Auf der Wii gibt es ja eigentlich Spiele zu jedem Genre. Gute Rennspiele lassen sich aber leider eher weniger finden. Wer einen futuristischen Racer à la “F-Zero” sucht, wird erst recht nicht wirklich fündig. Shin'en Multimedia hat der Wii mit dem Downloadtitel “FAST: Racing League” nicht nur ein lang ersehntes futuristisches Rennspiel spendiert, sondern auch einen optischen Leckerbissen. Ob bei diesem Racer mehr als nur die Optik glitzert, erfahren Sie in diesem Bericht.
Story
Laut offizieller Beschreibung findet das Spiel im Jahr 2112 statt. Zuschauer seien nur noch durch Highspeed-Rennen zu unterhalten. Im Spiel selbst taucht keine Story auf. Das ist aber auch nicht schlimm, bedenkt man, dass die Entwickler nur relativ wenig Speicherkapazität zur Verfügung haben und man sich daher wohl lieber voll und ganz dem Gameplay verschreiben wollte.
Dass Sie in einem Rennspiel von A nach B fahren, sollte kein Geheimnis sein. Auch bei “FAST: Racing League” ist dies der Fall, allerdings ist bei diesem Titel das Wie interessant. Jedes Gefährt verfügt nämlich über eine weiße und eine schwarze Phase. Während Sie versuchen das Ziel zu erreichen, müssen Sie auf schwarze und weiße Felder achten. Haben Sie bei Ihrem Schiff die Farbe des Feldes aktiviert und befördern Sie es über das Feld, erhalten Sie einen Turbo. Haben Sie allerdings gerade die andere Phase aktiviert und fahren über das Feld, werden Sie stark gebremst. Gelegentlich tauchen auch Sprungfelder auf, für die das gleiche Prinzip gilt. Es kann auch durchaus vorkommen, dass vor Ihnen ein Abgrund entsteht, an der Decke allerdings eine Strecke mit weißer oder schwarzer Markierung zu erkennen ist. Wenn Sie dann die passende Phase aktivieren, fahren Sie kurzzeitig mit Höchstgeschwindigkeit die Decke entlang. Sie können aber nicht unendlich oft die Phasen wechseln. Es gibt quasi einen Tank, der auch für eine kurzzeitige manuelle Beschleunigung aufgebraucht wird. Dieser wird nur dadurch wieder aufgefüllt, indem Sie Energiekugeln aufsammeln, die hier und da auf den Strecken schweben. Während Sie also mit etwa 200-500 km/h (je nach Liga) über die Strecke rauschen, müssen Sie stets ein waches Auge haben. Das gilt auch für Ihre Gegner. Diese sind nämlich nicht doof und geben Ihnen nur selten eine Chance auf einen guten Platz, wenn Sie es beispielsweise nicht über einen Abgrund geschafft haben.
Sie können aber nicht nur versuchen, die drei Ligen mit je drei „Grand Prix“ zu meistern oder versuchen ihre Zeiten auf einer einzelnen Strecke zu verbessern (allerdings immer gegen Bots), sondern sich auch an Challenges versuchen, die an die Wettkämpfe aus „Mario Kart Wii“ erinnern. In den 21 Herausforderungen geht es mal darum, eine Strecke (die so nicht in den Ligen vorkommt) in einer gewissen Zeit zu absolvieren, ein andermal muss man Items einsammeln, indem man über sie fährt, und so weiter. Hierbei fällt positiv auf, dass die Herausforderungen meistens wirklich Herausforderungen sind.
Falls Sie sich fragen, ob dieser WiiWare-Titel wirklich so gut aussieht, wie in den Screenshots – ja, das tut es! Die Entwickler haben bereits mit “Jett Rocket” bewiesen, dass gut aussehende WiiWare-Titel tatsächlich möglich sind. “FAST: Racing League” sieht für einen Downloadtitel auf der Wii echt bombastisch aus.
Die verschiedenen Stages sind zwar nur wenigen bestimmten Themen zugeordnet, wie etwa Strand oder Wüste, dafür ist Streckendesign jedes Mal einzigartig. Loopings und Abgründe sind also nicht in jeder Stage gleich positioniert. Grafisch lässt dieser Sci-Fi-Racer sehr viele Download-, aber auch einige Vollpreistitel für die Wii alt aussehen.
Der Sound passt zur Thematik. Techno und Drum`n`Bass-Melodien versüßen stets das Spielgeschehen, geraten aber nach dem Abschalten recht schnell in Vergessenheit. Epische Melodien wie in “F-Zero” sucht man hier vergebens. Dennoch erfüllt die ausgewählte Musik ihren Zweck.
Wii Wheel reloaded?
