Die „Toy Soldiers“ sind wieder los! Mit „Toy Soldiers: Cold War“ erreicht der Summer of Arcade seinen Siedepunkt.,Ob die Spielzeugsoldaten ins Schwarze treffen oder doch eher einem Rohrkrepierer gleichkommen, erfahren Sie in unserem Review.
Story
„Toy Soldiers: Cold War“ ist die direkte Fortsetzung von Signal Studios erfolgreichem Action-Strategie-Mix „Toy Soldiers“, der Anfang 2010 via Xbox LiveArcade erschien. Das Sequel hat nun die Ehre, den Summer of Arcade abzuschließen, und reiht sich somit in eine Reihe von Spieleperlen in der Qualität eines „Bastion“ oder „From Dust“ ein.
Dabei ruft „Toy Soldiers: Cold War“ aber weitaus rustikaler ins Gefecht: Hatte der Vorgänger noch den Ersten Weltkrieg als Schauplatz, darf sich das Kind im Manne oder natürlich der Frau in einer fiktiven Version des Kalten Krieges so richtig austoben. Entgegen den tatsächlichen historischen Ereignissen gibt es Krieg, eine Menge Krieg, inklusive einer Invasion der USA. Mit viel 80er-Jahre-Flair betrachtet Signal Studios den Konflikt zwischen USA und der Sowjetunion dabei mit einem gewissen Augenzwinkern, denn mit Stereotypen wird hier so verschwenderisch umgegangen wie mit Explosionen in einem Michael Bay-Film.
Die böse Sowjetunion greift nach der Welt und auf der Seite der natürlich heroischen US-Streitkräfte gilt es, der Supermacht einen Strich durch die Rechnung zu machen. Dabei wird auf eine tiefgreifendere Schilderung der Ereignisse erst gar keinen Wert gelegt. Ein minimalistisch skizziertes Setting reicht jeweils in den Missionen aus, um dem Feind aus allen Rohren schießend entgegenzutreten.
Diese Simplifizierung mag so manchem sauer aufstoßen, zumal die Spielzeugsoldaten in „Toy Soldiers: Cold War“ auch typisch amerikanische Parolen wie „Restore democracy“ ausgeben. Genau darin liegt aber auch der Charme des Games, im dem politische Korrektheit dem Denken eines Kindes entsprechend einfach keinen Platz hat. Zudem nimmt man wohl auch den amerikanischen Patriotismus mit der Überspitzung etwas aufs Korn.
Dennoch lässt sich festhalten, dass man sich in die infantile Spielzeugsoldatenwelt zwar durchaus einfühlen kann, Kindheitserinnerungen wird man hierzulande aber wohl nur in den seltensten Fällen auslösen können.
Im Kampagnen-Modus von „Toy Soldiers: Cold War“ muss sich der Spieler der sowjetischen Übermacht in verschiedenen Landschaften erwehren, die von Dschungel über Wüste bis hin zu Großstädten wie Paris oder Washington reichen. Der Clou ist dabei, dass nicht nur die Spielzeugsoldaten samt Ausrüstung im Spielelook gestaltet sind, auch die Umgebung ist gewissermaßen von Kinderhand gezimmert. Wirkt das eigentliche Spielfeld noch annähernd wie ein relativ realistisches Modell, türmen sich im Hintergrund gigantische Objekte wie Schreibtischlampen oder Flaschen auf und der tropische Horizont ist schon mal ein geschickt arrangiertes Poster.
Auf der Karte befindet sich eine oder sogar zwei Spielzeugboxen, die die es als Home Base zu verteidigen gilt, denn „Toy Soldiers: Cold War“ ist im Grunde ein Tower-Defense-Game. Nun fluten Wellen an Widersachern über den Spieler hinweg, wobei das Spiel verloren ist, wenn zu viele Kommunisten die Spielbox gestürmt haben. Auf der anderen Seite hingegen hat man einen Sieg für die Demokratie errungen, wenn man alle Angriffe überstanden hat. In den Zwischenphasen hat man die Möglichkeit seine Verteidigung wieder auf Vordermann zu bringen, löst man die nächste Welle jedoch früher aus, so gibt dies Gutpunkte für den Gesamt-Score.
Den heranrückenden Widersachern entsprechend stampft der Spieler seine Verteidigungslinie aus dem Boden, wobei nur an zuvor festgelegten Baustellen gesiedelt werden darf.
