Am 2. September erschien mit „Driver: San Francisco” der neueste Teil der „Driver“-Reihe, die 1999 auf der original PlayStation ihren Siegeszug antrat. Wie sich der aktuelle Titel von Ubisoft Reflections zwölf Jahre später auf der PS3 präsentiert, lesen Sie in unserer Review.
Story
„Driver: San Franciso“ ist der vierte Teil der „Driver“-Reihe und schließt nahtlos an die Ereignisse in „Driver 3“ an. Charles Jericho, der als Gegenspieler seit Teil zwei bekannt ist, sitzt ein. Nach einem brutalen Ausbruch, bei dem er von einer mysteriösen Schönheit samt Raketenwerfer unterstützt wird, überzieht er San Franciso mit Verbrechen. Natürlich kann es nur einen geben, der den ruchlosen Mob-Boss aufhalten kann. Joe Tanner, der Driver. Bereits zu Beginn des Spiels gerät Tanner in einen schweren Autounfall. Er wird vom fliehenden Jericho mit einem Panzerwagen gerammt und fällt ins Koma. In seinem Unterbewusstsein geht die Jagd nach Jericho unerbittlich weiter und wird zu einer Jagd nach dem Weg aus dem Koma, eine Jagd zwischen Leben und Tod.
Das eigentliche Spiel beginnt nach dem verheerenden Unfall. Auch wenn zuvor einige Gameplay-Elemente im Intro zu finden sind, so zählt das bestenfalls als kurzes Tutorial. Geplagt von einigen schrägen Flashbacks und gelegentlichen visionsartigen Gedankenfetzen, glaubt Tanner den Unfall nahezu unbeschadet überstanden zu haben und macht sich auf die Suche nach Jericho. Dem Spieler hingegen wird rasch klar, dass der Driver nicht bei Bewusstsein ist, sondern komatös im Krankenhaus liegt und dort um sein Leben kämpft.
Nachdem er einige Anweisungen durch Werbetafeln erhält, geht die wilde Jagd nach dem Gangsterboss weiter und bald stößt Joe auf seine neue Fähigkeit – das „Shiften“. Mittels Gedankensprung kann er sich in jeden Fahrer, der in San Francisco unterwegs ist, versetzten und die Kontrolle über diesen übernehmen. Nachdem er sich mit dieser Fähigkeit im Laufe der ersten Missionen und Herausforderungen vertraut macht, lernt auch der Spieler diesen nützlichen Skill kennen und lieben.
Den Anfang nimmt das Spiel, als Tanner sich plötzlich hinter dem Steuer eines Krankenwagens wiederfindet, oder besser im Körper des Fahrers Ray. Mit Karacho gilt es ans Ziel zu rasen. Bereits hier spürt man das realistische Handling des Hochwagens, der sich in der Kurve oft gefährlich zur Seite neigt. Nach einigen mysteriösen Anweisungen durch diverse Werbetafeln versucht Joe nun willentlich zu „shiften“. Nachdem ihm dies mehrmals gelingt, macht man sich als Spieler daran einzelne Missionen, Herausforderungen und Aktionen zu absolvieren. Abwechslungsreichtum wird hier groß geschrieben.
Verschiedene Autos, verschiedene Szenarien und verschiedene Aufgaben sorgen für jede Menge Kurzweil, auch wenn der Schwierigkeitsgrad bei alledem sehr stark variiert. So kann es passieren, dass man sich nach einem mühelos gewonnen Rennen plötzlich die Zähne an der folgenden Mission ausbeißt. Die kann manchmal durchaus am Frustbaum rütteln.
In dieser Manier geht es auch weiter. Während man in den storyrelevanten Missionen Jerichos Verbrechernetz auf die Spur kommt, kann man sich in den diversen Nebenhandlungen herrlich abreagieren und seinen Fuhrpark beziehungsweise seine Fähigkeiten durch die erhaltene Willenskraft-Währung erweitern. Diese erhält man für nahezu alle Tätigkeiten im Spiel, wie Missionen, Aktionen, Driften, Überholen und Springen. Im Laufe des Spiels werden zusätzlich Features im Shop und im Fertigkeiten-Interface freigeschaltet. So kommt man an coole Autos und verbessert seine Ramm- und Nitroskills, sowie die Anzeigefunktion auf der Karte und die Höhe der erhaltenen Willenskraftpunkten.
Grafik und Sound
Schon die ersten Videosequenzen verblüffen mit einer grandiosen Grafik. Bartstoppeln, Falten, Haare zeugen vom Detailreichtum, der im ganzen Spiel wiederzufinden ist. Sowohl die Vielzahl an Autos als auch das etwas zusammengestauchte Abbild San Franciscos sind durch die Bank grafisch schön umgesetzt und machen „Driver: San Francisco“ zu einem optischen Augenschmaus. Hier wird Abwechslungsreichtum groß geschrieben und so stößt man hinter so mancher Ecke auf einen anders gestalteten Teil der Stadt.