Um die Schiffe zu befördern, haben Sie drei Möglichkeiten. Entweder nutzen Sie das Wii Wheel, die Wii Remote mit Nunchuk oder aber den Classic Controller. Mittels Tutorial werden Sie “gezwungen”, wenigstens eine Steuerungsmöglichkeit genauer kennen zu lernen. Das Wii Wheel (oder die Wii Remote alleine) ist vielleicht bei den ersten drei Ligen, wo die Geschwindigkeit noch nicht allzu hoch ist, noch relativ gut zu nutzen, allerdings muss ich gestehen, dass ich die Wii Remote lieber im Zusammenhang mit dem Nunchuk genutzt habe. Mit A geben Sie Gas, mit B bremsen Sie, durch ein kurzes Schütteln benutzen Sie einen Turboboost, mit dem Analog-Stick des Nunchuk steuern Sie Ihr Schiff und mit durch das Drücken der Z-Taste wechseln Sie die Phase. Die Steuerung geht ganz gut von der Hand, allerdings müssen Sie sich aber natürlich erst auf die Fahrphysik der sechs nach und nach auswählbaren Schiffe einstellen. Wenn Sie in der schwierigsten Liga allerdings mal auf über 500km/h beschleunigen, brauchen Sie zusätzlich gute Reflexe, denn das Spiel ist überwiegend richtig “FAST”.
Zwar bietet das Spiel keinen Online-Multiplayer, dafür können aber bis zu vier Spieler gegeneinander im Splitscreen-Modus antreten. Bei vier Leuten besteht allerdings der Nachteil, dass man nicht so viel von der Strecke sieht, als wenn lediglich zwei Personen gegeneinander antreten. Sobald alle Ihre Gefährte ausgesucht haben, wird dann eine von Ihnen ausgewählte Liga gemeinsam gefahren. Diesen indirekten Koop-Modus finde ich zwar ganz nett, allerdings fehlt mir die Möglichkeit, mir aus den 12 verschiedenen Strecken eine auszusuchen und lediglich diese allein mit einem Freund zu befahren. So wie es ist, wird man indirekt gezwungen, jedes Mal einen ganzen “Grand Prix” bestehend aus vier Strecken zu fahren, statt nur eine ausgesuchte Stage- und das auch jedes Mal zusätzlich mit Bots. Die Option, computergesteuerte Fahrer auf einer Strecke auszuschalten, fehlt sowohl im Single- als auch im Multiplayer.
3,2,1 Motivation!
Wer versucht, bei diesem Spiel die 100% zu schaffen, wird sich überwiegend echt die Zähne ausbeißen. Eine Liga auf dem 3. Platz zu beenden, reicht zwar aus, um die nächste freizuschalten, allerdings für die 100% nicht. Auch die Herausforderungen können einfach nur bestanden werden, um alle freizuschalten oder aber in einem sehr guten Zeitrahmen, sodass man sein Sternchen bekommt. Wer gerne Spiele zu 100% durchspielt, wird hier eine ganze Weile zu tun haben – über die angegebene Spielzeit von knapp sechs Stunden hinaus. Der Schwierigkeitsgrad bei diesem Rennspiel ist nämlich echt fordernd. Es wird Ihnen einiges abverlangt, um eine Herausforderung mit Stern zu bestehen – aber auch, um einen “Grand Prix” als Erster zu beenden. Rennspiel-Anfänger sollten von daher versuchen, erst einen Blick zu riskieren, ehe Sie ihre Punkte für den Download einlösen. Wer den Kauf wagt, wird mit einem extremen Geschwindigkeitsgefühl belohnt. “FAST: Racing League” wird immer “faster”, je weiter Sie im Spiel fortschreiten. Als Nicht-Geschwindigkeits-Freak hatte ich bei den späteren Strecken durchaus meine Probleme, mein Gefährt bei 500km/h richtig zu manövrieren.
Shin'en Multimedia hat der WiiWare-Plattform einen wundervollen Sci-Fi Racer beschert – zumindest im Rahmen ihrer Möglichkeiten und dem 40 MB-Limit. Highspeed-Fans, die sich nach “F-Zero”-Titeln sehnen, können hier nichts falsch machen. Die Grenze zwischen Lust und Frust kann für Neulinge jedoch eher zu Frust tendieren, da der Schwierigkeitsgrad recht fordernd, aber nicht unmöglich schwer ist. Der Multiplayer hat zwar ein paar Schwächen, macht dennoch Spaß. Hochgeschwindigkeits-Fanatikern erwartet für 10 Euro wohl der WiiWare-Racer schlechthin, der durchaus motiviert. Hoffentlich wird Shin'en Multimedia für den Wii-Nachfolger “FAST: Racing League 2” mit verbessertem Multiplayer und vielleicht noch mehr Strecken rausbringen.
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