Riesenspinnen, Räuber und Orks stehen zwischen dem ersehnten Schatz und Ihnen? Nun, dann kann es nur ein Dungeon-Crawler sein, oder?
Ja, da freut sich das Herz aller Dungeon-Crawl-Fans: Nach „Hunted“ und rechtzeitig vor „Diablo III“ kommt der dritte Teil der „Dungeon Siege“-Saga in den Handel. Doch was erwarten wir uns? Action-Rollenspiel vom Feinsten, Items zum Umfallen, eine zumindest teilweise fesselnde Story, beinharte Kämpfe und Suchtgefahr. Ja, im Grunde schon … aber irgendwie bekommen wir etwas anderes serviert.
Eine maue Geschichte
Rich Taylor, Projektleiter und nicht verwandt mit Chris Taylor, dem Erfinder der „Dungeon Siege“-Reihe, tischt uns klassische Kost bei der Hintergrundgeschichte auf: Jeyne Kassynder, eine dunkle Herrscherin, hat einen großen Teil des Königreichs von Ehb an sich gerissen. Zuvor wurde Volk und Militär gegen die Legion aufgehetzt, die früher Frieden und Wohlstand in die bekannte Welt brachte. Nun regiert die Dunkelheit und das Chaos, Kriege kündigen sich an und das Böse scheint zu siegen. Doch die Legion ist noch vorhanden, klein und verfolgt, aber doch: Odo, einer der ältesten Gelehrten, will die Legion versammeln, um einen Gegenangriff auf Kassynder zu führen und das Reich wieder zu vereinen.
Sie schlüpfen in die Rolle von einem der vier sehr unterschiedlichen Charaktere: Der Sohn eines ehemaligen Herrschers, eine Art Halbfee, ein Zauberer und eine Kriegerin. Alle sind, wie kann es auch anders sein, mit der Legion verbunden. Wer nun auf vier unterschiedliche Geschichten und Handlungsstränge hofft, wird jäh enttäuscht: Die Geschichten „fühlen“ sich zwar – besonders von den Zwischensequenzen her – anders an, münden dann aber recht schnell in den selben Ablauf.
Zuerst dringen Sie alleine zu einem Treffpunkt der Legion vor, der aber von bösen Söldnern in Brand gesteckt wurde. Sie flüchten zusammen mit einem Soldaten und suchen Odo am alternativen Treffpunkt. Dann machen Sie sich auf, um Ihre Party, also die jeweils anderen drei Charaktere, zu suchen.
Isometrisch mit ZoomDie Spielwelt stellt sich ganz im Stile des großen Vorbilds „Diablo“ grafisch dar, mit einer drehbaren Iso-Ansicht, die in drei Stufen auf zoombar ist. Eine kleine Minimap hält Sie über Ihre Position auf dem Laufenden, während das Head-Up-Display ansonsten absichtlich schlank gehalten wurde, was dem Spiel auch gut bekommt.
Das Gameplay an sich ist sehr geradlinig: Sie wandern durch die Gegend, plätten Gegner, finden Schatztruhen und allerlei Gegenstände, die Sie dann im Menü gegen Ihr derzeitiges Inventar austauschen können. Im Quest-Log sehen Sie immer, was Ihre derzeitige Aufgabe ist. Darüber hinaus können Sie im Pause-Menü auch noch Ihre Kampf-Fähigkeiten genau studieren.
Die Dialoge sind durchgehend gut gesprochen, wenn auch teilweise etwas langatmig und ohne viel Inhalt. Das ist mir auch schon bei den Zwischensequenzen aufgefallen: Die Standbilder wirken zwar stimmungsvoll, aber ein paar Szenen hätte man schon cineastisch umsetzen können. Zurück zu den Dialogen: Hier greift Obsidian auf ein „Mass Effect“-ähnliches Dialogsystem zurück, wo Sie in einem Kreis die nächste Option für den Dialog auswählen können. Allerdings werden keine Tendenzen oder Stimmungen angezeigt, aber die Grundessenz der Antwort oder Frage.