Dabei erfüllt jede Verteidigungs-Anlage eine bestimmte Funktion, die oft darin besteht, gegen eine bestimmte Art von Widersacher besonders effektiv zu sein. So eignet sich etwa das MG-Geschütz hervorragend um feindliche Fußsoldaten dem Erdboden gleichzumachen und das Luftabwehr-Geschütz stutzt die Flügel von herannahenden Kampfjets & Co.
Der strategische Anteil von „Toy Soldiers: Cold War“ besteht nun darin, die verschiedenen ‚Türme’ an geeigneten Stellen zu positionieren, wozu auf Grund der geringen Anzahl der Baustellen sowie der klaren Funktion der Verteidigungsanlagen aber tatsächlich selbst ein Kind in der Lage sein sollte. Marginal anspruchsvoller wird es, wenn man mit seinen begrenzten finanziellen Mitteln (Dollars gibt es durch Gegnerabschuss) entscheiden soll, welche Geschütze ein Upgrade erhalten oder wenn es darum geht, die Lebensenergie eben dieser im Auge zu behalten. Gerade auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden ist man allerdings nur selten dazu gezwungen, die Abwehr variabel auf die Gegebenheiten auszurichten, da man sehr schnell über jegliche Arten von Türmen verfügt. Hat man einmal doch ein Geschütz zu viel errichtet, so kann man dieses schließlich auch noch verhökern.
Seine wahre Stärke kann „Toy Soldiers: Cold War“ jedoch in Bezug auf den Action-Anteil ausspielen, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Tower Defense-Games hat man hier die Möglichkeit selbst aktiv ins Geschehen einzugreifen. Per Tastendruck kann man so jedes Geschütz selbst steuern, womit der Titel fast schon Shooter-Charakter annimmt. Natürlich übernimmt die KI zu jedem Zeitpunkt nicht aktiv gesteuerte Plattformen, verschont dabei aber ärgerlicherweise oft Gegner, die der Spieler sehr wohl aufs Korn nehmen könnte
Die unterschiedlichen Anforderungen und zu erlernenden Feinheiten tragen dabei eine Menge zum Spielspaß bei. So geht das MG-Geschütz leicht von der Hand, mit dem Artillerie-Geschütz dagegen gilt es, jeden Schuss sorgsam zu bemessen. Die Upgrades der Plattformen sorgen dabei nicht nur für noch mehr Durchschlagskraft, sondern führen oftmals sogar neue Funktionen und Besonderheiten ein.
Doch auch der beste Toysoldier kann einmal in Bedrängnis kommen. Dann hilft nur noch das Bemannen der Spezialfahrzeuge bzw. der Einsatz von Sonderfähigkeiten. Ersteres sind kampfstarke Untersätze wie Panzer, Hubschrauber oder gar Kampfjets, die jedoch nur zeitlich limitiert einsetzbar sind. Denn sie sind batteriebetrieben und können somit nur auf ihrer Ladestation oder mittels verstreuten Batterien wieder einsatzbereit gemacht werden.
Sonderfähigkeiten erlangt man hingegen durch den Abschuss von bestimmten gekennzeichneten Gegnern, als Belohnung darf man dann dem Kommunismus im wahrsten Sinne des Wortes bombige Grüße zukommen lassen. Egal ob obligatorischer Luftschlag oder Nuklearattacke, Ivan wird weinend zum Rockzipfel von Mutter Russland zurückeilen. Die humorvollste Waffe seit langem stellt aber der wild um sich brüllende, dabei nuschelnde und aus allen Rohren schießende Commando dar, dessen Ähnlichkeiten mit einem gewissen Rambo nicht ganz zufällig entstanden sind. Mit Raketenwerfer in der einen und Maschinengewehr in der anderen Hand kann man so selbst den mächtigen Bossen ordentlich einheizen.
Auf Grund dieser Vielfältigkeit ist es gut, dass „Toy Soldiers: Cold War“ auch einen ordentlichen Umfang mitbringt. Denn neben der durchaus abwechslungsreichen Kampagne mit ganzen fünf Schwierigkeitsgraden warten noch nette Minispiele sowie ein Überlebensmodus auf die Gunst des Singleplayers, die Multiplayer-Elemente sind dabei das Tüpfelchen auf dem i.
