Der Retter des Sommers ist gelandet! „Deus Ex: Human Revolution“ ist ab heute im Handel erhältlich. Ob der Titel auch spielerisch eine Revolution bietet, erfahren Sie im folgenden Review.
Background
Im Jahre 2000 bracht Eidos den Cyberpunk-Titel „Deus Ex“ für den PC auf den Markt. Aufgrund des hohen Anklangs unter der Käuferschaft wurde der Titel zwei Jahre später auch auf der PlayStation 2 veröffentlicht. Der gelungene Mix aus einer riesiger Spielwelt, einer spannenden Geschichte, Ego-Shooter-Elementen sowie der Weiterentwicklung des Charakters mittels Nanotechnologie wussten zu überzeugen. Das Spiel basierte auf der Unreal Engine und wurde von der Videospielikone Warren Spector entwickelt. Rund vier Jahre nach der Veröffentlichtung der PC-Version von „Deus Ex“ erschien hierzulande die Fortsetzung, die von den Fans voller Vorfreude erwartet wurde.
Der zweite Teil der Reihe, der den Namen „Deus Ex: Invisible War“ trägt, wanderte für die Xbox sowie den PC in den Handel. Für die damaligen Verhältnisse waren die PC-Anforderungen immens, doch selbst das motivierte die Fans von Teil 1 eher den eigenen Rechner aufzurüsten anstatt sich abschrecken zu lassen. Seit 2004 ist es dann ruhig geworden um „Deus Ex“, ehe 2007 Patrick Melchior, Direktor von Eidos Frankreich in einem Interview verkündete, dass das neugegründete Studio Eidos Montreal an einem neuen Serienableger arbeiten. Sofort waren die Fans der ersten beiden Teile wieder in den Bann gezogen und konnten das Release kaum erwarten. Das warten hat ein Ende – endlich!
Wir schreiben das Jahr 2027 und die Welt hat sich verändert. Sie ist voll mit neuen, wissenschaftlichen Entwicklungen und selbst vor dem menschlichen Körper wurde nicht Halt gemacht. Alle Körperteile können samt originalgetreuer Funktion durch Prothesen ersetzt werden. Man erkennt zwar, dass es sich um künstliche Veränderungen handelt, doch die Funktion, die bei heutigen Prothesen noch ein Problem darstellt, wird 2027 perfekt imitiert. Aber das ist noch nicht alles. Man kann dem Menschen sogar neue Fähigkeiten (zB. visuellen Scanner im Auge, brachiale Nahkampffähigkeiten oder verbesserte Bewegungs- und Sprungfähigkeiten) „einimpfen“. Fantastisch und furchtbar zugleich – zum einen bietet das Menschen, die aufgrund von Unfällen Körperteile verloren haben, einen gleichwertigen Ersatz, aber auf der anderen Seite können damit auch böse Ziele verfolgt werden (Stichwort: Supersoldaten).
Story
Bei der Storyzusammenfassung möchte ich auf die Worte meines Kollegen Manfred Beck zurückgreifen:
Sie spielen Adam Jensen, einen ehemaligen SWAT‐Spezialisten, der ausgewählt wurde, um die Sicherheit eines der innovativsten Biotech‐Unternehmen Amerikas zu gewährleisten. Ihr Job ist es, die Firmengeheimnisse und die Wissenschaftler dahinter zu schützen. Jensen ist überzeugt, dass es immer mehrere Wege gibt, um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen, und sucht instinktiv zuerst auf eigene Faust nach Antworten. Andere Informanten werden erst bemüht, wenn er selbst nicht mehr weiter weiß. Ihn verbindet eine Liaison mit der Forscherin Dr. Megan Reed, eine kleine Feindschaft mit dem Haustechniker Pritchard und ein gewisser Konkurrenzkampf mit David Sarif, dem Boss von Sarif Industries. Selbst augmentiert, will David als knallharter Geschäftsmann die Erweiterung des menschlichen Bewusstseins jedermann zugänglich machen.
