Im Jahr 2009 veröffentlichte Sony Computer Entertainment den PlayStation 3 Exklusivtitel „inFamous“, der aus der Spieleschmiede von Sucker Punch stammt. Nun, rund zwei Jahre nach dem ersten Auftreten von Cole MacGrath auf der Bildfläche, veröffentlicht Sony die Fortsetzung, die mehr oder weniger direkt an die Geschehnisse von „inFamous“ anschließt. Ob der Titel auch im Bezug auf Grafik, Steuerung und Gameplay auf einem ähnlichen Niveau wie der Vorgänger ist oder nicht, erfahren Sie im folgenden Review.
Was bisher geschah...
Cole MacGrath, der Protagonist von „inFamous“ ist ein Fahrradkurier in der Megametropole Empire City. Während einem normalen Botengang gibt es eine gewaltige Explosion im Herzen von Empire City. In der Stadt herrscht nach dem Supergau Verwirrung und Chaos, doch das war noch nicht alles. Der einfache Fahrradkurier verfügt auf einmal über Superkräfte. Er kann nun mir nichts, dir nichts gewaltige Blitzkräfte entfesseln. Im Spielverlauf entscheidet dann der Spieler, ob er mit den neuen Superkräften zum Überschurken oder zum Kämpfer für Recht und Ordnung wird. In vielen Karma-Szenen entscheiden Sie mit Ihren Handlungen, welche Richtung Sie einschlagen. Durch das Abenteuer begleitete Cole der alte und „treue“ Freund Zeke.
Während in der Stadt auf einmal mehrere finstere Gestalten auftauchen, die ebenfalls Superkräfte haben, ändert sich auf die treue Gesinnung von Zeke. Auf einmal erliegt er dem Ruf nach Macht und hintergeht Cole. Doch noch vor dem Kampf mit dem finalen Bossgegner sieht Zeke seinen Fehler ein und schwört Cole die ewige Treue. Nach unzähligen Aufräumaktionen steht man dem finalen Bossgegner namens Kessler gegenüber. Von Kessler erfährt Cole auch, dass ein bösartiges Monster namens „The Beast“ erscheinen wird. Je nachdem, wie Ihre Gesinnung (Karma-Entscheidungen geben hier den Ausschlag) ist, erwarten Sie zwei alternative Endszenen. Der böse Cole sieht sich als größtes und stärkstes Wesen in der verwüsteten und von Chaos regierten Stadt Empire City, während der gute Cole als Retter von Empire City in die Geschichte eingeht. Hier ein Trailer von „inFamous“:
Hier die Zusammenfassung aus unserem "inFamous" Review:
Was kann den Action-Adventure-Spieler, der sich gerne in einem großen Szenario frei bewegt, Held spielt und dennoch klare Vorgaben hat, an „inFamous“ stören? Ja, es hat keinen Multiplayer-Modus – laut den Entwicklern, weil man sich einfach auf die Einzelspieler-Erfahrung konzentrieren wollte. Die Grafik ist gewöhnungsbedürftig, wenn man ultra-realistische Ansprüche hat, aber man hat sich gerne an Comic-Helden orientiert und dadurch einen knappen Comic-Look beibehalten. Ja, der Titel kommt recht eng zu „Prototype“ heraus, ist aber PS3-exklusiv und auf jeden Fall ein erster, sehr gut gelungener Superhelden-Mix. Mehr gibt es wohl nicht zu beanstanden.
“inFamous” bietet eine gute Story, zahlreiche Wendungen und Verwicklungen, eine „denkende“ Stadt, viel Action und einen sympathischen Helden, der aber dennoch Ecken und Kanten hat. Natürlich werden bekannte Elemente wieder verwertet (Gegner, Umgebungen etc.) – aber gesamt gesehen: Ein sehr gelungenes Open World-Game, wie man es sich nur wünschen kann – Gratulation, Sucker Punch!
