Mit "Dungeon Siege III" ist die "Dungeon Siege" Rollenspiel-Trilogie komplett. Ein neues Kampfsystem, vier wählbare Charaktere und eine, im Vordergrund stehende, Geschichte sollten das Rollenspiel in ein neues Zeitalter führen. Ob das gelungen ist, oder an dem Spiel der Zahn der Zeit nagt, lesen Sie am besten in diesem Review.
Story
Im Krieg der Legionen wurde das Königreich Ehb von der 10. Legion beschützt. Tapfere Legionäre kämpften für den König und stellten sich nach dem Sieg an die Seite der Monarchie. Mit der Zeit wurde die 10. Legion immer mächtiger, bis sie eines Tages dem Königreich ebenbürtig war. Zu dieser Zeit passierte es, dass der König ermordet wurde und die Legion unschuldig der Tat angeklagt wurde. Das Volk übte den Aufstand und wurde unter Jeyne Kassynder erfolgreich angeführt. Die 10. Legion wurde ausgerottet und deren Besitztümer vernichtet. Jeyne Kassynder übernahm danach die Herrschaft über viele Teile des zersplitterten Königreichs und ließ weiterhin alle verbleibenden Nachfahren töten. Und wer nicht von Jeyne erledigt wurde, fiel dem aufgebrachten Pöbel zum Opfer. Odo, der wahrscheinlich letzte Legionär, nahm die übriggebliebenen Nachfahren zu sich auf und beschützte sie. Es ist an der Zeit, sich zu versammeln, um der 10. Legion zu seinem alten Glanz zu verhelfen und das Königreich von Jeyne Kassynder zurück zu erobern. An dieser Stelle möchten wir das Intro zeigen, sowie die Einführungssequenz der Archon Anjali.
Bevor man sich in den Kampf werfen kann, muss einmal ein Charakter gewählt werden. Hierzu stehen Ihnen vier verschiedene Kämpfer zu Verfügung. Der typische Nahkämpfer Lucas Montbarron, Sohn des ehemaligen Legion-Großmeisters. Er ist ein Schwertkämpfer und kann sich problemlos durch große Gegnerhorden durchkämpfen. Katarina, eine Lescanzi-Hexe, und uneheliche Tochter des ehemaligen Legion-Großmeisters. Sie kämpft mit Schusswaffen und ist für jede Entfernung optimal gerüstet. Reinhart Manx, ein Gelehrter der arkanen Magie, der sich die Kräfte von Schöpfung und Zerstörung zunutze machen kann. Und als vierte im Bunde gibt es noch Anjali, ein Archon. Sie ist ein Feuergeist und kann neben ihrer menschlichen Gestalt auch noch als flammendes Wesen in Aktion treten. Egal, wie Sie sich entscheiden, jeder Charakter ist es wert, gespielt zu werden. Es gibt nicht nur individuelle Hintergrundgeschichten, auch die Kämpfer selbst, spielen sich ganz anders. So kann man sich mit Lucas und seinem breiten Schwert mitten in die Gegner wagen, während zum Beispiel mit Anjali mehr Vorsicht geboten ist. Sie haben die Qual der Wahl.
Wie spielt sich nun eigentlich "Dungeon Siege III"? Erstens beginnt das Spiel mit einer gewaltigen Marschleistung. Es wird gegangen, bis die Stiefel brennen. Wie auch schon im Vorgänger gelangt man dabei mittels Schlauchlevels relativ schnell durch die verschiedenen Landschaften. Dennoch bedarf es einer großartigen konditionellen Leistung unseres Helden. Nach den ersten paar Kämpfen kann man bereits mit dem Ausrüsten beginnen. Viele der Gegner verlieren brauchbare Gegenstände, die über das Menü sofort ausgerüstet werden können. Ein dickes, fettes "New" kündigt dabei an, in welcher der Sparten neue Ausrüstungsgegenstände gefunden wurden. Ebenso hilfreich ist die Tatsache, dass neben dem Gegenstand sein Preis aufgelistet wird. So braucht man nie lange nach der besten Waffe, Hose, Rüstung oder dem besten Helm suchen, da die teuersten Items immer ganz oben stehen.
