Als Sidescroller-Held auf dem PC hat „Duke Nukem“ vor 20 Jahren seine Karriere begonnen, ist Mitte der 90er zur 3D-Ikone aufgestiegen und im neuen Jahrtausend zur Vaporware-Legende geworden. Bis dann – Schweine fliegen! – dieses Jahr „Duke Nukem Forever“ doch noch erschienen ist. Wir haben uns den Titel jetzt auch auf der Plattform angesehen, wo einst alles begann – ist es eine triumphale Rückkehr?
Nach zwölf Jahren...
... darf man sich doch verdammt noch mal ein gutes Spiel erwarten. Meint der Duke selbst gegen Beginn von „Duke Nukem Forever“ in einem Anflug von Selbstironie. So lang ist es laut Storyline her, dass der ungehobelte Super-Macho die Welt zuletzt vor fiesen Aliens gerettet und so die ewige Bewunderung der Massen und Gunst der Mädels gewonnen hat. Realweltlich war die Wartezeit noch einen Tick länger: Schon 1997 war die erste offizielle Ankündigung des Titels erfolgt, der direkte Story-Vorgänger „Duke Nukem 3D“ hat gut 15 Jahre auf dem Buckel.
Dass der Duke nun doch endlich zurück ist, hat Ingame einen ganz einfachen Grund: Die fiesen Aliens von damals sind es auch. Und so friedlich, wie sie es den Präsidenten erst mal glauben machen, sind sie nicht. Zum Glück ist wenigstens der Duke kein Weichkeks und bleibt misstrauisch. Was die Wiederkehr der alten Widersacher an Action verspricht, zeigt am Besten ein Trailer.
Schon der Einstieg ins Spiel macht deutlich, dass „Duke Nukem Forever“ eher tief als mit Tiefgang daher kommt. Man darf sich in der Rolle des Duke erst mal am Pissoir erleichtern. Woo, der richtige Humor für – wen eigentlich? Dann folgt erst mal Rumlaufen ohne viel zu tun, ehe der Held endlich einen Alien plätten darf – nur um festzustellen, dass der eher träge Einstieg eine Ingame-Fassung von „Duke Nukem Forever“ repräsentiert. Hauptsache, der Duke findet die passabel…
Immerhin hat der King gleich zwei Blondinen, die ihm Gesellschaft leisten – wie weit das so geht, darauf wird erst mal nur vage angespielt. Ja, Groupies für den Duke gibt es zu genüge! Noch bevor er das erste Mal wirklich einem Alien gegenüber tritt, gibt es was für einen nervigen Typen vors Maul – der Duke von Welt hat einfach eine direkte Art, mit Problemen umzugehen. Anfangs gibt’s auch für die Aliens nur Haue, denn die einzig Kanone, die der Duke nie ablegt, ist… na, das können Sie sich selber denken.
Im Laufe der Zeit kommen mehr Waffen dazu, sodass mehr Rumms hinter der Alien-Jagd steckt. Zudem setzt der Duke auf Bier und Steroide, um ihn im Kampf gegen Alien-Abschaum zu unterstützen – sofern er denn zum Kämpfen kommt. Denn wer sich wirklich Shooter-Action erwartet, wird gerade von den frühen Spielabschnitten enttäuscht sein. Da spielen sich lange Teile eher wie ein 3D-Plattformer, ob man nun draufkommen muss, wie man wieder aus dem Luftschacht kommt, als geschrumpfter Duke im Spielzeugauto durchs Casino rast oder einfach nur den Weg zu irgendeinem Knopf oder Hebel sucht – das erinnert schon eher an Dukes 2D-Sidescroller-Zeiten. Wenn es doch mal zum Kampf kommt, dann meist gleich gegen heftigere Gegnerwellen selbst auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden. Irgendwie ist das nicht Jacke, nicht Hose.
So richtig fesseln kann das Gameplay also nicht. Da hilft’s auch wenig, dass der Titel das versprüht, was die Macher für typischen Duke-Humor halten. Okay, „Duke Nukem 3D“ hatte auch nicht unbedingt den großen Tiefgang, aber damals kam der Witz wenigstens noch einigermaßen machomäßig-überzeichnet rüber. Diesmal krieg ich eher den Eindruck, dass die Niveaulatte meist so tief liegt, dass nur humoristische Limbo-Tänzer ihre Freude haben werden. Die Anflüge von Selbstironie ziehen sich dabei leider nicht konsequent genug durch, als dass ich den tiefen Witz überzeugt als beabsichtigte Eigenparodie verstehen könnte.
Es war ein Mal…
… eine Zeit, in der die Optik von „Duke Nukem Forever“ richtig revolutionär gewesen wäre, damals, nachdem der Titel frisch angekündigt wurde. Dann gab es eine Phase, da hätte der Look absolut aktuell gewirkt, danach wäre er für einen etwas günstigeren Titel immer noch sehr passabel gewesen. Doch irgendwann ist der Zug abgefahren und der Duke war nicht an Bord. Dabei steckt das Problem nicht in Details, sondern äußert sich einfach darin, dass man sich an jeder Ecke denkt: So hat ein Titel dieses (vermeintlichen) Kalibers vor ein paar Jahren ausgesehen, da muss doch mehr drin sein!
