die Geschehnisse in den ersten beiden Teilen. Da das kurze Movie sehr gut gelungen ist, will ich hier nicht allzu viel verraten. Die „Gears“-Elite wird sich ohnehin erinnern können und Neueinsteiger kommen so in den jungfräulichen Genuss der ganzen Story. Soviel sei jedoch erzählt: Die Menschheit ist über den ganzen Planeten verstreut. Die Zivilisation liegt in Scherben und nur wenige Überlebende führen immer noch einen erbitterten Kampf gegen die feindlichen Biester. Wäre das nicht schon genug der Herausforderung, taucht nun auch noch ein neuer Feind auf.
Die Glowies, wie sie vom Delta Squad liebevoll getauft wurden, stellen eine komplett neue und fremdartige Bedrohung dar. Nichts desto trotz gilt auch hier der Grundsatz: Es blutet, also können wir es töten. Wenn auch das Blut in diesem Fall nicht klassisch rot, sondern gelb ist und die Ungetüme explodieren, anstatt anständig auszubluten.
„Gears of War 3“ verblüfft gleich zu Beginn mit einer erstaunlichen Vielzahl an Spielmodi. So kann man alle Inhalte in einem Koop-Modus für bis zu fünf Spieler bestreiten, sofern man Online-Gaming nicht scheut. Bereits lokal besteht immerhin die Möglichkeit, die epische Kampagne zu zweit zu bestreiten. Doch zu all allererst wollen wir einen Blick auf den Singleplayermodus werfen, genauer gesagt auf die „cinematic, storybased campaign“, wie sie im Spiel betitelt wird.
Alles beginnt mit einer etwas verwirrenden Cutscene, in der Marcus Fenix aus seiner Zelle befreit wird, um seinem Vater zu Hilfe zu eilen. In diesem visionsartig gestalteten Prolog kann man sich in aller Kürze mit dem Zielen, Feuern und Ducken vertraut machen. Das sind und bleiben die drei wichtigsten Aktionen im Spiel. Nun erlegt man in dieser „Vision“ seine ersten „Glowies“ und erspäht erstmals ein riesiges spinnenartiges Untier, das Böses erahnen lässt. Danach finden Sie sich in der Realität wieder und machen sich auf den Weg, Fenix‘ Truppe zusammenzutrommeln. Dom, Jace und Anya lassen sich nicht lang bitten und folgen Marcus zum Helikopterlandeplatz, wo man auf Chairman Prescott trifft. Dieser händigt Ihnen im Vorbeigehen eine Disc aus, und auf dem Weg zum einem Computer beginnt auch schon eine wüste Schießerei.
Die „Glowies“ haben den Unterschlupf der Menschen entdeckt, genauer gesagt das Schiff, auf dem Sie sich zu Beginn befinden. Während Sie sich Ihren Weg durch die explodierenden Gegner bahnen, taucht ein riesiger Leviathan auf und macht sich daran, das Schiff zu zerstören. Es folgen eine wilde Hatz über den schwimmenden Untersatz und ein actiongeladener Showdown, der in der Explosion des Schiffes mündet. Wir sehen Dom und Marcus über Bord springen. Cutscene. Helikopteranflug auf Hannover. Cole freut sich über eine Heimkehr. Neues Team, gleiche Aufgabe: Kill them all!
Seit die ersten Screenshots von „Gears of War 3“ kursierten, waren die Erwartungen hoch und die Hoffnungen noch viel höher - und sie werden nicht enttäuscht. Der dritte und finale Teil der legendären Saga schenkt sich in Sachen Grafik nichts und bleibt noch weniger schuldig. Von fließenden Charakteranimationen über eine zerstörbare Umwelt bis hin zu spektakulär explodierenden Feinden bietet „Gears of War 3“ alles. Allein die dynamische Kameraführung beim Sprinten und Überspringen von Hindernissen sorgt für geradezu cineastisches Actionfeeling. Darüber hinaus sind die Settings der Story entsprechend ruinös und dreckig gestaltet.
Etwas bröckelnder Beton, ein verlassenes, verrostetes Karussell hier, ein ausgebranntes Autowrack dort unterstreichen die Endzeitstimmung, die im Stil zwischen den anarchistisch-wüstenartigen Schauplätzen von „RAGE“ und den kargen, verlassenen Einöden von „Resistance 3“ angesiedelt ist. Hier wird weniger auf Stimmung abgezielt, dafür mehr Wert auf grandiose Straßenschlachten mit viel Movement gelegt. An Kampfdynamik lässt sich hier kaum mehr herausholen. Aber ich schweife ab, zurück zum Thema. Ähnlich wie mit der Grafik verhält es sich auch mit dem Sound (zumindest im englischen Original). Die Dialoge wirken authentisch und zeugen zum Teil von rüdem, zur Situation passendem Humor. Die musikalische Untermalung schleicht sich eher subtil ins Unterbewusstsein und sorgt in Stresssituation für einen noch festeren Griff um den Controller und hervortretende Fingerknöchel.