Kommen wir nun zurück zu „inFamous 2“. Wie bereits am Ende von Teil 1 durch Kessler angekündigt taucht wirklich ein riesiges, vor Kraft strotzendes Magmamonster auf. „The Beast“ beginnt ohne Umschweife, Empire City dem Erdboden gleichzumachen. Das ist mal ein cooler Auftritt, und Cole ist gerade mit Zeke auf dem Weg zu Dr. Sebastian Wolfe. Er soll Cole helfen, stärker zu werden, damit er das Beast bezwingen kann. Doch bevor Cole und Zeke von Empire City nach New Marais, eine von New Orleans inspirierte Stadt, aufmachen können, taucht das Beast auf. Todesmutig stellt sich Cole dem Monster und unterliegt dem Koloss - fatalst. Er hatte keine Chance, und so muss Cole einsehen, dass es noch mehr gibt als nur seine Superkräfte. Nun bleibt den beiden nichts anderes mehr übrig, als nach New Marais zu flüchten und der Hoffnung nachzujagen, dass Wolfe Cole’s Kräfte verstärken kann. Mit dabei ist Lucy Kuo, die den Kontakt zwischen Cole und Wolfe herstellen will. Das Monster, das beim Eintreffen von Cole in New Marais noch 1500 Meilen von der Metropole entfernt ist und auf dem Weg dorthin neben Empire City zahlreiche weitere Städte vernichtet hat, scheint unverwüstbar zu sein. Findet Cole mit Dr. Sebastian Wolfe’s Hilfe einen Weg, die Bestie zu besiegen? Hier ein Trailer, der das Eintreffen des Ungetüms zeigt:
In „inFamous“ verfolgte man stets ein Hauptziel. Neben diesem konnte man noch einige Sidequests, wie das Sammeln von Audiolaufwerken, das Sammeln von Explosionsscherben oder die Karmamissionen machen. Bei „inFamous 2“ hat sich hier nicht viel geändert. Das freie Handeln konnte schon in „inFamous“ überzeugen, weshalb man dieses System gleich mehr oder weniger komplett übernommen hat. Man erledigt wieder Sidequests zum Befreien von Stadtgebieten, sammelt fleißig neue Kräfte, Audiolaufwerke, Erfahrung sowie Explosionsscherben und verliert dabei den Haupthandlungsstrang nicht aus dem Auge.
Das Kampfsystem orientiert sich stark am Vorgänger. Es gibt jetzt zwar ein Schnellmenü, in dem man zwischen verschiedenen Kräften umschalten kann, aber an der Belegung sowie der Steuerung hat sich nichts geändert. Das Zielen mit den Blitzen fällt anfangs etwas schwer, ist aber durch die Kombination mit Nahkampf- sowie den anderen Blitzattacken kein großes Hindernis. Wie auch in Teil 1 verbrauchen die mächtigen Blitzattacken Energie und damals wie heute kann Cole Autos, Laternen oder Stromgeneratoren nutzen, um seine internen Batterien wieder aufzuladen.
Auch am Erfahrungssystem hat sich auf dem ersten Blick nichts verändert. Für das Erledigen von Gegnern gibt es Punkte, wobei hier auch ein ähnlicher Ansatz wie bei „Bulletstorm“ zu sehen ist. Je kreativer Sie die Gegner erledigen, desto mehr Erfahrungspunkte schauen raus. Scheint ja alles beim Alten geblieben zu sein? Nein, nicht ganz. Es gibt eine neue Stadt zu erkunden, die etwas farbenfroher und detailreicher wirkt. Auch der Leitfaden durchs Spiel wirkt für mich etwas präsenter und die Möglichkeit, dass Spieler selbst eigene Missionen für die Community erstellen können, gefällt mir richtig gut. Schon bei Spielen wie „LittleBigPlanet“ hat man gesehen, dass die Kreativität der Spieler kaum Grenzen kennt und die Spieler selbst einen Teil zum Spiel beitragen.
