Von iOS auf PS3: Kann dies funktionieren? Das originale „Dungeon Hunter“, ein Crawler der feinsten Sorte auf dem Tablet/Smartphone, fand seinen Weg in das PlayStation Network. Leicht überarbeitet und für Mehrspielerspaß ausgelegt, sind das die Rezepte für einen guten Kampf? Lesen Sie mehr!
Story
Schon wie beim iOS-“Dungeon Hunter“ spielen Sie den Herrscher, der von seiner Herzensdame umgebracht wird. Aber halt, warum ist dies so? Zuvor hatte der Prinz sich an den dunklen Künsten versucht, die verstorbene Frau wiederzubeleben. Dies gelang ihm auch, doch die Dämonen hatten sich etwas Besonderes einfallen lassen. Sie erhielt ihren Charakter nicht mehr zurück und fand es dadurch auch ziemlich einfach, den Gatten über den Jordan gehen zu lassen. Doch Celeste, eine Fee im Dienste des Reichs, hat genug von all der Schreckensherrschaft und erweckt den einstigen Regenten wieder zum Leben - dabei hatte sie ein paar Formalitäten außer Acht gelassen, so sagte sie. Wie das Ganze aussieht, sehen Sie dann hier!
Inhaltlich ist „Dungeon Hunter: Alliance“ wie gesagt eine treue Umsetzung des zwei Jahre alten iPhone-Originals, welches Sie in die Rolle eines Königs versetzt, der durch Feenhand von den Toten aufersteht, um sein einstiges Reich vor einer dunklen Bedrohung zu bewahren, die von seiner ebenfalls untoten Gattin und einem besessenen Priester auszugehen scheint. Auf dem Weg ans Ziel lauern aber natürlich noch viele andere Gefahren, die es in elf Akten inklusive diverser Nebenaufgaben zu bewältigen gilt. Das Erfolgsrezept für einen guten „Diablo 2“-Klon ist relativ einfach: Viele Dungeons, noch mehr Gegner, noch viel mehr verschiedene Items, durchschlagskräftige Skills, verschiedene Charakterklassen und einen Multiplayer-Modus. Ja: Im Vergleich zu iOS hat die PS3-Version einen genialen Mehrspieler spendiert bekommen, aber dazu später mehr.
Der Fokus liegt darauf, Hunderte Gegner in Stücke zu hauen und sich den fallengelassenen Gegenständen zu bemächtigen. Bei der Verwaltung der Gegenstände hat gameloft sich kluge Features einfallen lassen: So lassen sich Items, die unter einer von Ihnen festgelegten Grenze (nicht magisch, eine, zwei, drei oder vier Verzauberungen) liegen, beim Aufsammeln direkt in Gold verwandeln. Wer sich nicht darum scheren will, seine Ausrüstung en Detail zusammenzustellen, hat die Möglichkeit, auf Knopfdruck im Menü einfach die optimale Ausrüstung anzulegen. Die Wahl besteht aus Krieger, Schurke und Magier, wie schon im Original. Jede Klasse beherrscht bis zu 15 verschiedene Fertigkeiten, welche sich beim Stufenaufstieg Schritt für Schritt lassen. Für die Fertigkeiten stehen drei Slots zur Verfügung. Zusätzlich gesellen sich im Laufe des Spiels noch Feen wie Celeste zum Spieler hinzu und unterstützen mit Spezialfähigkeiten, die sich einmal pro Minute ausführen lassen.
Im Gegensatz zum Original kann man sich auf der PS3 nicht nur allein, sondern mit bis zu drei Gefährten auf die Reise begeben. Das mag erzählerisch wenig Sinn machen, da die Handlung nur auf einen Protagonisten ausgelegt ist, der Spaßfaktor ist im Team aber natürlich ungleich höher. Schön ist auch, dass man sich sowohl off- als auch online mit anderen zusammentun kann - sogar eine Kombination aus beidem ist möglich.