Haben Sie die ersten paar Kämpfe überstanden und Ihre Rüstung auf Vordermann gebracht, werden Sie sich sicherlich wundern, wo die Heil- und Manatränke bleiben. Es gibt keine! In diesem Teil wurde gänzlich auf Tränke dieser Art verzichtet. Stattdessen verlieren die geschlagenen Gegner grüne und blau Leuchtkugeln, auch gerne einmal Orbs genannt. Als zweite Lösung, um den Gesundheitsbalken aufzufüllen, gibt es noch die Möglichkeit von Zaubersprüchen.
Um sich solche Zaubersprüche anzueignen, muss man auf den obligaten Levelaufstieg warten. Dann ist es soweit. Man darf sich verschiedenen Fähigkeiten seiner Wahl aussuchen. Im nächsten Schritt können diese dann, unter dem Namen "Fertigkeiten" noch einmal vertieft werden. So kann man bei Anjali zum Beispiel die Fähigkeit "Drehtritt" verbessern. Als Fertigkeit kann man sich beim Drehtritt nun aussuchen, ob man mit dieser Fähigkeit seine Gegner lähmen, oder eher zusätzlichen Brandschaden hinzufügen will. So kann man jede Fähigkeit in zwei Fertigkeiten unterteilen, und das Ganze insgesamt fünf Mal. Hat man sich durch die ersten beiden Verteilungen durchgeschlagen, wartet nur noch das Talent auf seine Punkte. Insgesamt gibt es zehn verschiedene Talente, die alle passiv wirken. Auch hier werden erst mit dem Fortschritt im Spiel weitere Talente freigeschaltet. Auch Ihr Wegbegleiter steigt in seinem Rang nach oben und freut sich, wenn Sie für ihn Fähigkeiten, Fertigkeiten und Talente bestimmten. Hiermit gibt es wenigstens etwas, das noch vom zweiten Teil geblieben ist.
Sprich mit mir
Wie es so üblich ist für einen Vertreter des Rollenspielgenres, gibt es in "Dungeon Siege III" jede Menge Dialoge. Über dies und das, über jenes und was anderes, über Gott und die Welt wird diskutiert, oder besser gesagt, kann nachgefragt werden. Neben der Neugier des Spielers, alles über sein Gegenüber, und die aktuelle Situation zu erfahren, eröffnet sich uns auch das eine oder andere Mal eine Entscheidungsmöglichkeit, die sich im späteren Verlauf auswirken kann. Auch im Spiel heißt es somit: Zuerst denken, dann reden!
Ansonsten trumpft das Spiel mit einem hohen Schwierigkeitsgrad auf, auch wenn man das Schwierigkeitslevel auf "Normal" einstellt. Im Test mit Anjali fiel dies besonders stark auf, und so muss man taktisch diszipliniert vorgehen. Ist man nicht mit Kämpfen beschäftigt, kann man Jagd auf Kisten, Fässer und Vasen machen. Meistens wartet eine Belohnung in Form von Goldmünzen auf den Helden. Damit könnte man sich beim Händler etwas erstehen, wenn man im Laufe des Spiels nicht sowieso Unmengen an Ausrüstungsgegenständen finden würde. So häuft man ein kleines Vermögen an und weiß nicht wohin. Wie wäre es mit einer Anlage in Immobilien, wie es "Fable III" vorgemacht hat? Als letzten Punkt darf man die bescheidenen Kameraeinstellungen erwähnen. Es gibt zwei verschiedene, wobei man mit einer schlechter sieht als mit der anderen. Entweder Sie sehen Ihrem Helden über die Schulter und fünf Meter weiter vorne in den Boden, oder Sie nehmen die entferntere Kameraanasicht und sehen alles im Umkreis von fünf Metern. Wirklich zufriedenstellend sind die beiden Kameraoptionen nicht.