Kein echtes „Diablo“
Wie Sie bestimmt schon merken, bin ich etwas kritisch eingestellt – warum? Nun, ich habe mich auf eine Sammelwut, einfache und knackige Kämpfe sowie einige fesselnde, aber nicht zu komplizierte Charakter-Elemente gefreut. Was bekomme ich? Keinen Fokus auf Sucht und Items, sondern auf Kampf – „Dungeon Siege III“ ist ein Dungeon-Hacker mit Schlauchlevels und starkem Schwierigkeitsgrad, der Verrenkungen in den Fingern von den vielen Kombos auslöst. Ich sage nicht, dass dies schlecht ist – wenn man sich darauf einstellt oder damit rechnet.
Das Kampf-System fordert nämlich auch Profis ziemlich: Bereits am Anfang, im Kampf gegen Riesenspinnen, müssen Sie, besonders als Zauberer, schnell sein und sich teleporten. Insgesamt drei Zaubersprüche können Sie gleichzeitig nutzen, dann müssen Sie umschalten. Sie sehen: Nah-, Fernkampf, Teleport, Kraft-Angriff – ziemlich viel zu tun, vor allem mit dem Controller.
Bei einem Level-Aufstieg schalten Sie dann neue Zauber frei, verstärken die bereits vorhandenen und können zudem individuelle Charakter-Ausprägungen der Fähigkeiten setzen, wie beispielsweise, dass ein Elektro-Stoss mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sich weiter fortsetzt. Der Charakter-Bildschirm ist recht einfach gehalten und zeigt Ihnen auf Wunsch auch eine Zahlenflut an, in die Sie aber in dem kurzen Tutorial nicht eingeführt werden – was aber auch nicht stört. So teleporte ich mich mit Reinhart Manx, dem Zauberer, durch die Gegend, setze Fallen, die aber lange dazu brauchen, vollführe schnelle Attacken, muss ausweichen und mich heilen. Apropos: Heilung funktioniert nur durch Pick-Up-Orbs, genau wie beim Mana – Heiltränke etc. suchen Sie vergebens.
Grafik, Sound und SteuerungAn der grafischen Umsetzung des Titels kann man nicht herummeckern: Schöne Effekte, detaillierte Modelle, gute Atmosphäre. Hier kann „Dungeon Siege III“ schön punkten, wenn ich mir auch noch einen besseren Zoom vorgestellt hätte – zum Beispiel etwas stufenloser? Einzig die Menüs wirken irgendwie unfertig und teilweise lieblos.
Die Musik ist kraftvoll und belebt die Szenerie. Hier merkt man den Anspruch des Spiels. Die Sprachausgabe ist, wie bereits erwähnt, sehr gut gelungen. Die Soundeffekte wirken stimmungsvoll untermalend, aber nicht aufdringlich oder bedrängend.
Die Steuerung mit dem Xbox-Controller geht an sich leicht von der Hand, nur bei Kämpfen würde ich mir Maus und Tastatur wünschen – zu ungenau, zu pingelig muss man umschalten und sich herumquälen.
Zusammenfassung
Kurzum: Für Action-Liebhaber und Kampf-Fans, die auch komplexe Kombos mögen und nicht auf eine lange Spielzeit Wert legen, ist das Spiel genau das Richtige – beispielsweise, wenn Ihnen „Darksiders“ Spaß gemacht hat. Deswegen ist das Spiel auch auf der Konsole gut beheimatet. Wenn Sie allerdings auf der Suche nach einem Dungeon-Crawler mit den Elementen „Sammeln und Entdecken“ sind, dann werden Sie zwangsläufig leider enttäuscht. Ist das der Anspruch von „Dungeon Siege“? Vielleicht war er es am Anfang der Serie, nun ist der Action-Aspekt eindeutig vorrangig … mir tut es leid.
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