Der Sound ist ebenfalls so eine Sache. Die englische Sprachausgabe soll ja tatsächlich Duke-Stimmung machen, sagt mir der Kollege. Blöderweise hab ich für den deutschsprachigen Test auf Deutsch installiert und der Synchronsprecher klingt viel zu lethargisch-behäbig für den knallharten Supermacho, der wohl am liebsten mit dem Kopf durch die Alien-Wand würde - und Sprache umstellen ohne Neuinstallation ist nicht. Da können die sonst passablen Sprecher wenig retten. Immerhin passt die Musik ganz gut, einen Höhepunkt der Spielegeschichte stellt sie aber auch nicht dar. Effekte, ditto.
…kann mit der Steuerung von „Duke Nukem Forever“ wohl so ziemlich jeder, der schon mal einen Shooter gespielt hat. Selbst, wen es lange her ist, denn in den anderthalb Jahrzehnten seit dem Vorgänger hat sich letztlich nicht viel getan. Wirklich siegen wird einen Tick schwerer, denn so richtig genau reagiert das Spiel nicht. Die Zielhilfe kann noch so sehr anzeigen, dass man einen Alien voll im Visier hat, fallweise stellt sich trotzdem der Eindruck ein, es gäbe partout keine Wirkungstreffer. Ebenfalls nervig: Die Kameraführung ruckelt bisweilen kräftig, was vor allem bei Geschicklichkeitspassagen hinderlich ist.
Es gibt nur einen King!
Das ist vermutlich der Grund, warum das Spiel keinen Coop-Modus bietet. Doch halt, es gibt verschiedene Varianten, online gegen andere Dukes zu kämpfen – verfügbare Server vorausgesetzt, die Spielergemeinde hält sich offenbar doch in recht überschaubaren Grenzen. Es wäre ja eigentlich ganz nett, sich derart Trophäen und Babes für die eigene Bude freizuspielen – andererseits gibt es einfach ansprechendere Titel für Fans von Deathmatch und Co. Was unter anderem daran liegt dass man dort seinen Avatar gleich von Anfang an personalisieren darf.
Okay, der Duke ist der King, alle anderen sind entweder heiße Babes (yes!) oder relative Weicheier (ugh). Das ist so ungefähr das Bild, das man bei „Duke Nukem Forever“ erwartet. Da hat der Titel auch Anflüge von Genie bei der Umsetzung. So vergöttern die Mädels zwar den Duke und müssen sich mit der Opferrolle abfinden, kommen aber eigentlich nicht so hirnverbrannt rüber wie die meisten männlichen Charaktere. (Der US-Präsident etwa wirkt meist nicht viel heller als ein gewisser Texaner, der es über mehr als die Hälfte der Entwicklungszeit im wahren Leben war.)
Dazu kommt ein Hauch von Retro-Charme, wenn man die Platformer-Passagen als Tribut an die Anfänge versteht. Das war’s dann aber leider mit den Pluspunkten. Der schwache deutsche Sound trägt ebenso wenig zur Stimmung bei wie die gefühlte Leere der Spielwelt. Wobei letzteres durchaus so mehrdeutig gemeint ist, wie es klang. Zum Einen kann man beispielsweise nicht mal Chipstapel im Casino umhauen, die Interaktion mit der Umgebung beschränkt sich aufs Wesentliche. Zum Anderen findet der Duke oft nicht mal die Zeit, mehr als einen pseudowitzigen Spruch für ein grade gerettetes Babe abzulassen! Wenigstens auf dem inhaltlichen Niveau, das der Titel bietet, sollte mehr passieren.
“Duke Nukem Forever“ hat Ansätze einer Eigenparodie und wäre sehr passabel, wenn man sich nur sicher fühlen könnte, dass der Titel ausschließlich als solche gedacht ist. Das ist leider nicht der Fall, sondern einfach nur das humoristische Niveau fragwürdig. Was bleibt, ist somit ein Spiel, dem man 14 Jahre Entwicklungszeit sowohl optisch als auch Gameplay-technisch nicht im positiven Sinne ansieht. Damit wird der Titel weder den Erwartungen, dem Kunden noch dem Duke wirklich gerecht – oh, wäre er doch nur eine Vaporware-Legende geblieben!
Die Vorteile für registrierte User auf GamingXP werden nach Abschluss der Beta-Phase noch weiter ausgebaut. Helfen Sie mit, das beste GamingXP aller Zeiten zu bauen!
Melde dich gleich jetzt für die Closed Beta des XP Clubs an! Es erwarten sich coole Community-Aktiväten und attraktive Preise! Hier geht's zum XP Club!