Die zwei Vorgänger sind Kult. Mit dem dritten Teil der „Resistance“-Reihe beweist Entwickler Insomniac nun eindrucksvoll, dass aller guten Dinge drei sind und Widerstand niemals zwecklos ist. Wir haben uns für Sie durch die Alienhorden gemetzelt, lesen Sie im Folgenden unseren Bericht.
Story
Der Krieg ist verloren. Die Menschheit auf ein Minimum reduziert, Bestien beherrschen die Welt. Jedoch konnte das Virus, das die Menschen in grässliche Hybriden verwandelte, besiegt werden. Durch das Blut von Nathan Hale, der durch den Protagonisten des dritten Teils sein Ende fand, hat Dr. Malikov einen Impfstoff produziert und so wurde Hale selbst im Tod noch einmal zum Helden der verbliebenen Menschheit. Joseph Capelli, die eben erwähnte neue Hauptfigur, wird daraufhin unehrenhaft aus der Armee entlassen und findet im Untergrund von Haven, Oklahoma, mit Frau und Kind ein bescheidenes Glück im Schatten der omnipräsenten Gefahr durch die Bestien. Soviel zur Vorgeschichte von „Resistance 3“, die im Motion-Comic-Stil im Vorspann erzählt wird.
09. August 1957 in Haven, Oklahoma. Im Untergrund leben hier eine Handvoll Menschen, die sich mehr vor dem Feind verstecken, als ernsthaft Widerstand zu leisten. Sie sind Gejagte in einer Welt am Abgrund. Unter ihnen eben Joe Capelli mit seiner Frau Susan und Sohn Jake. Doch etwas ist anders an jenem 09. August: Eine Patrouille der Bestien durchstreift die Stadt und natürlich kommt es zur Konfrontation. Der Kampf um das Überleben der Spezies Mensch hat wieder begonnen …
Als der Vorspann endet, beginnt auch schon das Spiel. Hektik hält im Untergrund von Haven Einzug, als die Bestienpatrouille entdeckt wird. Joe bezieht mit einigen anderen Stellung in der alten Bowlinghalle, als das Chaos ausbricht und es zum ersten Feuergefecht kommt. Mit der überarbeiteten Bullseye, einer Magnum mit Sprengmunition und ein paar EMP-Granaten ausgerüstet, stellt der Spieler sich zuerst den Bestien und dann einer spinnenähnlichen Stahlkonstruktion entgegen. Dieses Ungetüm verfügt über einen Schutzschild, das sich mit den Granaten kurzzeitig beseitigen lässt und es verwundbar macht. Deckung bieten ein verlassener Kiosk und dessen Dach, von dem aus man sich ein anspruchsvolles Duell mit der Spinne liefert. Hier ist Bewegung und ein wenig Geschick gefragt, da es sich nicht um schnödes Kanonenfutter handelt sondern das Bestiengerät dem lieben Joe gut zuzusetzen vermag.
Einmal besiegt, werden die Reste beseitigt und der Rückzug in den Untergrund wird angetreten. Doch ein neues Problem wartet dort bereits auf den Helden unsrer Geschichte. Der Funkkontakt zu einem Außenposten ist abgerissen und Joe macht sich natürlich selbst daran, den Grund dafürherauszufinden. Auf dem Weg gilt es wieder ein Rudel der lästigen Bestien auszuknipsen, die sich uns in den Weg stellen. In einer nahen Scheune ist das verlorene Schaf dann auch schnell gefunden, jedoch wimmelt es in der Gegend von Bestien und so folgt ein weiteres anspruchsvolles Feuergefecht zwischen als Deckung dienenden Heuballen.