Grafik und Sound
Optisch präsentiert sich "Dungeon Siege III" bei weitem nicht so detailliert und schön wie das zuletzt erschienene "The Witcher 2". Geralt von Riva sieht zu seinen schlechtesten Zeiten noch besser aus als einer der Charaktere aus "Dungeon Siege III". Zumindest in den Zwischensequenzen. Diese laufen grundlegend sehr "bewegungseintönig" ab, denn meistens stehen die Figuren einfach nur da und bewegen ihren Mund. Die Kampfanimationen hingegen sehen sehr gut und flüssig aus. Die Musik passt hervorragend zu diesem Spiel und unterstützt die Atmosphäre sowie den Spannungsaufbau sehr gut. Auch die Synchronisation funktioniert und wirkt halbwegs glaubwürdig, auch wenn Anjali und die andere Archon Rajani ein wenig wie Roboter klingen. Hingegen überzeugen Katarina und ihre Schwester im Englischen mit einem fulminanten russischen Akzent. Passt so etwas überhaupt in ein Fantasy-Rollenspiel? Wer weiß das schon, Hauptsache, es klingt gut.
Die Steuerung ist ein mittelschwerer Krampf. Hier bekommt man die volle Ladung einer unnötigen Auslegung von Spielen für Konsolen, zu spüren. Denn "Dungeon Siege III" ist der erste Teil, der auch für die Konsolen PS3 und Xbox 360 veröffentlicht wird. Meiner Meinung ist dies total unnötig! Dafür kann man sich die PC-Version sparen, wenn man keinen Controller hat, denn das Spiel mit der Tastatur ist ein Graus sondergleichen. Da muss ich wohl wieder zum zweiten Teil greifen.
Kurz und bündig: Der Koop-Modus kann lokal oder online gezockt werden. Über einen PC kann man aber nur spielen, wenn man logischerweise mindestens einen Controller besitzt. Über das Internet kann man zu viert auf Jagd gehen. Bei beiden Versionen gilt aber immer der Host als Chef aller Dinge. Alle anderen spielen nur als Begleitung für den Host, und unterstützen ihn bei seinen Aufgaben. Auch das Annehmen von Quests ist reine Chefsache.
Was hier nicht so berauschend klingt, ist es auch. Sogar über den lokalen Koop-Modus macht das Spiel keinen Spaß, da es zum Glück (?) keinen Splitscreen gibt. Also entweder läuft man immer zusammen los, oder einer der beiden hängt stets in einem Bildschirmeck, weil er entweder zu schnell oder zu langsam ist.
Viel ist nicht mehr von den beiden ersten "Dungeon Siege"-Ablegern übriggeblieben. Dafür gibt es wieder unterschiedliche Schauplätze, die sehr mystisch und stimmig umgesetzt wurden. Auch die Musik und die vielen verschiedenen Gegnertypen tragen positiv zum Spiel bei. Ein negativer Punkt wäre sicher die Landschaftsanimationen. Wenn man nicht gerade über eine Brücke läuft, sieht man im Hintergrund selten Bewegung in der Flora und Fauna. Die bewegungslosen Charaktere in den Zwischensequenzen sind ebenfalls ein Stimmungskiller.
"Dungeon Siege III" hat nicht mehr viel von seinen Vorgängern. Erschwerend kommt noch dazu, dass sich die PC-Spieler mit der lächerlichen Steuerung plagen müssen, und das auch noch für eine Spielreihe, die bisher nur für den PC erschienen ist. Trotz der "Konsolensteuerung", dem schwachen Mehrspieler-Modus und der durchschnittlichen Grafik, gibt es die fordernden Kämpfe, die gelungene Synchronisierung und auch die Entscheidungsmöglichkeiten, die die Fahne des Spiels wenigstens ein bisschen hoch halten. Als PC-Spieler kann und darf man mit "Dungeon Siege III" nicht vollends zufrieden sein.
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