Noch neu sind einige von Cole’s Kräften, die auf den ersten Blick richtig Spaß und Laune machen. Ebenfalls sehr gelungen finde ich die Möglichkeit, den Spielstand von „inFamous“ in „inFamous 2“ zu importieren. Dadurch erhielt ich beispielsweise eine positiven Karmapunkte, Erfahrungspunkte sowie einen Energiebonus. Mit dabei sind wieder das gute alte Karmasystem, Zeke, der dieses Mal unserem Helden hoffentlich treu bleibt und gigantische Bossgegner. Was will man mehr? Man könnte also rundum sagen, man hat die gelungenen Gameplayelemente übernommen und hier und da noch ein paar nette Features eingebaut um den Titel noch mehr Power zu geben. Hier der offizielle Launchtrailer zum Spiel:
Nicht nur der in „inFamous“ noch überraschte und etwas unsichere Cole hat sich verändert, sondern auch die Optik des gesamten Spiels. Während der anfänglich präsentierte neue Cole von der Mehrheit der Fans abgelehnt wurde und deshalb wieder durch den „alten“ Cole ersetzt wurde, hat man sich beim Leveldesign an den Stärken des Vorgängers orientiert. Die Open-World Umgebung, die vom Kletter-Maxe Cole bis in die letzten Winkel erkundet werden kann, zeigt einige Schmuckstücke und Details. Auch das Stimmungsbild, das eigentlich durch die sich nähernde Bedrohung düsterer nicht sein könnte, ist eigentlich positiv und erfrischend. Alles wirkt ein wenig farbenfroher. Ebenfalls ziemlich gelungen ist die zerstörbare Umgebung. Sie können beispielsweise Balkone, auf denen Feinde stehen, gleich mit einer Haftgranate komplett wegsprengen. Was man hier auch auf keinen Fall vergessen darf, sind die genialen Comic-Cutscenes, welche die Story vorantreiben. Diese Cutscenes waren schon in Teil 1 ein richtiger Stimmungserzeuger, und das sind sie auch in „inFamous 2“.
Soundtechnisch gibt’s eigentlich nur Lobeshymnen. Die abgekämpfte Stimme von Cole sowie die komplette Lokalisierung ist meiner Meinung nach gut gelungen. Auch die Vertonung der Cutscenes und die Geräuschkulisse im Spiel sind auf einem absolut hohem Niveau. Auch der Humor kommt jedes Mal wieder an, und das gefällt durchaus.
Wie bereits erwähnt, orientiert sich der Titel auch im Bezug auf die Steuerung am Vorgänger. Wie auch damals stößt mir die vertikal verdrehte Steuerung sauer auf, weshalb ich dieses gleich auf normal umgestellt habe. Das Zielen im Kampf fällt anfangs etwas schwer, doch nach wenigen Missionen kommt man durch die geschickte Kombination der Kampfmethoden sehr gut zurecht. Und im Tutorial (Anfangskampf gegen die Bestie) muss man aufgrund des gigantischen Erscheinungsbildes der Bestie nicht besonders gut zielen können. Alles in allem funktioniert die Steuerung ganz gut und die Tatsache, dass man nahezu überall raufklettern, hingleiten oder runterspringen kann, verleiht dem Spieler ein richtiges Freiheitsgefühl, wie kaum in einem anderen Spiel. Da kann sich ein „DC Universe Online“ noch was abschneiden, so muss es sich anfühlen, ein Superheld zu sein!
Atmosphäre
Schon mit der Storyeinleitung am Beginn des Spiels wird eine tolle Atmosphäre aufgebaut. Die genialen Comic-Cutscenes sowie der anfängliche Kampf gegen das Biest ziehen Sie gleich richtig tief in die Story. Zwar kann man da auch wieder leicht rausrutschen, wenn man sich mal für einen Nachmittag zum Ziel nimmt, Explosionsscherben oder Audiolaufwerke zu sammeln, aber rundum stimmt die Atmosphäre. Auch von der farbenfroheren und detailreicheren Welt profitiert die Atmosphäre.
Alles in allem kann man nur sagen, dass Sucker Punch das Rad alles andere als neu erfunden haben. Im Prinzip haben sie die funktionierenden und gelungenen Spielelemente aus Teil ein genommen und dieses hier und da mit neuen erfrischenden Gameplayinhalten erweitert. Klingt jetzt nicht besonders innovativ, aber ganz nach dem Motto „Never change a running system“ wurde auch hier gehandelt. Die Atmosphäre ist, wie auch die Grafik und der Sound, richtig gelungen, wodurch der Spieler gleich voll in die Story abtaucht. Die gelungene Mischung aus alt und neu sorgt für ein erfolgreiches Comeback von Cole MacGrath!
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