Sie stehen auf flotte Sprüche, knallharte Action und blutverschmierte Wände? Dann könnte „Shadows of the Damned“ wie für Sie geschaffen sein. Wenn Sie erfahren möchten, ob der gut gebaute und mit Tattoos übersäte Garcia Hotspur Ihnen einen gelungenen Höllentrip serviert oder nicht, sollten Sie unbedingt weiterlesen.
Story
Die Story wirkt gerade so lächerlich. Wie oft hat man es schon erlebt, dass ein wütender, enttäuschter, stinkiger Dämon aus der Unterwelt im Hier und Jetzt auftaucht und dabei natürlich die Geliebte eines Badass-Helden entführt? Wenn man sich entscheidet, ein Survival Horror-Spiel zu machen, das in irgendeiner Form mit der Hölle oder einer Dämonenwelt zu tun hat, ist das wohl die erste Idee, die den Storyverantwortlichen einfällt. So auch hier. Garcia Hotspur, ein erfolgreicher Dämonenjäger, der schon so einigen Unterweltlern das Licht ausgeblasen hat, trifft eines Nachts auf einen mit Blut überströmten Dämonen, der Garcia mit der letzten Kraft auf die wohl schwerste Mission seines Lebens einstimmt. Er fragt Gracia ganz direkt, was er wohl machen würden, wenn die Dämonen ihm das Wichtigste in seinem Leben nehmen würden, und schon mit dem nächsten Atemzug spricht er den Namen von Garcia’s Herzensdame aus. Zu Hause angekommen, erkundet man in einem Tutorial die eigene Wohnung, in der auch gleich die ersten Dämonen auftauchen. Diese Ausgeburten der Hölle stellen aber für einen kampferprobten Dämonenjäger wie Garcia kein Problem dar. Anders sieht‘s da beim Big Boss der Unterwelt, Fleming, aus. Er schnappt sich Paula, Garcia’s Herzensdame und nimmt sie mit in die Hölle, um sie tausend Tode sterben zu lassen. Garcia hätte nicht das Problem, sich eine neue bessere Hälfte anzulachen, doch entschließt er sich kurzerhand, wie ein echter Kerl, dem sechsäugigen Fleming in die Unterwelt zu folgen und dem Unruhestifter das Handwerk zu legen.
In der Unterwelt kann sich Garcia stets auf seinen treuen Begleiter Johnson verlassen. Doch wer ist dieser Johnson? Etwa ein muskelbepackter Marine? Ein Cyborg oder ein Geist? Weder noch – Johnson ist ein fliegender Totenkopf, der höchstpersönlich aus der Dämonenwelt stammt. Er kann sich in drei verschiedene Waffen verwandeln und hat auch noch den ein oder anderen cleveren Rat auf Lager, immerhin kenn er die Dämonenwelt wie seine Westentasche. So erklärt uns Johnson beispielsweise, dass Luster in Form eines Ziegenkopfes, wie jeder weiß, die Dunkelheit vertreiben oder das Dämonen auf Erdbeeren, die laut Johnson aus zermahlenen Zungen bestehen, stehen. Was würde man in so einer abgedrehten Welt ohne einen so ortskundigen Begleiter? Für Abwechslung und Erheiterung sorgen auch die tiefgreifenden Gespräche zwischen Garcia und Johnson, in denen Garcia eine herrlich (?) sexistische, gewaltverherrlichende und vulgäre Ausdrucksweise an den Tag legt.
Ein Shooter von der Stange?
Das Setting erinnert mich hin und wieder von der Abgedrehtheit an „Alice: Madness Returns“. Hier fliegen zwar keine Schweinenasen herum, die mit Pfeffer vollgepumpt werden müssen, dafür dürfen Sie bei fliegenden Augen, die sich erschrecken, wenn man ihnen zu nahe kommt, speichern. Dazu kommen absolut passende Elemente, wie eben die vorher genannten Ziegenköpfe, Babykopf-Türen, die auf Gehirne, Augen oder Erdbeeren stehen sowie purer Alkohol, der als Heilmittel verwendet wird. Dazu kommen, wie nicht anders zu erwarten, wenn Shinji Mikami mit an Bord ist, die hohe Anzahl an Bossgegnern. Als wäre das noch nicht abgedreht genug, warten auflockernde Gameplayelemente, wie kleine Rätsel oder hölzern wirkender 2D-Sidescrolling-Comicshooter.