Grafik und Sound
Grafisch beginnt „Dungeon Hunter: Alliance“ wie ein Abklatsch des iPad/iPhone-Originals, mit einem schönen Zoom auf die Gesichter der Charaktere. Hässlich! Nach der Wahl der Klasse jedoch stellen Sie zufrieden fest, dass die Kamera sehr weit herauszoomt und Sie sich so auf die flüssige Spielmechanik konzentrieren können. Die Lichteffekte sind gelungen, die Umgebungen zumindest halbwegs abwechslungsreich und wenn Sie das Original auf iOS kennen, wissen Sie ja schon, was Sie erwartet. Dafür bleibt auch mit vier Leuten im Spiel das Spielgeschehen stets flüssig. Was jedoch richtig sauer macht, sind die extrem langen Ladezeiten zwischen den Locations, wo man sich schon teilweise fragen kann, was es da so viel zu laden gibt. Hier gilt es also, Geduld mitzubringen - sie schadet zumindest nicht. Akustisch macht das Spiel seinen Job ordentlich. Krachende Schläge und beeindruckende Zaubersprüche tragen zur Atmosphäre bei, hier fehlen eigentlich nur eine schöne Sprachausgabe und vielleicht noch ein wenig mehr Variation in Sachen Musik.
Vermutlich wollte gameloft die Steuerung so simpel wie möglich halten. Hat dies funktioniert? Nun, neben dem Einsatz von Fertigkeiten wie Spezialangriffen und Zaubern sowie dem Ausführen von Standardangriffen kann man alle 60 Sekunden eine von fünf als passiven Begleiter gewählte Fee herbeirufen, die je nach elementarer Ladung verlangsamende Eiskristalle, zurück drängende Wirbelstürme oder lähmende Erdstöße verursacht (und Ihnen dabei noch ein paar Resistenzen verschafft, jede etwas anderes) und sich auf Knopfdruck heilen. Da es nur eine Sorte von Tränken gibt, welche gleichzeitig die komplette Lebens- und Zauberenergie auffrischen, spart man sich auch hier unnötige Zusatzarbeit. Mit L1 wird getrunken. Die optionale Move-Steuerung macht hingegen wenig Sinn und hätte man sich komplett sparen können. Sie simuliert eine Art Maussteuerung, nur mit dem Unterschied, dass Sie nicht ständiges Feedback haben und stets auf den Bildschirm zeigen müssen. Durch Schütteln und Neigen können Sie verschiedene Funktionen aktivieren, aber Controller-geeichte Spieler greifen schon nach maximal zehn Minuten wieder zum geliebten Dualshock-Gerät...
Hier geht es rund: Zu viert gehen Sie in den kultigen Dungeons auf Monsterhatz, egal, ob on- oder offline: Sie können sich von überall Unterstützung holen. Sie vertrauen Ihrem Gegenüber nicht? Kein Thema, denn sogar die Beute wird halbwegs fair aufgeteilt. Doch auch, wenn es keine direkte Tauschfunktion gibt, kann man unpassende Gegenstände jederzeit ablegen und sogar bestimmen, ob sie von allen oder nur einem bestimmten Mitspieler eingesackt werden können - cool!
Nett gestaltete Umgebungen mit etwas wenig unterschiedlichem Design, flüssige Spielqualität, eine Geschichte zum Vergessen: Licht trifft auf Schatten in diesem Spiel, und „Dungeon Hunter: Alliance“ ist bestimmt nicht das Spiel, auf das die PS3 gewartet hat. Dennoch: Wer viel Freude mit Dungeoncrawling an sich hat (lesen Sie: „Torchlight“, „Diablo 2“, „Dungeon Hunter“), sollte aber diese 13 Euro mit Freude investieren: Das lohnt sich auf jeden Fall, vor allem wegen dem coolen Mehrspielermodus.
Es ist, was es ist, sagt gameloft: Das starke Original auf iOS wurde zwar fachmännisch umgesetzt, kann aber nicht so glänzen, wie es könnte. Vielleicht macht ein „Dungeon Hunter: Second Alliance“ (denken Sie sich‘s aus) die kleinen Mängel dieses Titels wett: Mit der Zeit eintöniges Leveldesign, hakelige Kollisionsabfrage, extrem lange Ladezeiten und das stupide Dauermetzeln müssen im Jahre 2011 nicht mehr wirklich sein. Natürlich ist es eine gelungene Wartezeitsverkürzung bis zum lang ersehnten „Diablo III“, aber dennoch könnte diese Spielreihe noch so viel mehr sein.
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