Als aber ein Black Ops‐Team ausgerechnet die Wissenschaftler tötet, die Sie beschützen sollten, ist plötzlich nichts mehr, wie es war. Nach dem Angriff selbst schwer verwundet und in der Folge mechanisch vielfältig augmentiert, verfolgen Sie mit Adam die Spur der Hintermänner des Attentats rund um den Globus, ohne dabei zu wissen, wem Sie noch vertrauen können.
In einer Zeit, in der wissenschaftliche Fortschritte Sportler, Soldaten und Spione in optimierte Superwesen verwandeln, sorgt im Hintergrund offenbar jemand dafür, dass die Evolution des Menschen einem ganz bestimmten Weg folgt. Sie müssen herausfinden, wohin dieser Weg führt. Denn wenn alles gesagt und getan wurde, können allein Ihre Entscheidungen und Taten noch das Schicksal der Erde verändern.
Gameplay
Im Vergleich zu Teil 1 hat sich nicht nur auf der technischen Ebene etwas verändert, auch spieltechnisch wurde „Deus Ex: Human Revolution“ auf eine neue Stufe gebracht. Im Vergleich zu damals wird der Spieler diesmal mehr bei der Hand genommen, um die Wahrheit zu entdecken. Weiters wagten die Entwickler einen Schritt weg vom klassischen Ego-Shooter zu machen und dem Spieler eher ein richtiges Action-Rollenspiel zu präsentieren. Klar kann man auch „Deus Ex: Human Revolution“ in typischer Bruce-Willis-Manier spielen, doch dann wird’s auch samt Augmentierungen schwierig. Munition für die vielen Waffen ist zwar genügend vorhanden, doch wenn man die Kugeln regelrecht raushaut, dann kann es schon mal eng werden. Aber Adam ist einfach nicht der typische Actionheld, der Tonnen von Munition auf dem Rücken geschnallt hat und auch nicht ein Nahkampfexperte wie Steven Seagal, der auch schon mal als Schiffskoch die Welt rettet.
Adam hat zwar übermenschliche Fähigkeiten, doch diese kann er nicht unbegrenzt einsetzen. Mit einem Überraschungsangriff kann man schon mal zwei Gegner im Nahkampf erledigen, doch dann sollte man die Akkus möglichst schnell wieder aufladen, denn technische Hilfsmittel wie Augmentierungen benötigen nun mal Energie. Unrealistisch ist dafür die Tatsache, dass der Protagonist über keine menschlichen Nahkampfangriffe verfügt. Dadurch kommt aber noch zusätzliche Würze ins Spiel, weil man deshalb noch taktischer vorgehen muss. Ich will nicht sagen, dass jeder Schuss und Angriff bis ins Detail durchgeplant sein will, aber man sollte sich schon vorab etwas überlegen. Die Gegner sind in „Deus Ex: Human Revolution“ nämlich alles andere als dumm wie Brot. Sie bewegen sich auf ausgeklügelten Routen fort, drehen sich auf gerne mal um, schlagen Alarm und vieles mehr. Insofern sollte man immer abwägen, ob man lieber unentdeckt bleiben möchte oder zuerst reingehen und dann fragen stellen soll. Genial finde ich hier einfach, dass dem Spieler so viele Möglichkeiten geboten werden.
Dasselbe gilt auch für die Augmentierungen. Es gibt kein vorgefertigten Fähigkeitsbäume oder ähnliches. Dieser Freiraum war auch schon in „Deus Ex“ ein großer Vorteil. Man kann je nach Spielweise die notwendigen Fähigkeiten verbessern und andere ganz weglassen. Dazu kommt ein einfach zu verwendendes Inventarsystem, das schnell abgerufen werden kann. Zur Abrundung des ganzen gibt’s noch ein Hack-Minispielchen, dass vermutlich auch als iOS-Spiel erfolgreich sein könnte. Bei diesem Minispiel muss man Viren oder Würmer einsetzen und mit einer ausgeklügelten Strategie schneller als das Sicherheitsystem sein.