Spieltechnisch erwartet Sie ein richtiges Survival-Horrorgame, das vom gezielten Einsatz von Schockermomenten und dem Gänsehaut erzeugenden Setting lebt. Beispielsweise geht man um eine Ecke und man sieht einen toten Körper durch die Luft fliegen, um mit einer gewaltigen Blutexplosion an eine Wand zu donnern. Gespielt wird in einer Third Person-Ansicht, die mit einer nachjustierbaren Kamera realisiert wurde. Das funktioniert über weite Strecken gut, aber gerade im Kampf offenbart die Kamera so einige Tücken. Wenn man beispielsweise einen Rundumschlag mit der Fackel ansetzt, muss man sich oft danach erst wieder orientieren. Aber im Großen und Ganzen funktioniert die Kamera samt Führung ganz gut. Apropos Fackel: Der Faktor Licht spielt im Spiel eine wichtige Rolle. Oft verdunkelt sich die Spielwelt, und Sie müssen so schnell wie möglich den lichtspendenden Ziegekopfluster mit einem Licht-Schuß erhellen. Doch die Finsternis, die Garcia mit der Zeit Lebensenergie absaugt, hat nicht nur negative Seite. Oftmals müssen Sie sich mit Absicht in die Dunkelheit begeben, um ein Rätsel zu lösen, einen Schalter zu betätigen oder ähnliches.
Wie bereits erwähnt, kann sich Johnson in drei verschiedene Waffen verwandeln, die auch noch im Bezug auf Ladegeschwindigkeit, Schaden und vieles mehr aufgerüstet werden können. Auch Garcia’s Lebensenergie kann man mit gesammelten, roten Juwelen verbessern. Sollte Ihnen die Munition ausgehen, müssen Sie auch nicht verzagen, denn als lichtspendende Fackel kann man Johnson auch ganz gut als Haudrauf-Knüppel verwenden und den Gegnern im Nahkampf richtig einheizen. Sollte wider Willen dennoch die Lebensenergie in den kritischen Bereich sinken, kann man mit ein paar Drinks wieder auf Vordermann bringen. Gespeichert wird bei den fliegenden Augen, die sich erschrecken, und diese Speicherpunkte werden meiner Meinung nach auch bitter benötigt, denn die Kombination aus Kampf-, Rätsel- und Zeitdrucksituationen verlangt den Spieler oft einiges ab. Schade ist hierbei nur, dass man nach dem Ableben wieder die Videosequenzen komplett anschauen muss. Eine Überspringen-Funktion gibt es hier leider nicht.
Fordernd sind auch die Bosskämpfe, von denen nicht zu wenig im Spiel untergebracht sind. Jeder Boss macht Ihnen richtig Stress und oft bleibt nur das Trial & Error-Prinzip, um den Schwachpunkt des Gegners zu finden. Oft muss auch einfach nur die richtige Waffe im Vorfeld ausgewählt werden oder die Umgebung, wie zum Beispiel Explosionsfässer genutzt werden.
Alles in allem ist das Spiel trotz einiger Frustmomente wirklich unterhaltsam und serviert dem Spieler eine Spielerfahrung, die doch etwas abseits vom 08/15-Standardshooter ist. Fans von abgedrehten Horrorspielen macht das mit Sicherheit auch in der Kombination mit dem fluchenden Garcia und den teilweise recht ängstlich wirkenden Johnson eine Menge Spaß.
Warum, warum wird der Spieler heutzutage immer mehr mit Schlauchlevels und Checkpointlevels bombardiert. Auch hier ist das wieder der Fall. Meistens sammelt man einen Schlüssel nach dem anderen, so dass dem Spieler nur ein Weg zum „Erkunden“ offen bleibt, und dazu kommt noch das Checkpointsystem, das mich wirklich nervt. Da steigt man über eine Leiter, und kaum ist man oben angekommen, kann man an gewissen Punkten im Spiel einfach nicht mehr zurückgehen. Ich will jetzt nicht immer bis zum Eingang in die Hölle zurückkehren können, aber ein bisschen mehr Freiraum hätte dem Spiel wirklich gut getan.