Wie schon seine Vorgänger begeistert auch dieser Teil der „Driver“-Reihe mit einem großartigen Soundtrack, der weder Genre- noch Epochengrenzen kennt. Die vielen Titel bereiten ebenso viel Freude beim Cruisen durch die Stadt, bei wilden Verfolgungsjagden und bei heißen Straßenrennen. Auch der restliche Spielsound gibt kaum Grund zur Kritik, so kracht, quietscht und röhrt sich der jeweilige fahrbare Untersatz durch die Straßen von San Francisco. Etwas zwiespältig muss man die Sprachausgabe kommentieren, da hier klar Spreu von Weizen trennbar ist. Einerseits sind die Hauptakteure von Profis gesprochen und bieten daher hohe Qualität. Andererseits sind viele kleine Sprechrollen Amateuren zugedacht, die dem Hörfreude hier etwas Abbruch tun.
Steuerung
Die reine Fahrsteuerung folgt im Großen und Ganzen der gängigen Routine. So kommt „Driver: San Francisco“ ohne großes Tutorial aus. Man kann zwar bereits zu Beginn mehr oder weniger frei durch die Straßen flitzen, die Tastenbelegung ist aber auch so klar. Und da auch das „Shiften“ hauptsächlich mit einer Taste auskommt, benötigt man nur kurze Zeit, um sich die gesamte Steuerung anzueignen.
Ein anderes Thema ist hingegen das Handling der verschiedenen Autos. Tanners eigenes Auto gestaltet sich beispielsweise als kaum kontrollierbare PS-Bestie, die erst mit etwas Übung ansatzweise kontrollierbar wird. Jedes Auto verfügt über eigene Charakteristika. Dass ein Truck denkbar schwer zu lenken ist und sich weniger zu driften eignet, sollte ebenso klar sein, wie die leichte Handhabung eines Kleinwagens.
In den Multiplayer-Modus von „Driver: San Francisco” wurde besonders viel Arbeit gesteckt und so präsentiert sich dieser als umfassendes Spielvergnügen mit vielfältigen Möglichkeiten. Neben den zwei lokalen Splitscreen-Varianten für zwei Spieler bietet Ubisoft ein reichhaltiges Onlineangebot, das mit Uplay über das PSN abgewickelt wird. Sechs verschiedene Modi warten hier auf bis zu acht Spieler. Auch hier kommt der neue „Shift“-Skill zum Einsatz und gestalten die ohnehin schon chaotischen Rennen noch rasanter.
Atmosphäre
Durch das rasante und abwechslungsreiche Gameplay und die gelungene „Shift”-Funktion kommt kaum Langeweile auf. Vor einer großartigen Kulisse, die die Straßen von San Francisco bieten, besticht „Driver: San Francisco“ durch PS-starke Action und spannende Story. Auch wenn die stark variierenden Schwierigkeitsgrade gelegentlich Nerven kosten, bleibt ein positiver Eindruck und man verliert sich rasch im Spiel. Die Gestaltung der Stadt vermag durchaus zu begeistern und auch der Abwechslungsreichtum in allen Facetten des Spiels trägt zum hohen Immersionsgrad bei. Die Jagd nach Jericho und seinem Verbrechernetz nimmt den Spieler von Beginn an gefangen und dank der zahlreichen Nebenmissionen verbeißt man sich nicht zu sehr in ein schnelles Abhaken der Handlung. So sorgt „Driver: San Francisco“ für zahlreiche spannende und ansprechende Stunden vor der Konsole.
Mit „Driver: San Francisco“ ist Ubisoft ein würdiger vierter Teil der großartigen Reihe gelungen, auch wenn der Titel im Blockbusterherbst 2011 ein wenig untergeht. Die Grafik lässt kaum Wünsche offen, der Sound bietet gewohnte „Driver“-Qualitäten, das Gameplay sprüht vor Abwechslungsreichtum und die Story ist gut durchdacht. Selbst nach mehreren Stunden des Spielens wurde ich des Rasens durch die Stadt nicht müde und erledigte begeistert die vielen verschiedenen Herausforderungen und Missionen. Abstriche muss man lediglich wegen der teilweise schwachen Sprachausgabe der Nebenrollen und wegen des stark variierenden Schwierigkeitsgrades machen. Alles in allem bekommt man hier aber für sein Geld einiges geboten und „Driver: San Francisco“ braucht sich auch vor den kommenden Blockbustertiteln nicht zu verstecken.
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