Auf dem Weg zurück stoßen Joe und sein Begleiter auf einen Terraformer – Gefahr im Verzug für die ganze Stadt. Die Kolonie wird benachrichtigt, eine Evakuierung ist unausweichlich. Nach einem beschwerlichen Weg zurück in den Untergrund stellt sich Joe die Frage, warum die Biester plötzlich ein derartiges Interesse an Haven zeigen. Er vermutet den Schuldigen in Dr. Malikow. Dieser versucht uns davon zu überzeugen, ihn nach New York City zu begleiten, da der dortige Turm durch ein Wurmloch beschädigt wurde und daher die globale Temperatur sinken würde. Die verbliebene Menschheit würde den kommenden Winter nicht überleben und er, Malikow, sei der Einzige der wisse, wie man den Turm zerstören könne. Joe weigert sich zunächst und stellt sich lieber der akuten Bedrohung durch die Biester, jedoch ist eines unausweichlich: der Weg nach New York City.
Auch wenn „Resistance 3“ in Punkto Grafik etwas hinter den Blockbustern des Herbsts her hinkt, finde ich die Levelgestaltung durchaus gelungen und auch die Charakteranimationen wirken flüssig und real. Sowohl Spiel- als auch Videosequenzen vermitteln beeindruckend die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit der Menschen. Verlassene Häuser, bedrückende unterirdische Behausungen und Verwahrlosung soweit das Spielerauge reicht. Es ist wirklich Endzeitstimmung, durch die grafische Gestaltung großartig unterstrichen.
Die Hintergrundmusik, die man während des Spiels kaum wahrnimmt, untermalt die durch die Umgebung vermittelte Stimmung auf subtile Art und Weise und treibt den Spieler auf perfiden Pfaden in eine ähnliche Resignation und Verzweiflung, wie sie die Bewohner von Haven verspüren müssen. In den richtigen Momenten entzündet sie jedoch den Flammen des Widerstandes mit und bestärkt uns im Willen weiterzumachen.
Überraschend gut gelungen ist auch die deutsche Sprachausgabe. Ist man hier seit Erlebnissen a la „Duke Nukem Forever“ bereits vorab skeptisch, werden die Zweifel mit den ersten Sätzen schnell beiseite gewischt und man erlebt kinoreife Dialoge mit passenden Synchronstimmen. Dazu gesellt sich schlussendlich noch eine großartige Geräuschkulisse. Ob beim Abfeuern der Bullseye, beim Explodieren einer Granate oder schlicht und ergreifend beim Öffnen einer Tür, „Resistance 3“ überzeugt in allen noch so kleinen Momenten mit einer Detailverliebtheit in Sound und Grafik.
Wenige Überraschungen gibt es an der Steuerungsfront. Gleich zu Beginn wird uns die überarbeitete Bullseye präsentiert und wir haben am Schießstand kurz die Gelegenheit, ein wenig zu üben. Es folgen die Magnum mit der Sprengmunition und ein Probewurf mit einer Granate. Spielend gelingt all dies und man findet sich schnell in einer shooter-typischen Tastenbelegung zurecht. Laufen, Zielen und Schießen fielen selbst mir als Shooter-Laien von Start weg leicht. Mit wachsendem Feuerwaffenarsenal gehen einem auch das Waffenwechseln und die verschiedenen Feuermechanismen leicht von der Hand. Die Menüführung ist simpel, übersichtlich und überaus benutzerfreundlich. Da es in Punkto Steuerung ohnehin keinen großen Bedarf an einer Revolution gab, wird sich jeder Shooter-Freund und im Endeffekt auch jeder Neuling binnen Minuten zurechtfinden. Dem munteren Bestiengemetzel steht somit nichts mehr im Weg.
Während die frei zugängliche Testversion des Multiplayer-Modus nur zwei verschiedene Matcharten auf zwei unterschiedlichen Maps bot, darf man sich im fertigen Spiel auf zehn Maps freuen. Von 2vs2 über 4vs4 bis hin zu 8vs8 ist alles möglich, die einzelnen Maps unterstützen allerdings nicht jeden dieser Spielmodi. Das überarbeitete Berserk-System versetzt nun den Spieler in Rage, dem es gelingt, ohne zu sterben eine gewisse Anzahl an Spielern in Folge zu töten. Ebenfalls zurückgegriffen haben die Entwickler auf das Fertigkeitssystem aus dem „Resistance 2“-Coop-Modus. So kommt man wieder in den Genuss von speziellen Fähigkeiten, die sowohl den eigenen Status erhöhen als auch den der Teamkollegen.