Grafik und Sound
„Toy Soldiers: Cold War“ lebt vor allem von seinem Sandkasten-Charme. Gerade die eigenen Geschütze sind dabei liebevoll in Szene gesetzt, wobei die Spielzeugsoldaten mit witzigen Animationen zu begeistern wissen. Aber auch die netten Landschaften sowie Effekte können gerade für einen Xbox LiveArcade Titel wirklich überzeugen. Die Musik bedient sich zudem aus dem Rock und Pop der 80er, sogar eine Version von ‚Final Countdown’ wird genial in Szene gesetzt. Die Sounds hingegen sind solide aber nicht hervorragend.
Steuerung
Die Steuerung von „Toy Soldiers: Cold War“ geht gut von der Hand, allein die Kamera sorgt hin und wieder für Orientierungsprobleme gerade bei Verwendung der Fahrzeuge. Hierbei ist auch der Kampfjet zu erwähnen, der auf Grund seiner Power und eines tollen Geschwindigkeitsgefühls zwar anfangs begeistern kann, sich aber bald als viel zu schnell und wenig wendig für die doch relativ kleinen Karten herausstellt.
Wer einen Kameraden (auch online!) für die Coop-Kampagne rekrutiert, den erwartet eine explosionsartige Spielspaßsteigerung. Wer einen fordernden Schwierigkeitsgrad wählt, hat so alle Hände voll zu tun, was gegenseitige Zurufe und Absprachen geradezu herausfordert. Der einzige Wermutstropfen ist hierbei, dass jeder Spieler über ein eigenes Budget verfügt. Dies beugt zwar vor, dass etwa ein Spieler ohne die Zustimmung des anderen Geldvernichtung betreibt, dies wird dem Kooperationsgedanken des Modus aber nicht wirklich gerecht.
Gerade wenn sich ein Spieler vermehrt auf den Fahrzeugeinsatz spezialisiert entstehen so auch gewisse Ungerechtigkeiten, weil man dank waffenstarrenden Untersätzen oft einfach für mehr Demokratie und somit Kleingeld sorgt. Von diesem Schönheitsfehler einmal abgesehen, macht es aber einen Heidenspaß, den Kommunisten gemeinsam das Fürchten zu lehren.
Man hat jedoch auch die Möglichkeit, sich gegenseitig an den Kragen zu gehen, allerdings mangelnd es hier leider an Karten, denn gerade einmal drei mitgelieferte Stück machen das Kraut nicht unbedingt fett.
„Toy Soldiers: Cold War“ bringt eine Menge verrückten Charme mit, der sich aus dem Spielzeug-Setting, der gnadenlosen Überspitzung von Stereotypen sowie dem Aufgriff der Pop-Kultur der 80er ergibt. Der Titel spielt sich sehr actionreich, der Spieler hat eigentlich immer etwas zu tun, Ruhepausen sind die absolute Ausnahme. Dabei ist es dem vielseitigen Gameplay zu verdanken, dass sich das Spiel dabei nicht langsam selbst verzehrt. Denn trotz des spielerischen Dauerfeuers und der damit verbundenen Beanspruchung möchte man immer noch die nächste Mission anspielen und die nächste und die nächste.
„Toy Soldiers: Cold War“ ist somit ein eigentlich fast perfekter Konsolentitel, denn hier werden Startegieelemente light geboten, der Spieler dabei ohne längere Aufbauzeiten ins Geschehen geworfen, wobei sich das MG erst dann abkühlt, wenn auch die letzte Gegnerwelle bezwungen ist. Das Spiel gewinnt so einen geradezu treibenden Charakter, der es schwer macht, den Controller wieder aus der Hand zu legen.
Zusammenfassung
„Toy Soldiers: Cold War“ ist ein gelungener Abschluss des diesjährigen Summer of Arcade. In der Betonung der Action-Anteile ist der Titel dabei geradezu für Konsolen maßgeschneidert, wobei in Bezug auf die Strategie-Elemente sicherlich noch viel Raum nach oben gewesen wäre. Das fällt aber bei einem Arcade-Titel nicht allzu schwer ins Gewicht. Entscheidend ist, dass die einzelnen Gameplay-Bausteine nicht nur ineinander greifen, sondern auch für sich genommen einfach gute Unterhaltung garantieren. Wer im Singleplayer-Gefecht schon seinen Spaß hat, der wird sich im exzellenten Coop-Modus ohnehin freiwillig zur „Toy Soldiers“-Armee melden.
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