Die Spielwelt ist derart gefüllt mit Schnick-Schnack und detailreich, wie man es kaum zuvor in einem Actionspiel gesehen hat. Gut, dass man mit Hilfe des Augenscanners auf Points of Interests hingewiesen wird, sonst würde man wohl jeden Schreibtisch auf den Kopf stellen in der Hoffnung, etwas sinnvolles zu finden. Die Animationen sind über weite Strecken sehr gut und auch die Menüführung lässt keine Wünsche offen. Negativ sind mir nur zwei Punkte aufgefallen. Zum einen ist die Animation beim Wegziehen von Leichen absolut unnatürlich (der Arm an dem man die Leiche zieht schwebt einfach in der Luft) und zum anderen sind die Mimik sowie die Haare der Charaktere im Spiel nicht up-to-date. Das hat man schon viel besser gesehen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
Soundtechnisch gibt’s nur hin und wieder Patzer bei der Synchronisation, wo die Mundbewegungen nicht wirklich zum gesprochenen Text passen. Aber abgesehen davon ist die Soundkulisse ein Ohrenschmaus. Alle Gespräche sind vertont, jeder NPC hat was zu sagen, Lautsprecherdurchsagen sind zu hören und auch die Kampfgeräusche klingen authentisch.
Steuerung
Die Steuerung ist für Fans des Genres absolut kein Hindernis. Es sind zwar, zumindest in der PS3-Version, manche Tasten genreuntypisch belegt, doch nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ist die Steuerung in Fleisch und Blut übergegangen. Spitze finde ich bei der Steuerung, dass dem Spieler alle neuen Möglichkeiten mit Hilfe von optionalen Tutorials erklärt werden. So kann man selbst wählen, ob man sich das Tutorial ansieht oder lieber überspringt. Ich bin kein Fan von Tutorials, aber hier ist das durchwegs angebracht.
Mehr als die teils genreuntypische Steuerungsbelegung stört mich aber das Deckungssystem, das wirklich essentiell ist, wenn man das Spiel meistern möchte. Mich persönlich hat es nicht restlos überzeugt, aber vielleicht muss man sich hier auch nur ein wenig daran gewöhnen. Alles in allem ist es dennoch gelungen, die vielen Steuerungsbefehle sinnvoll auf den DualShock 3 Controller zu packen.
Atmosphäre
Die Atmosphäre ist meiner Meinung nach einer der größten Pluspunkte des Spiels. Die Geschichte entfaltet sich absolut spannend und wird mit Videos untermalt, sodass man von der ersten Minute an voll in der Story gefangen ist. Auch das actionlastige Intro trägt einen ordentlichen Teil dazu bei. Doch nicht nur die Story weiß zu überzeugen. Auch die Umgebungen sind mit Schachteln, Müll, Büchern, Kartons, Putzmittel und vielem mehr vollgepackt. So wirken die Schauplätze absolut glaubhaft und nicht lieblos hingeklatscht. Zu guter Letzt rundet ein Dialogsystem, das Tiefe und auch Wahlmöglichkeiten bietet, das ganze perfekt ab.
“Deus Ex: Human Revolution“ bildet nicht nur die Geschichte von überdurchschnittlichen Menschen ab, sondern serviert Ihnen auch ein überdurchschnittlich gutes Spielerlebnis. Die Freiheit, die dem Spieler im gesamten Spiel geboten wird, sucht ihresgleichen, der Detailreichtum kennt kaum Grenzen und die Atmosphäre holt den Spieler schon beim Einlegen der Disc ab. Gamer-Herz, was willst du mehr? „Deus Ex: Human Revolution“ ist der Retter des lauen Videospielsommers und mit Sicherheit ein Anwärter auf den Titel „Action-Rollenspiel“ des Jahres!
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