Die Multiplayer-Modi sind in zwei Kategorien unterteilt. Zum einen kann man sich in ein Team Deathmatch stürzen, wobei der Name Programm ist. Man macht einfach auf die Mitglieder des gegnerischen Teams Jagd, bis entweder die Zeit abgelaufen oder eine gewisse Anzahl an Kills erreicht ist. Zum anderen gibt es zielgerichtete Modi, wie den Chain Reaction-Modus im klassischen Capture the Flag-Stil. Dabei stehen sich jeweils bis zu acht Spieler gegenüber, die abwechselnd Mensch oder Biest spielen. Je nach erspieltem Rang verfügt man zu Beginn der Runde über die Auswahlmöglichkeit verschiedener Waffen- und Gadgetsets. Bedauernswerter Weise wird man, wie bei so vielen Spielen, von Beginn an mit Spielern aller Stufen in einen Topf geworfen. So ist die Hatz auf andere anfangs etwas frustrierend und man wird rasch zum Kanonenfutter für hochstufige Widersacher. Auch ansonsten brilliert der Multiplayer-Modus nicht mit Innovationen. Für Freunde dieser Art von „Map-Bashing“ bietet „Resistance 3“ gewohnte Qualität ohne große Unterschiede zu vergleichbaren MMO-Shootern.
Wie schon erwähnt, gelingt es den Entwicklern von Insomniac mit „Resistance 3“ perfekt, die Atmosphäre der Verzweiflung und Resignation einzufangen und auf den Bildschirm zu bringen. Die verlassene und verfallende Stadt auf der Oberfläche wirkt wie ein Mahnmal für ein vergangenes Leben und vermittelt eine Trostlosigkeit, die sich dem Spieler aufzwingt. Auch wenn während den Feuergefechten letztlich wenig Zeit bleibt, um sich mit der Umgebung außer zum Zweck der Deckung wirklich auseinanderzusetzen, fühlt man sich doch ab dem ersten Moment in der Welt von Joe Capelli gefangen. Allerorts ist die Hoffnungslosigkeit, aber auch den Trotz, der in den letzten Menschen lebt, zu spüren. „Resitance 3“ kommt Großteils ohne Schockeffekte aus und vermittelt dafür ein ständiges Gefühl des Gehetztwerdens und der ständigen Bedrohung gepaart mit der Sorge um die Familie sowie dem Drang zur Eile. Denn der nächste Winter kommt bestimmt – und es wird der letzte sein, wenn Joe scheitert.
Alles in allem macht „Resistance 3“ der großartigen Shooter-Reihe alle Ehre und überzeugt über weite Strecken mit gutem Gamedesign, einem großartigen (Anti-)Helden und einer unvergleichlichen Atmosphäre. Es mag gut sein, dass der eine oder andere die Emphase auf das soziale Kleinumfeld von Joe Capelli als langweilig oder sogar störend empfinde. Doch ich finde, dass genau dieses Element „Resistance 3“ zu einem großen Spiel macht, das über den Tellerrand des sinnlosen Bestienmetzelns hinaussieht. So schafft der Titel eine außergewöhnliche Bindung zwischen Spieler und Helden. Abstriche gilt es eigentlich nur im Bereich Multiplayer zu machen, was aber eher auf meine persönlichen Präferenzen zurückzuführen ist. Grafisch ginge im Vergleich zu ähnlichen Titeln, die diesen Herbst kommen, noch ein wenig mehr. Aber im Endeffekt fallen diese Shortcomings nur wenig ins Gewicht und „Resistance 3“ bekommt somit eine Silbermedaille. In diesem Sinne: „Resistance is not futile!”
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