Eine klassische Shooter-Steuerung gepaart mit der dynamischen Kameraführung sorgt für ein Actionerlebnis, das kein Auge trocken lässt. Selbst für Spieler mit wenig Shooter-Erfahrung ist die Steuerung leicht zu erlernen und man kann sich rasch auf das Wichtige, nämlich das Erledigen lästiger Aliens, konzentrieren, ohne ständig mit einem Auge auf den Controller schauen zu müssen. Sprinten, Zielen, Feuern und Deckung suchen gehen ebenso leicht von der Hand wie das Laufen und Kameraschwenken. Eigentlich bin ich kein großer Freund von Konsolenshootern, da ich mit Maus und Keyboard besser zu Recht komme, aber „Gears of War 3“ ist einer der ersten Titel, die mich diese Ansicht überdenken lassen. Größeres Lob vermag ich kaum auszusprechen.
In wenigen Worten zusammengefasst ließe sich sagen: Alles, was spielbar ist, ist auch für mehrere Teilnehmer geeignet. Das beginnt bei der Kampagne, die entweder via Splitscreen zu zweit oder via Xbox Live mit bis zu vier Freunden bestreitbar ist. Es folgt der „Versus“-Modus, der bis zu zehn Spielern erlaubt sich in fünfköpfigen Teams aufeinander zu stürzen und schließlich die beiden Wave-Modi. Hierbei baut man entweder als Horde oder als Beasts einen Stützpunkt, den es daraufhin gegen unzählige Wellen von Gegnern zu verteidigen gilt. Dabei kann man sich eines ausgeklügelten Updatesystems bedienen, das einen Ausbau der Basis beziehungsweise der Verteidigungsanlagen erlaubt. Diese Modi sind mit insgesamt bis zu fünf Spielern bestreitbar. Wiederum gilt: Zwei Spieler können via Splitscreen lokal spielen, während man für mehrere Teilnehmer online gehen muss.
Die Multiplayervarianten sorgen allesamt für großartige Unterhaltung, auch wenn der Splitscreenmodus selbst auf großen Bildschirmen vertikal besser aufgeteilt gewesen wäre. Aber auch diese Kleinigkeit tut der lustigen Base-Defense keinen Abbruch. Durch die Möglichkeit des gegenseitigen Wiederbelebens und die meist nach allen Seiten offenen Basen ist bereits bei zwei Spielern Teamplay gefragt, denn selbst der Casual-Schwierigkeitsgrad sorgt bereits für ein angenehmes Stresslevel.
Atmosphäre
Wer viel Wert auf Story legt, ist im Kampagnenmodus von „Gears of War 3“ bestens aufgehoben. Häufige Cutscenes, zahlreiche Dialoge und ausgeprägte Charaktere sorgen für einen hohen Immersionsgrad und machen das Herzstück des Spiels zu einem interaktiven Erlebnis auf Kinoniveau. Wie bereits oben erwähnt, sind die Setting authentisch gestaltet und sehr abwechslungsreich. Viele Straßenschluchten und Indoorschauplätze sorgen für das gewisse Etwas und garantieren spannende und, auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, dynamische Kampfszenen.
Das Arbeiten im Team und die militärische Herangehensweise differenzieren „Gears of War 3“ von den herbstlichen Actionblockbustern a la „RAGE“ und „Resistance 3“. Durch die drei bis vier Begleiter, ob NPC oder Spieler, kommt wesentlich mehr Bewegung und Abwechslung in die Kämpfe, vor allem durch die verschiedenen Vorzüge, die jeder einzelne Mitstreiter hat. So kann man auch die eigene Rolle im Team sehr flexibel gestalten und den eigenen Vorlieben nachgehen.
Alles in allem werden Sie, geneigter Leser und geneigte Leserin, bereits festgestellt haben, dass ich „Gears of War 3“ hier großzügig Rosen streue. Und ich muss auch zugeben, dass ich trotz kritischer Haltung gegenüber controllergesteuerten Shootern eben diese Haltung in diesem Fall nicht wahren konnte. Ich hatte während des Testens, ob allein oder mit den Kollegen im Multiplayer, wirklich jede Menge Spaß. Wenn man nun die technischen Aspekte, wie gelungene Grafik, authentisch ansprechendes Soundgewand und intuitive Steuerung mit den Soft Skills überzeugende Story, lang anhaltender und abwechslungsreicher Spielspaß kombiniert, kann nur ein gutes Spiel dabei herauskommen. „Gears of War 3“ gelingt eine Symbiose all dieser Dinge in einem Biotop packender und unglaublicher Action. Mehr als ein würdiges Finale und ein spannender Höhepunkt für eine legendäre Reihe. Geil, Geiler, „Gears of War“!
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