Kommen wir nun zu einem der wohl größten Schwachpunkte im Spiel. Die Grafik ist zwar besser als im HD-Konsolentitel „Alice: Madness Returns“, der ebenfalls die Unreal Engine nutzt und zweifellos besser als im 15 Jahre in der Entwicklung gesteckten „Duke Nukem Forever“, aber alles in allem ist das für mich in der heutigen Zeit eindeutig zu wenig. Mit Lichteffekten und dem düsterem Setting versucht man, die Schwächen gezielt zu verstecken, aber das gelingt leider über weite Strecken gar nicht. Die Animationen der Gegner wirken teilweise sehr holprig und bei der Lektion „Wie gehe ich mit Extremitäten und Waffen, die in der Wand verschwinden um“ haben die Entwickler wohl eine größer dimensionierte Kaffeepause eingelegt. Es ist teilweise erschreckend, wenn man durch eine geschlossene Türe einen Zombiekopf ragen sieht, der kurz darauf wieder verschwindet, um dann wieder kurz zu erscheinen. Selbes gilt für Garcia, der auch offenbar auch übersinnliche Kräfte hat und durch geschlossene Türen schlagen kann. Damit stellt man sich im Bezug auf Kollisionsabfragen auf die Stufe mit „Fist of the North Star – Ken’s Rage“ oder den Shooter „Sniper: Ghost Warrior“. Wenn man sich hier die Feinheiten der Unreal Engine mehr zu Nutze gemacht hätte, wären solche Fehler nicht passiert und obendrein die Mimik des Helden auch etwas glaubhafter transportiert worden.
Auch wenn die Grafik inklusive Animationen hier und dar Schwächen aufweist, muss man dem Soundteam unter der Führung von Akira Yamaoka („Silent Hill)“ ein großes Lob aussprechen. Die Vertonung von Garcia und Johnson ist absolut klasse – vielleicht auch, weil man auf eine deutsche Lokalisierung im Gegensatz zu „Duke Nukem Forever“ verzichtet hat. Dazu kommt ein fantastischer Soundtrack, der sich keinesfalls authentischer und passender präsentieren könnte.
Die Steuerung wird im Mini-Tutorial am Beginn erklärt und auch im Spiel folgen einige Hinweise zur Steuerung, die über weite Strecken gut funktioniert, außer vielleicht beim 2D-Comicshooter-Spielchen. Die Tastenbelegung wirkt durchdacht und schlüssig, weshalb Sie vor allem für Genrefans absolut kein Problem darstellen dürfte.
Atmosphäre
Die Atmosphäre ist meiner Meinung nach DER große Aufhänger (im positive Sinne) des Spiels. Die Hauptfigur wirkt so trashing, vulgar und gewaltverherrlichend, dass es schon wieder cool und lässig ist. Dieser Punkt wurde ja bei “Duke Nukem Forever” gewaltig verfehlt. Dazu kommt der ebenfalls wortgewandte Johnson, der Garcia bei seinem Höllentrip als treuer Begleiter zur Seite steht. Die Story hätte zwar etwas einfallsreicher sein können, aber dafür passt das Setting wie die Faust aufs Auge. Die blutverschmierten Wände, die angriffslustigen Zombies, die lichtspendenden Ziegenköpfe, die fliegenden Augen als Speicherpunkte, die erdbeersüchtigen Babytürschlösser und viele weitere so kleine Puzzlestückchen sorgen für ein authentisches Setting, das den Spieler von den der ersten Minute an fesselt.
Schon im Vorfeld klar, dass der Titel polarisieren würde. Ein Trash-Protagonist, der mit einer vulgären, aggressiven und hasserfüllten Ausdrucksweise, in einer abgedrehten Höllenwelt auftritt, hat freilich keinen leichten Stand, aber ich muss dennoch sagen, mir persönlich hat der Mix sehr gut gefallen. Was allerdings negativ ins Gewicht fällt, ist die minimalistische Story sowie die nicht schönredbaren Schwächen bei der Grafik. Dennoch muss man klar sagen, dass „Shadows of the Damned“ vulgär, blutig und vor allem actionreich ist und somit für Genre-Fans, die ohne High-End Grafik auskommen, absolut zu empfehlen ist.
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